Warum Affe, Schlange und Co. zu Hause eigentlich nichts zu suchen haben

Ein exotisches Tier in den eigenen vier Wänden klingt spannend. Und das ist es auch – in den allermeisten Fällen aber nur für die Besitzer. Wie einzelne Tiere und ganze Arten unter Exotenhaltung leiden, erfährst du jetzt.

Zu viele Exoten in Leipziger Tierheim 1 min
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MDR JUMP Mi 25.11.2020 10:45Uhr 01:08 min

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Niemand meint es wirklich böse

Ein bisschen Zoo und Wildnis daheim, das klingt verlockend. Und so tummeln sich in deutsche Wohnungen wirklich alle erdenklichen Wildtiere. Von der harmlosen Kornnatter, über das Totenkopfäffchen bis hin zur hochgiftigen Klapperschlange. Erschreckend dabei: Du kannst ohne großen Aufwand fast jedes exotische Tier kaufen, auch gefährliche. Manche Schlangen aus privaten Zuchten werden dir bei Ebay für wenige Euro hinterhergeworfen. So gibt es immer wieder Trends, in denen exotische Tiere gefragt sind und dann Zeiten, wo viele Besitzer sie wieder loshaben wollen. Das Ergebnis beschreibt Biologe Patrick Boncourt vom Deutschen Tierschutzbund e. V. so:

Die Tierheime und Auffangstationen für Exoten sind aktuell hoffnungslos überfüllt. Die großen Einrichtungen ähneln mittlerweile fast schon Zoos. Und in nahezu jedem großen deutschen Fluss finden Sie Schmuckschildkröten, die von ihren Besitzern ausgesetzt wurden.

Was sind eigentlich Exoten

Zu viele Exoten in Leipziger Tierheim
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Als exotische Arten werden in der Regel Tiere angesehen, die bei uns nicht heimisch sind. Dazu gehören auch Arten, die vom Menschen nirgendwo wirklich als Haustiere gehalten werden. Exoten kommen in der Regel von sich aus mit unseren Umweltbedingungen nicht zurecht. Sie können nur mit einem großen technischen Aufwand artgerecht gehalten werden. Problem: schon daran scheitern viele Besitzer auf Dauer. Sie unterschätzen Geld und Zeit, die sie in ihre Tiere investieren müssen. Viel wichtiger: Die meisten exotischen Tiere bauen nie eine Beziehung oder gar Bindung zu ihrem Besitzer auf. Anders als ein Hund oder eine Katze haben Exoten in der Regel nichts von der Haltung im privaten Haushalt. 

Die rechtliche Regelung ist chaotisch

Gerade mal in der Hälfte aller Bundesländer ist das Halten von gefährlichen Exoten wie zum Beispiel Giftschlangen nur unter Auflagen erlaubt. Es werden eine entsprechenden Sachkundeprüfung und ein polizeiliches Führungszeugnis verlangt. Das ist aber so durcheinander, dass zum Beispiel in Sachsen von Stadt zu Stadt unterschiedliche Regeln herrschen. Dazu der Referent für Exoten beim Tierschutzbund Patrick Boncourt:  "Wir fordern seit Jahren, eine einheitliche Regelung in Deutschland. Aktuell liegt nur eine Studie der Uni Leipzig zur Exotenhaltung in Deutschland als Entscheidungsgrundlage vor. Die Ergebnisse sind ernüchternd, noch hat aber die Politik keine Konsequenzen gezogen." In der Konsequenz läuft der Internethandel auf Hochtouren und theoretisch kannst du in Deutschland in bestimmten Regionen fast jedes Tier als Haustier halten.

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aus dem Tierheim Delitzsch

Was in der Mietwohnung erlaubt ist

ClipX | Hamster frisst Mini-Burritos
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Kleintiere wie Fische, Hamster und bestimmte Vögel darfst du in der Regel ohne Zustimmung deines Vermieters halten. Bei Hund und Katze sieht das schon anders aus, wenn die Tiere das Leben der anderen Mieter durch Geräusche und Gerüche einschränken. Bei Exoten ist es ähnlich: Sind sie klein und ungefährlich, spricht nichts gegen eine Haltung. Der Nachbar kann also gegen eine ungiftige Kornnatter nichts einwenden. Bei gefährlichen Tieren brauchst du eine ausdrückliche Zustimmung des Vermieters und der zuständigen Polizei- beziehungsweise Ordnungsbehörde. Skorpion, Giftschlange und Krokodil einfach so zu halten, ist also nicht erlaubt.  

Warum ganze Arten und die Umwelt leiden

Der Handel mit exotischen Tieren ist einer der größten Wirtschaftszweige weltweit. Damit wird richtig Geld verdient. Und es müssen nicht immer gleich Affe, Leguan oder Flughund sein – du wirst mitunter schon in der Aquarienabteilung vom Baumarkt ungewollt ein Teil dieser Handelskette:

Sie müssen sich klar machen, das gut 98 Prozent aller Fische für Meerwasseraquarien in der Wildnis gefangen werden. Die lassen sich nämlich auch von Profis nicht ohne weiteres züchten.

So unser Experte. Die Tiere werden ihrem natürlichen Lebensraum entnommen, der wird dabei belastet. Wildtierhandel zerstört also Tierarten und Natur.

Wie du Exoten verantwortungsvoll hältst

Sollte es trotzdem unbedingt Schildkröte, Schlange oder Co. sein, dann solltest du dich lange im Vorfeld mit den Bedürfnissen und Verhaltensweisen des Tieres beschäftigen. Rechne langfristig durch, ob du zum Beispiel für Schildkröte und Papagei auch in dreißig Jahren noch Zeit hast. Viele der Tiere werden locker so alt. Unser Experte rät für die Suchen nach dem richtigen Tier:

Fragen Sie zuerst in einem der Tierheime nach. In großen Städten wie Berlin, Stuttgart oder Leipzig haben Sie dabei gute Chancen auf Mitarbeiter mit einer entsprechenden Erfahrung zu treffen. Dort werden Sie gut beraten und entlasten noch die Einrichtung.

Bei Rechtsfragen wende dich ebenfalls im Vorfeld an das für dich zuständige Veterinäramt.

Dort weiß man, welche Regelungen in Ihrem Bundesland  gelten und welche Nachweise sie eventuell vorlegen müssen

So der Spezialist für Exoten Patrick Boncourt. Um ein exotisches Tier zu halten, musst du verantwortungsvoll, gewissenhaft und langfristig denken. Und selbst dann kannst du dem Tier nur annähernd so gute Lebensbedingungen wie in seinem natürlichen Umfeld bieten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 25. November 2020 | 10:45 Uhr

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