Die wichtigsten Regeln für das Testament

25.02.2020 | 02:10 Uhr

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MDR JUMP Di 25.02.2020 10:45Uhr 01:10 min

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Es geht um viel Geld. Bis zu 100 Milliarden Euro vererben die Deutschen laut Bundesamt für Statistik im Jahr – in Form von Häusern, Wohnungen, Wertpapieren oder Bargeld. Und wie immer, wenn es etwas zu verteilen gibt, scheint Streit vorprogrammiert. Das Bundesministerium für Justiz mahnt in seinem Ratgeber:

Streitigkeiten über ein Erbe haben schon manche Familienbeziehungen gestört oder es sind Freundschaften daran zerbrochen.

Bundesministerium für Justiz

Handgeschrieben – Nicht nur eine Frage der Form!

Das Testament wird auch als letztwillentliche Verfügung bezeichnet. Darin legt man als Erblasser fest, wer nach dem Tod das Vermögen erhalten soll. Es gibt vieles zu beachten, wenn man ein Testament verfasst. Formfehler können dazu führen, dass ein ganzes Dokument ungültig wird. Das Bürgerliche Gesetzbuch (§ 2247 BGB) legt fest, was beim sogenannten eigenhändigen Testament zu beachten ist.

Testament
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Darin heißt es unter anderem, dass ein Testament komplett von Hand geschrieben sein muss und zwar von demjenigen, der damit über sein Vermögen für den eigenen Todesfall verfügen will. Das bedeutet: ist ein Testament mit der Schreibmaschine oder am Computer geschrieben, kann es unwirksam sein. Zudem darf die Unterschrift nicht fehlen. Dabei ist es wichtig, dass der Name voll ausgeschrieben ist. So können Verwechslungen vermieden werden. Die Unterschrift muss den Text räumlich abdecken und ihn deshalb abschließen. Im Testament muss auch der Ort angeben werden und das Datum - auf den Tag genau. Umfasst der letzte Wille mehrere Seiten, sollten alle Seiten nummeriert werden und mit dem aktuellen Datum versehen, sowie mit dem vollen Namen unterschreiben sein.

Das Notizzettel-Testament

Worauf ein Testament geschrieben ist, ist deutlich flexibler als die Anforderungen an den Text. So kann sogar ein kleiner Notizzettel als rechtsgültiges Testament gelten, solange der Text die bisher genannten Bedingungen erfüllt. So einen Fall eines Notizzettel-Testaments prüfte das Oberlandesgericht Braunschweig unlängst. Im konkreten Fall fehlte nur das Datum. Deshalb wurde nicht klar, ob das Testament die aktuellste Version war und somit tatsächlich als letzter Wille anzusehen ist. (Az. I W 42/17)

Eigenhändiges oder öffentliches Testament

Sollte man ein Testament selbst verfassen oder einen Rechtsanwalt oder Notar zu Rate ziehen? Das muss jeder selbst entscheiden und es ist auch eine Frage der Kosten. Ein eigenhändiges Testament kostet zunächst nichts. Ein Vorteil an dieser Form: Man kann leichter selbst Änderungen vornehmen, ohne dass dies neue Kosten auslöst. Man kann das Testament einfach vernichten und neu schreiben. Man kann aber auch Änderungen auf einem bestehenden Dokument vornehmen. Bedingung: Die Änderungen müssen klar kenntlich gemacht werden und mit Datum und Unterschrift bestätigt werden. Am besten nimmt man solche Änderungen in Form eines Zusatzes vor und nicht im Ursprungsdokument. Auch hier gilt: Die Unterschrift muss unter der Ergänzung stehen.

Vor einer Notarin steht eine Justitia auf einem Schreibtisch
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Wenn man sich unsicher ist oder es um größere Vermögenswerte geht, kann es ratsam sein, sich Hilfe zu suchen und ein öffentliches, notarielles Testament zu errichten. Das Beglaubigen, also das Bescheinigen der Echtheit einer Unterschrift, kostet je nach Wert des Vermögens, über das verfügt wird, bis zu 130 Euro. Auch die Kosten für das Erstellen eines ganzen Testaments sind abhängig von der Vermögenshöhe und davon, ob es sich um ein Einzeltestament oder ein gemeinschaftliches Testament handelt.

Wo bewahrt man das Testament auf?

In jedem Fall sollte man den letzten Willen nicht so verstecken, dass ihn keiner findet. Wenn es Zwist in der Familie gibt, sollte man auch vermeiden, dass der letzte Wille von der falschen Person gefunden und womöglich vernichtet wird. Ein Testament beim Amtsgericht zu hinterlegen ist einer der sichersten Wege, denn das Gericht wird im Fall des Todes des Testamentsverfassers davon informiert und kontaktiert die Erben. Für eine solche öffentliche Verwahrung wird das Testament im zentralen Register der Notarkammer vermerkt. Man kann es entweder über einen Notar hinterlegen oder beim zuständigen Amtsgericht. Wenn man das Testament direkt beim Amtsgericht hinterlegt, muss man 75 Euro Gebühr dafür zahlen, egal wie hoch das vererbte Vermögen ist. Hinzu kommen 18 Euro für die Registrierung durch die Bundesnotarkammer im zentralen Register.

