Elektroauto mieten – Diese Möglichkeiten gibt es

Das Elektroauto Tesla Model 3 war im Herbst das am häufigsten neu zugelassene Auto in Europa. Viele überlegen auch mit Blick auf die aktuellen Spritpreise, sich als nächstes ein Fahrzeug mit Elektromotor zu kaufen. Doch hohe Preise, teils kräftige Wertverluste mancher Modelle in den letzten Jahren und die großen Sprünge bei der Entwicklung der Technik schrecken viele noch ab. Für sie könnten ein E-Auto-Abo oder Leasing interessant sein.

Welche Möglichkeiten gibt es, ein Elektroauto länger zu „mieten“?

Inzwischen bieten die großen Autovermieter Hertz, SIXT oder Europcar auch Elektroautos zum Vermieten an. Das ist mit Blick auf die Mietpreise aber eher eine Möglichkeit, erst einmal ein Gefühl für Elektromobilität zu bekommen oder auch ein bestimmtes E-Auto schon mal tageweise zu testen. Wer langfristig „sein“ Elektroauto für die Fahrt zur Arbeit oder Familienfahrten nutzen will und sich nicht um den Wiederverkauf kümmern möchte, kann abonnieren oder leasen.

Elektroauto-Abo: Fast alles drin in der Monatsrate

Ein fester monatlicher Betrag, mit dem die wichtigsten Kosten abgedeckt sind: Das kennen viele von ihrem Handyvertrag. Bei E-Autos hat dieses Bezahlmodell in den letzten zwölf Monaten deutlich an Bedeutung gewonnen, sagt Michael Brecht. Er ist Herausgeber der Smart Mobility Plattform Motion Mag.

Michael Brecht lehnt an seinem Auto
Bildrechte: privat

In Deutschland gibt es inzwischen ein gutes Dutzend Anbieter von Abomodellen für Elektroautos. Da sind Autohersteller dabei und auch viele Startups.

Die heißen Finn, E-Flat, Cluno, nextmove, like2drive oder ViveLaCar. Auch große Autohersteller wie Volkswagen, Mercedes und Volvo setzen inzwischen auf das Abo-Modell. Mit SIXT, Hertz und Shell (Recharge) gibt es in dem Markt weitere bekannte Namen. Auch der chinesische E-Auto-Hersteller Aiways versucht mit einem Abo-Modell, Kunden für seinen kleinen SUV zu gewinnen.

Als Familie oder Paar muss man für das passende Elektroauto im Abo pro Monat so zwischen 300 und 600 Euro einkalkulieren. Bei den Startups und neuen Anbietern wie Aiways gibt es auch immer wieder mal besonders gute Preise, um den eigenen Marktanteil zu pushen.

In der Monatsrate fürs Abo sind TÜV, die passenden Reifen für die Jahreszeit und die Versicherung mit drin. Geht das Auto kaputt, kümmert sich auch der Abo-Anbieter. Der sorgt auch dafür, dass das gewünschte Auto direkt vor die Haustür geliefert und am Ende des Abos auch wieder abgeholt wird.

Ich kann das E-Auto-Abo also im Harz oder Erzgebirge genauso machen wie in Leipzig oder Dresden. Die meisten Startups verzichten inzwischen sogar auf eine Liefergebühr.

Die Kosten für das Laden der Batterien sind nicht im Abo-Preis enthalten. Wer zu Hause eine Solaranlage auf dem Dach hat, kommt hier natürlich deutlich günstiger als alle Ladesäulennutzer.

Ein Rechenbeispiel für eine Familie haben wir gerade vorgenommen: Das für sie passende Auto verbraucht zwischen 15 und 20 Kilowattstunden. Eine Kilowattstunde Strom kostet derzeit – am besten natürlich bei einem Anbieter mit grünem Strom wie Naturstrom – zwischen 25 und 35 Cent. Da komme ich auf 45 bis 60 Euro im Monat, wenn ich mit dem E-Auto 1.000 Kilometer fahre.

Diese Summe ist immer noch deutlich niedriger als die Tankkosten für einen Benziner oder Diesel für die genannte Strecke. Abonnenten sollten vorab überlegen, wie viele Kilometer sie im Monat etwa fahren. Die Monatsrate deckt in der Regel nur eine vorab vereinbarte Zahl von Freikilometern ab. Wer mehr fährt, zahlt dann auch pro Kilometer extra.

Elektroauto-Leasing: Auf längere Sicht günstiger als ein Abo

Egal, ob Opel, VW, BMW, Renault, Kia oder Fiat: Bieten Autohersteller auch Elektroautos an, können die in der Regel auch geleast werden.

Leasing ist auch für Privatpersonen interessant, weil sie nach der Laufzeit das Fahrzeug dem Händler hinstellen können und dann keinerlei Verpflichtung für das Fahrzeug haben.

Auch bei diesem Bezahlmodell für das E-Auto kommen noch die Kosten für das Laden der Batterie obendrauf. Ähnlich wie beim Abo auch ist nur eine vorab vereinbarte Kilometerzahl frei. Alles darüber muss bezahlt werden. Die Raten sind beim Leasing generell etwas niedriger als beim Abo. Dafür sind Versicherung, Steuern, Winterreifen nicht in der monatlichen Rate enthalten. Trotzdem können private E-Auto-Fahrer mit diesem Bezahlmodell günstiger kommen.

Wenn man mal ganz sauber durchrechnet und vergleicht, ist ein Leasingvertrag in der Regel so ab zweieinhalb Jahren Laufzeit günstiger. Der ist also etwas für Privatpersonen, die wissen: In den nächsten zwei drei Jahren ist keine Veränderung beim Auto notwendig.

