Rechte und Pflichten im Ehrenamt

Mehr als 30 Millionen Menschen sind in Deutschland ehrenamtlich tätig. Doch obwohl sich derart viele engagieren, gibt es keine einheitlichen Regelungen für ehrenamtlich Tätige. Wir klären auf, worauf man achten sollte.

ehrenamtliche Helferin bedient 3 ältere Menschen 1 min
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Quicktipp Ehrenamt

Ehrenamt

MDR JUMP Di 06.04.2021 10:45Uhr 01:16 min

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Versicherungsschutz

Bei der Ausübung einer ehrenamtlichen Tätigkeit ist es besonders wichtig, umfassend versichert zu sein. Zum einen kann man sich selbst verletzen oder aber es passiert ein Missgeschick und man richtet Schaden an, der bezahlt werden muss. Hier solltest du ganz genau nachfragen, denn nicht alle ehrenamtlichen Tätigkeiten sind automatisch gesetzlich versichert: Einige Ehrenamtliche sind über den Verein, bei dem sie tätig sind, versichert, andere über die Sammelversicherungen der Bundesländer, wiederum andere sind pflichtversichert über die Berufsgenossenschaft und manche haben möglicherweise gar keinen Versicherungsschutz. Am wichtigsten sind die Haftpflicht- und die Unfallversicherung. Auch eine private Berufsunfähigkeitsversicherung ist empfehlenswert.

Aufwandsentschädigung fürs Ehrenamt

Für das Ehrenamt gibt es keine Vergütung. Stattdessen wird oft eine Aufwandsentschädigung gezahlt.

  • Auslagenersatz: Wer im Rahmen seiner ehrenamtlichen Tätigkeit bestimmte Ausgaben (z.B. Reise- oder Materialkosten) hat, kann sie sich von seinem Verein oder Träger zurückzahlen lassen. Das ist in der Regel steuerfrei, aber die Belege dafür müssen aufgehoben werden, um die tatsächlichen Ausgaben zu beweisen. Eine Pauschale gibt es hier nicht.
  • Übungsleiterpauschale: Wer beispielsweise eine Sportgruppe trainiert, kann eine Übungsleiterpauschale erhalten. Bislang waren bis zu 2.400 Euro im Jahr steuerfrei. Ab diesem Jahr sind es 3.000 Euro. Auch für Chorleiter, Ausbilder bei der Freiwilligen Feuerwehr oder Kursleiter, gilt die steuer- und sozialabgabenfreie Zahlungregelung. Und ganz neu: Auch wer als freiwilliger Helfer in einem Impfzentrum oder einer Corona-Teststation tätig ist und dort entweder selbst impft, testet oder Aufklärungsgespräche durchführt, kann die Pauschale erhalten. In allen Fällen muss es sich aber eindeutig um eine nebenberufliche Tätigkeit handeln.
  • Ehrenamtspauschale: Alle ehrenamtlich Tätigen können pro Jahr eine bestimmte Summe steuerfrei einnehmen. Bis 2020 lag die Grenze bei 720 Euro jährlich. Dieses Jahr wird sie auf 840 Euro angehoben. Voraussetzung für diese Einnahme ist, dass die Tätigkeit einem gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zweck dient. Neu hinzugekommen ist auch hier das Engagement in einem Impf- oder Testzentrum. Wer dort in der Verwaltung oder Organisation aushilft, kann die Pauschale ebenfalls in Anspruch nehmen.

Recht auf Freistellung

In der Regel ist ein Ehrenamt Privatsache und sollte in der Freizeit stattfinden. Es gibt aber Ausnahmen: Wenn das Ehrenamt dem öffentlichen Interesse dient, muss dir dein Arbeitgeber für die Ausübung frei geben. Beispiele sind das Schöffenamt, oder auch Ehrenämter im Brand- und Katastrophenschutz. Kommt es zu einem Einsatz, oder auch zu Fort- und Weiterbildungen, bekommst du trotzdem weiter dein Einkommen. Den Arbeitsausfall für den Arbeitgeber übernehmen die Länder. Auch für ehrenamtlich Tätige im Bereich Kinder- und Jugendarbeit gibt es Sonderurlaube oder Freistellungen.

Arbeitszeugnis erbitten

Es gibt zwar kein Recht auf ein Arbeitszeugnis, allerdings sollte jeder danach fragen. Es macht sich einfach gut in Bewerbungsunterlagen, wenn man soziales Engagement oder bestimmte praktische Fähigkeiten nachweisen kann. In dem Zeugnis sollte drinstehen, welche Aufgaben du übernommen und wie du sie erfüllt hast. Ob am Ende ein Zeugnis ausgehändigt wird, kann in einem Ehrenamtsvertrag vereinbart werden. Dort sollten auch Details zu Aufwandsentschädigung und Versicherungen festgehalten werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 06. April 2021 | 10:45 Uhr

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