So hilfst Du Deinem Tier im Notfall

15.04.2019 | 02:10 Uhr

Ein Hund mit Pflaster auf dem Kopf 1 min
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MDR JUMP Mo 15.04.2019 02:10Uhr 01:17 min

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Frisst ein Tier einen präparierten Köder, kommt es mit einer Bisswunde zurück oder wird es aus einem anderen Grund zum Notfall, gelten besondere Regeln. Denn anders als verletzte Menschen können Tiere ihrem Besitzer natürlich nicht sagen, was weh tut oder welches Problem sie haben. Hinzu kommt, dass verletzte oder kranke Tiere nicht wissen können, dass ihnen geholfen werden soll. In ihrer Aufregung können sie den helfenden Menschen beißen oder sich selbst noch mehr verletzten. Wir sagen, wie man mit Haustieren in einer Notsituation richtig umgeht.

Erste-Hilfe-Kurse

Vom Hitzschlag über Schnitt- oder Bissverletzungen bis hin zu Knochenbrüchen und Elektrounfällen: Bei Haustieren müssen Besitzer jederzeit auf einen Unfall gefasst sein und entsprechend handeln können. Denn bis auf wenige Ausnahmen gibt es keine flächendeckende Tierrettung, wie etwa den Rettungsdienst beim Menschen. In der Regel musst du also dein Haustier selber zum Arzt bringen. Die Erstversorgung und der Transport liegen also bei dir. Die beste Vorbereitung auf einen Notfall erhälst du bei Erste-Hilfe-Kursen für Tiere. Wie wird eine Blutung gestoppt, wie versorgst du eine Bisswunde, wie transportierst du dein Tier richtig? All das lernst du in diesen Kursen. Angebote gibt es von Tierschutzvereinen und Tierärzten, aber auch von Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz, den Johannitern oder dem Arbeiter Samariter Bund. Was du dabei gelernt hast, kannst du am besten an deinem gesunden Tier trainieren. Du übst - und dein Tier gewöhnt sich an die Übungen.

Allerdings sollten Sie vorher fragen, was genau Sie zu Hause üben können. Mit einer falschen Herzmassage können Sie einen gesunden Hund nämlich tatsächlich ins Jenseits befördern.

Tierarzt Dr. Ronald Lindner aus Markkleeberg

Hausapotheke für Tiere

Neben dem entsprechenden Wissen und praktischen Übungen erfährst du in Übungslehrgängen auch, welche Mittel und Medikamente in eine Hausapotheke für Tiere gehören. Neben Verbandszeug, Desinfektionsmittel, Augen- und Ohrentropfen und einigen Dingen mehr gehören dort auch die Telefonnummern von deinem Tierarzt und eventuell der nächsten Tierklinik hinein.

Tier-Notdienst

Der Tierarzt Gabor Horvath und die Studentin der Tiermedizin, Malin Schmidt, behandeln  bei einer Schicht der Tierrettung München e.V. eine Katze im Tier-Rettungswagen.
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Die erwähnten Nummern solltest du aber auch in Haustelefon und Handy speichern. Kommt eine Rettung oder der Tierarzt zu dir, kannst du diese schon unterwegs informieren und wichtige Daten durchgeben. Wenn du in Begleitung zum Tierarzt fährst, kannst du schon von unterwegs aus vorinformieren.

Im Normalfall bieten Tierkliniken eine 24-Stunden-Notversorgung, wir niedergelassenen Tierärzte bieten Ihnen einen Wochenend-Notdienst für kleinere, leichtere Fälle.

Dr. Ronald Lindner

Wichtig: Eigenschutz

Denke vor jeder Hilfe daran, dich selbst zu schützen. Versuche, Ruhe zu bewahren. Nähere dich dem Tier langsam und rede beruhigend auf das Tier ein. Tiere registrieren sehr schnell, wenn du aufgeregt oder gar in Panik bist. Verletzte oder kranke Tiere wollen nur ungern angefasst werden. Sie können mit Kratzen, Beißen oder Hacken reagieren. Bei Infektionsgefahr solltest du, wenn möglich, Handschuhe tragen. Lege Hunden im Ernstfall ein sogenanntes Schnauzenband an. Ein Schal oder ein Halstuch können auch helfen. Achte dabei aber darauf, dass das Tier nicht ersticken kann. Leine einen Hund, wenn es geht, während der Versorgung an. Wenn sich eine Katze nicht greifen lässt, kannst du eine Decke über das Tier legen und versuchen es sanft unter Kontrolle zu bringen. Gleiches gilt mit Vorsicht auch für Hasen, Meerschweine oder kleine Vögel.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Das sogenannte Tierrettungs-ABC beinhaltet folgende Dinge:

A - steht für eine Kontrolle und Säuberung der Atemwege. Wenn es geht, öffne dem Tier das Maul, zieh die Zunge vor und entferne eventuelle Fremdkörper.

B - ist die Beatmung durch die Nase. Dazu unser Experte:

"Wenn Sie das können, ist das tatsächlich eine erste Maßnahme, gerade bei Hunden, die kurz vor dem Ertrinken waren. Dazu fassen Sie das Tier an die Hinterläufe und heben sie hoch, sodass das Wasser rausläuft. Wenn der Hund danach noch nicht selbstständig atmet, dann ist eben diese Form der Hilfe möglich."

Dr. Ronald Lindner

C - steht für Circulation, auf Deutsch Kreislauf. Sollte das Herz bei Ihrem Tier ausgesetzt haben, gibt es spezielle Techniken, die du anwenden kannst. Diese solltest du allerdings nur anwenden, wenn du zuvor unter fachlicher Aufsicht geübt hast.

Bei einem Hitzschlag kannst du einem Tier mit feuchten Tüchern und lauwarmem Trinkwasser helfen. Kühlende Umschläge unterstützen die Linderung bei einem Bienen- oder Wespenstich. Achtung: Bei einem Insektenstich in Rachen oder Hals solltest du sofort in die Tierklinik fahren. Es besteht Lebensgefahr. Hat sich das Tier eine Pfote oder Tatze geprellt, hilft es, diese direkt in kaltes Wasser zu tauchen, damit die Schwellung zurückgeht.

Gefährliche Medikamente

Gib deinem Tier nie Medikamente, die für Menschen gedacht sind. Das gilt für Tabletten und Tropfen genauso wie für Salben oder Tinkturen. Die falschen Medikamente können Magen-Darm-Probleme und tatsächlich Vergiftungserscheinungen auslösen. Salben und ähnliche Produkte können zu Hautreizungen und allergischen Reaktionen führen. Grundsätzlich gilt: Keine Medikamente sind besser als die falschen.

Fazit

Um deinem Haustier im Notfall optimal helfen zu können, solltest du dich am besten in einer entsprechenden Schulung auf so einen Notfall vorbereiten. Bei Kleintieren kannst du dich mit dem Tierarzt vorab über entsprechende Maßnahmen verständigen. Bewahre im Ernstfall Ruhe und denke daran, dich selbst zu schützen. Wende nur Hilfsmaßnahmen und Medikamente an, die bekannt und vertraut sind. Transportiere dein Tier behutsam zum nächsten Tierarzt oder einer Tierklinik. 

Wichtig ist, dass Sie überhaupt versuchen, zu helfen, auch wenn dabei was schiefgehen kann. Das ist das gleiche Grundprinzip wie bei der Hilfe am Menschen. 

Dr. Ronald Lindner

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 15. April 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. April 2019, 02:10 Uhr