Fallstricke beim Autoleasing

09.12.2019 | 02:10 Uhr

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MDR JUMP Mo 09.12.2019 02:10Uhr 01:02 min

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So funktioniert Leasing

Ein Leasingvertrag ist ein Nutzungs- oder auch a-typischer Mietvertrag. Das Auto gehört einem dabei nicht selbst, sondern dem Leasinggeber, der Herstellerbank oder dem Händler. Für die Nutzung zahlt der Leasingnehmer eine monatliche Gebühr, die je nach Anzahlung und Wert des Autos höher oder niedriger ausfällt. Die Pflichten liegen jedoch beim Leasingnehmer. Er ist für alle Wartungen, Inspektionen und Reparaturen verantwortlich.

Günstige Angebote mit Haken

Geködert wird gern mit niedrigen Raten, null Anzahlung oder ähnlichen Sonderangeboten. Doch Vorsicht: Je niedriger die Rate, desto höher ist in der Regel die Schlusszahlung. Auch können erhebliche Zusatzkosten entstehen, wenn das Auto Unfall- oder andere Schäden aufzuweisen hat.

Junge Frau unterschreibt 2001 einen Vertrag im Autohaus
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In der Regel läuft ein Leasingvertrag zwischen zwei und vier Jahren, danach wird das Auto zurückgegeben. Vorzeitige Kündigungen bei Krankheit oder Jobverlust sind in der Regel nicht möglich. Findet man niemanden, der den Vertrag übernimmt, muss bis zum Schluss gezahlt werden, auch wenn das unter Umständen die Privatinsolvenz bedeutet.

Wann es sich lohnen kann

Unternehmen und Selbstständige können Leasingraten und andere Ausgaben für das Auto von der Steuer absetzen. Als Privatperson geht  das nicht. Deswegen ist Leasing eigentlich immer teurer, als ein Auto bar zu zahlen. Es kann sich aber lohnen, wenn:

  • man immer ein aktuelles Modell fahren will. 
  • bei einem Voll-Service-Vertrag alle Wartungs- und Serviceleistungen enthalten sind und so alle Kosten immer genau geplant werden können.
  • man keine langfristige Finanzierung eingehen will.
  • das Fahrzeug in einem tadellosen Zustand zurückgegeben wird.

Ob ein Angebot günstig ist, kann auch mit dem sogenannten Leasingfaktor berechnet werden.  Er hilft dabei, die Angebote zu vergleichen. Der Leasingfaktor berechnet sich wie folgt:

Ohne Anzahlung: monatliche Leasingrate/Bruttolistenpreis x 100
Mit Anzahlung: (monatliche Leasingrate+(Sonderzahlung/Laufzeit)/Bruttolistenpreis) x 100

Liegt der Leasingfaktor unter 0,7, ist es ein günstiges Angebot, bei einem Wert ab 1,2 ist es teuer.

Wann es sich nicht lohnt

Finanziell betrachtet, ist ein Leasing-Vertrag unterm Strich meist teurer als ein Barkauf oder eine Finanzierung. Zwar liegt die monatliche Leasingrate oft deutlich unter der einer Finanzierung. Am Ende des Vertrages gibt man das geleaste Auto aber wieder ab, das finanzierte hingegen besitzt man. Wer die Jahreskilometer nicht voraus planen kann, wer Kinder oder Haustiere hat oder das Auto oft zum Transport nutzt, für den ist Leasing eine sehr riskante Variante. Denn das Auto könnte einige Abnutzungserscheinungen aufweisen. Doch Händler wollen am Ende der Leasinglaufzeit ein möglichst gut erhaltenes Auto haben. Ansonsten zahlt man bei beiden möglichen Leasingformen drauf.