Die Laufzeiten bei den E-Auto-Abos liegen in der Regel zwischen sechs und zwölf Monaten. Florian Machnow vom Geldratgeber Finanztip sagt:

Florian Machnow (Finanztip)
Bildrechte: Finanztip

Der Vorteil des Abos ist eben, dass man sehr flexibel ist. Man kann das auch für sehr kurzfristige Zeiträume abschließen. Und beim Leasing binde ich mich natürlich auf einige Jahre und bin dann also auch etwas unflexibler.

Das kann bei den aktuell noch recht großen Technologiesprüngen bei Elektroauto ein wichtiger Punkt sein. In den zwei bis drei Jahren Leasing sind vielleicht die Fahrleistungen bei den Batterien deutlich gestiegen. Oder es gab Fortschritte beim autonomen Fahren. Davon können Abo-Nutzer bei den kurzen Laufzeiten der Verträge dann eher profitieren.

Welche Pflichten hat der Abo- oder Leasing-Anbieter?

Das ist aktuell noch ein Problem bei Elektroautos: Lademöglichkeiten zu Hause (Wallbox) müssen teuer selbst eingerichtet werden. Ladesäulen unterwegs gibt es nicht immer in ausreichender Zahl und manchmal sind sie eben besetzt. Um diesen Teil muss sich der Elektroautofahrer selbst kümmern. Die Anbieter der Abo- und Leasing-Autos sind weder verpflichtet, eine Wallbox im Haus des Abonnenten einzubauen noch eine Ladesäule um die Ecke zu errichten. Michael Brecht sagt:

Der Anbieter von Benzinautos muss ja auch keine Tankstelle bauen lassen. Trotzdem lohnt sich da der Blick ins Kleingedruckte. Ich kenne aus der Schweiz das Beispiel, dass ein Abo-Anbieter besondere Konditionen für das Installieren der Wallbox anbietet. Und einzelne Anbieter hier geben zum Abo Karten fürs Laden mit dazu. Einer hat zum Beispiel einen großen Charging-Anbieter mit drin, bei dem ich dann ein Kundenkonto eröffnen kann.

Das sind aus Sicht unseres Experten zumindest kleinere Hilfen, die das Laden vereinfachen. Manche Autohersteller arbeiten laut Finanztip-Experte Florian Machnow mit den Betreibern der Ladenetze zusammen. An deren Säulen kann dann günstiger geladen werden.

Wer bekommt die Förderung?

Aktuell wird der Kauf eines Elektroautos noch mit bis zu 9.000 Euro gefördert. Von diesem Umweltbonus profitieren E-Auto-Abonnenten höchstens indirekt, sagt Florian Machnow:

Dank der Förderung bekommt der Anbieter die Autos letztlich günstiger und der Abo-Preis ist dann für mich im Verhältnis vielleicht etwas günstiger. Aber direkt von Umweltprämie seh ich als Nutzer nichts.

Das ist beim Leasing von Elektroautos anders. Michael Brecht sagt:

Da gibt der Leasinggeber dem Leasingnehmer die Möglichkeit, den Antrag auf die Förderung zu stellen. Und dann kann man vereinbaren, mit diesen 9.000 Euro die monatliche Rate zu senken. Oder man nimmt die 9.000 Euro komplett und zahlt davon Raten.

Alternativ kann mit dem Geld auch ein Teil der Leasinganzahlung abgedeckt werden, die bei manchen Verträgen Pflicht ist. Die volle Förderung gibt es allerdings nur für Leasing-Verträge, die länger als 23 Monate laufen. Egal ob Abo oder Leasing: Elektroauto-Fahrer sparen häufig noch an anderer Stelle. In manchen Städten sind Parkplätze für E-Autos kostenlos. Einige Supermärkte oder Hotels bieten ihren Kunden auch kostenloses Laden an.

Worauf sollten E-Auto-Fahrer im Kleingedruckten achten?

Die hohe Nachfrage nach E-Autos und der Chipmangel haben dazu geführt, dass es für manche Modelle oft gleich mehrere Monate Wartezeit gibt. Bei Abos spielt das keine ganz so große Rolle, beim Leasing dagegen schon. Vereinfacht gesagt haben Abo-Anbieter ihre Autos bereits angeschafft. Wenn ein Auto als „verfügbar“ angezeigt ist, wird das dann auch zeitnah an die Abonnenten geliefert. Beim Leasing allerdings gilt genau wie beim Neuwagenkauf gegen bar oder mit Finanzierung: Wenn es für ein Auto Wartezeiten gibt, müssen sich Autofahrer gedulden. Unser Experte Michael Brecht rät, bei E-Auto-Abos auf die Laufzeiten zu achten und wie flexibel die Anbieter bei einem Autowechsel sind:

Wenn ich in einer Gegend mit viel Schnee und Bergen wohne, brauche ich vielleicht für den Winter eher Auto mit Vierradantrieb. Oder wenn ich in der Familie ein zweites oder drittes Kind bekomme. Da muss das Auto die passende Größe haben.

Manche Abo-Anbieter haben lange Kündigungsfristen von drei Monaten. Wer die verpasst, muss unter Umständen mit dem nicht ganz passenden Auto weiterfahren.

Auch beim Stichwort „Selbstbehalt“ bei Schäden sollten Abo-Nutzer vorher genau nachlesen, rät Finanztip-Experte Machnow. Hier geht es darum, welchen Anteil bei einem Schaden die (Kasko-)-Versicherung übernimmt und was Nutzer selbst zahlen müssen.

Da gibt es je nach Anbieter große Unterschiede. Der Selbstbehalt liegt meist zwischen 500 und 3.000 Euro und das ist eine große Spanne.

Wer gleich auf einen niedrigen Selbstbehalt achtet, kommt im Ernstfall ohne die sehr teure Nachzahlung davon.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 08. November 2021 | 11:45 Uhr

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