Unfallflucht - wie komme ich zu meinem Recht?

Man sitzt im Auto und plötzlich: Ein dumpfer Knall! Man erschreckt, schaut sich um, sieht nichts und fährt einfach weiter. Bis zu 300.000 mal soll das jährlich in Deutschland vorkommen. Die Strafen dafür reichen von ein paar Euro bis hin zu Gefängnis, denn Fahrerflucht ist kein Kavaliersdelikt!

Polizei-Absperrband 1 min
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MDR JUMP Di 01.12.2020 10:45Uhr 01:05 min

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Was ist eigentlich ein Unfallschaden?

Bei Fahrzeugen ist die Definition eines Unfallschadens relativ einfach: Alles was du ohne erheblichen technischen Aufwand wieder wegbekommst, ist kein Unfallschaden. Der kleine Kratzer im Lack, der mit ein wenig Politur verschwindet - ist kein Unfallschaden. Eine Delle, auch wenn sie noch so klein ist, die sich nicht einfach rausdrücken lässt - Unfallschaden. Wann immer also Fachleute ran müssen, hast du es mit einem Unfall zu tun. Bei Personenschäden muss man noch sensibler sein. Wichtig: Niemand kann in ein Auto oder gar in einen Menschen reinblicken. Wenn es also zu einer Kollision oder einem Rempler kommt, ist es klüger in Ruhe zu untersuchen, ob ein Schaden vorliegt. Und wenn das so ist, solltest du dich nicht aus dem Staub machen.   

Als Verursacher

Ruf die Polizei und warte

30 Minuten mindestens, 60 sind besser. Dabei kommt es auf den Ort und die Umstände an: Auf einem Supermarktparkplatz kannst du damit rechnen, dass bald jemand zum Auto kommt. Nachts um zwei Uhr am Wohnblock musst du keine Stunde sinnlos rumstehen. Da rufst du gleich die Polizei, informierst und richtest dich danach, was dir gesagt wird. Wichtig: Der berühmte Zettel an der Windschutzscheibe gilt nicht als Information. Er könnte ja von jemandem abgemacht werden oder wegfliegen. Und du hättest dich unerlaubt vom Unfallort entfernt. Wenn dich später das schlechte Gewissen packt, kannst du dich bis zu 24 Stunden nach dem Unfall noch bei der Polizei melden. "Das wirkt sich nach Paragraph 142 Absatz 4 des Strafgesetzbuches auf jeden Fall strafmildernd aus, da Sie eine sogenannte tätige Reue zeigen", so Verkehrsrechtsanwalt Phillip Lange aus Leipzig.  

Das droht bei Fahrerflucht

Bezahlen musst du in jedem Fall. Die Strafen für Fahrerflucht reichen von ein paar Euro bei einer kleinen Delle bis hin zur Gefängnisstrafe, wenn Personen zu Schaden gekommen sind. Zumal du dann auch noch wegen unterlassener Hilfeleistung bestraft werden kannst.  

Nicht gemerkt gilt nicht

Die Ausrede, dass du einen Parkrempler oder gar einen größeren Unfall nicht bemerkt haben willst, zieht nur in den seltensten Fällen. Zumal dir ein Gericht unterstellen könnte, dass du nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit im Verkehr unterwegs bist.

Die Versicherung holt sich ihr Geld bei dir zurück

Auch bei deiner Versicherung solltest du dich umgehend melden. Hast du eine Vollkasko, kann sie die Regulierung des Schadens an deinem Auto verweigern, wenn du nicht die Polizei gerufen hast. Denn: Du könntest ja was getrunken haben, damit würde dein Versicherungsschutz erlöschen. Auch die Haftpflicht würde sich unter Umständen Geld für den Schaden des Anderen von dir zurückholen.  

Als Geschädigter

Ruf die Polizei und überprüfe dein Auto

Das ist wichtig, damit der Unfall zu Protokoll gegeben wird. Außerdem hältst du so ganz genau fest, welcher Schaden entstanden ist. Das ist wichtig für eine Regulierung durch deine Versicherung. Unser Experte schränkt aber ein: "Die Polizei sieht auch nur von außen, was kaputt ist. Tauchen spätere größere Schäden auf, können sich die Versicherer immer noch quer stellen." Hast du also den Verdacht, dass dein Auto gröber beschädigt ist, sollest du umgehend einen Gutachter drüber schauen lassen.  

Die Dashcam darfst du eigentlich nicht benutzen - aber

eben nur eigentlich, weil sie einen Eingriff in die Privatsphäre der anderen Verkehrsteilnehmer darstellt. Dazu Anwalt Lange: "In der Praxis akzeptieren aber viele Gerichte die Aufnahmen einer Dashcam als Beweismittel. Die Kamera sollte nur nicht dauerhaft den Verkehr beobachten." Sie kann aber helfen, zu beweisen, wie ein Unfall tatsächlich abgelaufen und wer der Verursacher ist. Bei größeren Schäden, auch bei Personen, wägen Gerichte deshalb mitunter ab.

Melde dich bei deiner Versicherung

Als Unfallopfer hast du bei deiner Haftpflicht und Teilkasko schlechte Karten. Die zahlen nämlich nicht. Nur eine Vollkasko würde für deinen Schaden aufkommen. Die solltest du aber auf jeden Fall informieren, weil auch ein äußerlich geringer Schaden später richtig teuer werden kann, wenn noch andere Bauteile betroffen sind. Beachte aber, dass du von der Vollkasko hochgestuft wirst und so in den nächsten Jahren höhere Beiträge zahlst. Kühles Rechnen ist hier wichtig. Hast du einen Unfallverursacher, dann zahlt in der Regel dessen Haftpflicht. "Und dabei ist es der Versicherung egal, wer gefahren ist. Ein Nummernschild reicht ihnen also", so unser Experte. Wenn du gar keine Chance auf Entschädigung hast, weil kein Unfallverursacher gefunden wird, kannst du dich an die Verkehrsopferhilfe wenden. Eine Verkehrsrechtschutzversicherung hilft dir bei der Abwicklung von Streitigkeiten oder gar vor Gericht.  

Als Zeuge

Notiere dir sofort Nummernschild, Farbe und Typ des Autos. Wichtig auch: Wer ist gefahren? Verursacher müssen das nämlich nicht aussagen und dann hat die Polizei Probleme, das zu ermitteln. Versuche, das Unfallopfer zu informieren und halte dich als Zeuge bereit. Die Polizei wird sich bei dir melden und dich entweder persönlich zur Aussage vorladen oder dir ein Zeugenprotokoll zum Ausfüllen zusenden. Achtung: Du solltest dieses Protokoll kopieren und aufheben. Wenn du nach einem Jahr oder später tatsächlich als Zeuge vor Gericht geladen wirst, hilf es bei der Erinnerung. Wirst du vorgeladen, musst du hin. Der Tag vor Gericht wird dir aber entschädigt. Willst du nicht vor Gericht, kannst du deine Aussage bei der Polizei auch anonym machen, per Telefon.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 01. Dezember 2020 | 10:45 Uhr

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