Restwertleasing

Zu Beginn des Leasingvertrages wird ein bestimmter Betrag vom Neuwert des Autos angezahlt. Danach folgen die monatlichen Leasingraten. Am Ende des Vertrages nimmt der Händler das Auto zum vorher festgelegten Restwert zurück. Entspricht dieser Restwert aber nicht dem tatsächlichen Restwert des Autos, werden Nachzahlungen fällig. Da der tatsächliche Restwert auch vom Gebrauchtwagenmarkt abhängig ist, ist das Restwertrisiko im Vorfeld schwer einzuschätzen und macht diese Form des Leasings besonders riskant. Daher sollte beim Restwertleasing besonders darauf geachtet werden, dass der Restwert nicht so hoch angesetzt ist. Ein hoher Restwert geht meist mit günstigen Leasingraten einher. Doch die könnten einen am Ende teuer zu stehen kommen.

Vorsicht beim Diesel-Leasing

Abgasskandal, Schummelsoftware und Fahrverbote: Niemand kann heute sagen, ob der Diesel, den man least, morgen noch überall fahren darf. Eine Garantie für einen hohen Restwert für Dieselfahrzeuge gibt es also nicht. Händler werden so ein Fahrzeug nur sehr ungern und mit möglichst vielen Beanstandungen zurücknehmen. Besonders beim Restwertleasing kann einem das böse auf die Füße fallen.  

Kilometerleasing

Das Cocküpit eines Autos
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Beim Kilometerleasing wird durch die Vertragspartner neben den monatlichen Leasingraten auch eine Obergrenze der gefahrenen Kilometer festgelegt. Werden während der Vertragslaufzeit mehr Kilometer gefahren als vereinbart, werden Nachzahlungen fällig. Wie viel pro Kilometer, wird zuvor vertraglich festgelegt. Wird die Kilometergrenze nicht erreicht, kann es Gutschriften geben. Bei einigen Vertragspartnern gibt es die Möglichkeit, kostengünstige Pufferzonen bzw. Toleranzgrenzen zu vereinbaren. Das Restwertrisiko wie beim Restwertleasing spielt aufgrund der vereinbarten Kilometerleistung nur eine theoretische Rolle. Allerdings wird auch beim Kilometerleasing nach Ablauf der Vertragslaufzeit das Auto bewertet. Größere Kratzer und überdurchschnittliche Abnutzungen werden meist als Schäden gewertet. Der Leasingnehmer wird dann zusätzlich zur Kasse gebeten. Darüber hinaus müssen bei der Gesamtrechnung meist zusätzlich Kosten für die Vermittlung und Abwicklung des Leasingvertrages einbezogen werden.

Das ist noch zu beachten

Egal, wie genau die vereinbarten Kilometer ein- oder das Leasingfahrzeug sauber gehalten wird, als Leasingnehmer/in hat man nicht alles in der Hand:

  • Unfall, Steinschlag und Co: Während der Vertragslaufzeit kann auf der Straße viel passieren. Eine Steinschlagreparatur bezahlt zwar die Kaskoversicherung. Der Wert des Fahrzeuges wird dennoch gemindert, weil es nicht mehr wirklich unfallfrei ist. Und diese Wertminderung lässt sich der Leasinggeber am Ende trotz Reparatur ausgleichen. Das gilt auch für Unfälle, die den Wert des Leasingfahrzeuges beeinträchtigen.
  • Fachwerkstatt: Eben mal die Bremsen in der Werkstatt beim Anbieter um die Ecke wechseln? Das ist bei Leasingfahrzeugen in den meisten Fällen nicht möglich. Oft schreibt der Leasinggeber eine Fachwerkstatt vor.
  • Restwertgutachter: Er wird vom Autohändler oder der Leasingbank bestellt und bezahlt. Auf möglichst große Unabhängigkeit sollte geachtet werden.

Fazit

Leasing lohnt sich für den Privatgebrauch in den allerseltensten Fällen, beispielsweise, wenn Autohersteller bestimmte Ladenhüter loswerden wollen und zu Top-Konditionen auf den Markt bringen. Ansonsten ist Leasing in nahezu allen Fällen das teuerste Finanzierungsmodell, auch wenn es am Anfang nicht so aussieht. Es lohnt sich zu überprüfen, ob nicht der Kauf eines jungen Gebrauchten oder die Finanzierung bei aktuell niedrigen Zinsen nicht doch mehr Geld und Nerven sparen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 09. Dezember 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Dezember 2019, 02:10 Uhr

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