Wie funktionieren Einschlafsprays und wie gut wirken sie

Fast jeder schläft mal schlecht ein oder durch. Das muss nicht gleich ein richtiges Schlafproblem sein, kann sich aber dahin entwickeln. Wie klären, ob und wie hippe Schlafsprays und -tees dagegen helfen.

Wann du tatsächlich eine Schlafstörung hast

Zu viele Aufgaben im Büro, die Frage, ob die Kids mal wieder ins Homeschooling müssen und viele andere Unsicherheiten können dir schon mal den Schlaf rauben. Passiert das ab und zu, ist das nicht weiter schlimm und du kannst im begrenztem Maß sogar den verpassten Schlaf nachholen. „Erst wenn Sie mindestens dreimal pro Woche wach liegen und das über mehr als vier bis sechs Wochen am Stück, sprechen wir von einer Schlafstörung, die vom Arzt behandelt werden sollte“, so der Schlafmediziner Dr. Steffen Schädlich aus Halle. Das trifft auf rund 15 Prozent der erwachsenen Deutschen zu. Sie leiden unter einer behandlungswürdigen Schlafstörung. Dabei können Stress, psychische Probleme aber auch Krankheiten wie eine Schlafapnoe oder die Nebenwirkungen von Medikamenten eine Rolle spielen. Solche ernsthaften Störungen solltest du unbedingt von einem Arzt abklären und behandeln lassen. Trifft es dich hingegen nur ab und zu, könnten frei verkäufliche Produkte für kurze Zeit helfen.

So wirken Einschlafsprays und Co. mit Melatonin

Das Schlafhormon Melatonin kommt immer dann, wenn’s dunkel wird. Von der Natur ist das prima eingerichtet: Schließt du deine Augen und wird es auch in der Umgebung dunkel, wird dieses Hormon mehr als zehnmal so stark ausgeschüttet. Andere Wachhormone, wie etwa Cortisol hingegen werden gebremst. So fährt dein Körper seine Funktionen runter, du kommst zur Ruhe und möglichst bald in den Schlaf. Problem: Durch zu viel blaues Licht, den schon erwähnten Stress, Lärm und viele andere Faktoren, kann die Ausschüttung von Melatonin gebremst werden. Du wirst nicht müde.

Genau da setzen die Einschlafsprays, -tees und Kapseln mit Melatonin an. Sie versorgen dich von außen damit. In der Regel wird dir die Dosis von einem Milligramm pro Anwendung empfohlen. Das hilft beim Einschlafen, mehr aber auch nicht. Denn das Melatonin wird sehr schnell wieder abgebaut. Hast du also Probleme mit dem Durchschlafen und wachst nachts immer wieder auf, helfen die Produkte dir nicht.

Wann solltest du die Mittel anwenden?

Unser Experte empfiehlt, Melatoninprodukte unmittelbar vor dem Schlafen gehen einzunehmen. Sprays wirken sehr schnell, die kannst du direkt vor dem Lichtausmachen in den Mund sprühen. Kapseln und Tees brauchen etwas länger. Die solltest du ungefähr eine Stunde vorher einnehmen. Wichtig: Mitten in der Nacht und in stärkerer Dosierung sind die Präparate keine gute Idee: Dir drohen zwar keine wirklich schweren körperliche Nebenwirkungen. Nimmst du aber zu viel und zu spät Melatonin, kommst du am nächsten Tag unter Umständen nur schwer in die Gänge, hast Kopfschmerzen und Probleme, dich zu konzentrieren. Achte deshalb immer genau auf die Dosierungsanleitung und Einnahmehinweise. Nimmst du noch andere Medikamente ein, informiere dich über eventuelle Wechselwirkungen. Besprich dich dazu am besten mit deinem Hausarzt.

Nur ein Produkt gibt es auf Rezept

Bei älteren Menschen lässt die Melatoninproduktion nach. Dagegen gibt es aktuell ein Produkt als sogenannte Retard-Tablette. Hier sind zwei Milligramm Wirkstoff drin, die zeitverzögert Stück für Stück abgegeben werden und so auch ein Durchschlafen ermöglichen sollen. Ob Dir so ein Mittel hilft oder du eventuell ein anderes Schlafmittel brauchst, kannst und solltest du nur mit deinem Arzt besprechen.

So kommst du natürlich runter

Die große Mehrheit aller leichten Schlafstörungen, lässt sich mit einfachen Regeln der sogenannten Schlafhygiene behandeln. Dazu zählen eine Schlaftemperatur von maximal 16 bis 18 Grad Celsius, Ruhe und Dunkelheit.

Außerdem solltest du möglichst immer zur gleiche Zeit schlafen, nicht zu viel am Tag und natürlich mit möglichst wenig Alkohol, Kaffee und Nikotin im Körper. Warme Bäder mit Melissenöl können dir genauso helfen wie Lavendelprodukte. Auch Einschlafhilfen mit Hopfen und Baldrian kannst du probieren. Sie brauchen allerdings bis zu vier Wochen regelmäßige Einnahme, eh sie wirken. Anstrengender Sport vor dem Schlafen ist eher kontraproduktiv, du schüttest dabei zu viele Stresshormone aus, die dich durchhalten lassen. Achtung: Sex kann helfen, gut einzuschlafen.

Fazit

Einschlafsprays, Pillen und Tees mit Melatonin können bei leichten Einschlafstörungen für einen kurzen Zeitraum helfen. Halte dich immer genau an Dosierung und Einnahmehinweise. Klappt es nicht, bekommst du professionelle Hilfe bei deinem Arzt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 21. Juni 2021 | 11:45 Uhr

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