Die Erben klar benennen

Inhaltlich muss das Testament vor allem erkennen lassen, welche Person beziehungsweise Personen das vorhandene Vermögen erhalten und damit Erbe werden soll. Mitunter werden Erben im Testament umschrieben. Zum Beispiel mit "diejenigen, die mich zuletzt gepflegt haben". Solche Formulierungen sind zu unkonkret und machen es schwer, die Erben klar zu definieren. Deshalb sollte der bedachte Personenkreis vom Erblasser ganz konkret benannt werden.

Berliner Testament

Diese Art des Testaments meint, dass sich Eheleute gegenseitig als Alleinerben einsetzen, um die Versorgung des Partners abzusichern. Zugleich bestimmen sie gemeinsam, wer nach dem Tod beider Eheleute als Schlusserbe zum Zug kommen soll. Diese häufig genutzte Form hat den Vorteil, dass die Erben klar benannt sind. Es birgt aber auch einen Nachteil. Wenn einer der Ehepartner verstorben ist, gilt die Festlegung im Testament und man kann den letzten Willen nicht mehr ändern.

Der Pflichtteil

Wer ein Testament verfasst, kann darin bestimmen, wer ihn beerben soll und wer nicht. Allerdings gibt es eine Einschränkung: Dem Ehepartner, den Kindern und Kindeskindern sichert der Gesetzgeber einen sogenannten Pflichtteil zu. Gibt es keine Kinder, steht den Eltern des Erblassers ein Pflichtteil zu. Die Höhe des Pflichtanteils richtet sich nach der gesetzlichen Erbfolge. Ein Entzug dessen ist nur unter sehr engen Voraussetzungen möglich, etwa, wenn der Pflichtteilsberechtigte sich eines Verbrechens gegen den Erblasser schuldig gemacht hat.

Was, wenn es kein Testament gibt?

In mehr als der Hälfte der Erbfälle ist genau das Realität. Ohne gültiges Testament greift die gesetzliche Erbfolge gemäß dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Nach deutschem Erbrecht erben nur Verwandte, das heißt Personen, die gemeinsame Vorfahren haben. Ausnahmen bestehen im Fall von Adoptionen und für Ehegatten. Das Gesetz teilt die Erben in verschiedene Ordnungen ein. So hat der Ehepartner nach der gesetzlichen Erbfolge einen Sonderstatus. Ihm steht immer ein Erbteil zu – unabhängig davon, ob es andere Erben gibt.

An erster Stelle in der Erbfolge stehen Ehepartner und Kinder. Ist beides nicht gegeben, geht das Erbe an andere Angehörige - je nach Verwandtschaftsgrad. Erben mehrere Angehörige, bilden sie eine Erbengemeinschaft. Diese muss den Nachlass dann gemeinsam verwalten oder sich über die Art und Weise der Auflösung verständigen. Man sollte sich also gut überlegen, ob man auf ein Testament verzichten möchte. Das Bundesjustizministerium rät:

Ein Testament ist sinnvoll, wenn größere Werte auf dem Spiel stehen, die Nachfolge eines gewerblichen Unternehmens geregelt werden muss oder eine unwirtschaftliche Verteilung des Nachlasses unter eine Vielzahl gesetzlicher Erben vermieden werden soll.

Bundesministerium für Justiz
Erben Erbschaft
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Eine gute Übersicht zu den Regelungen des deutschen Erbrechts und der Erbfolge gibt die Broschüre des Bundesjustizministeriums "Erben und Vererben".

Sonderfall: Tiere im Testament

Tiere selbst können nicht erben, da sie nach deutschem Recht als Sache gelten. Nur Menschen können erben. Wenn ein Tierbesitzer vor seinem Ableben nicht regelt, was mit seinem Haustier passiert, gehört es zur Erbmasse. Die Erben entscheiden dann darüber, was mit dem Tier passiert. Am besten spricht man deshalb vorher mit einer Vertrauensperson, die sich um das Tier kümmern soll. Dabei ist zu bedenken, dass niemand verpflichtet ist, ein vererbtes Haustier anzunehmen. Um die Pflege eines Tieres durch die Erben wahrscheinlicher zu machen, kann man sie finanziell dabei unterstützen. So kann ein Erbe verpflichtet werden, ein Tier zu pflegen und für diese Auflage erhält er einen bestimmten Geldbetrag – am besten monatlich bis zum Tod des Tieres.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 25. Februar 2020 | 10:45 Uhr

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