Wie schädlich sind E-Zigaretten?

22.10.2019 | 02:10 Uhr

Mann hält in seiner linken Hand eine E-Zigarette und in seiner rechten Hand drei herkömmliche Tabakzigaretten. 1 min
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Umschau-Quicktipp E-Zigaretten

E-Zigaretten

MDR JUMP Di 22.10.2019 02:10Uhr 01:07 min

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Wie funktioniert die E-Zigarette?

Die äußere Form kann sehr unterschiedlich sein. Einige erinnern an "normale" Zigaretten, andere sehen wie Kugelschreiber oder Pfeifen aus. Die Funktionsweise ist im Grunde aber ähnlich: Man drückt auf einen Schalter und aktiviert damit ein akku-betriebenes Heizelement, das eine Flüssig­keit verdampft, die Liquid genannt wird. Dieses Liquid kann unterschiedliche Dosierungen von Nikotin enthalten oder es ist komplett nikotinfrei. Über ein Mundstück saugt der Nutzer den Dampf dann ein.

Dampf statt Rauch

Auf den ersten Blick sieht der Qualm von E-Zigaretten genauso aus wie der von herkömmlichen Zigaretten. Doch der Eindruck täuscht. Tatsächlich geben sie keinen Rauch, sondern Dampf ab. Zum Verdampfen der Liquids sind viel geringere Temperaturen erforderlich als zum Verbrennen von Tabak. Einige Studien attestieren den E-Zigaretten deshalb, dass sie weniger Schadstoffe freisetzen als herkömmliche Zigaretten beim Verbrennen von Tabak.

Ein Mann raucht eine elektrische Zigarette (E-Zigarette).
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Die verschiedenen Aroma-Zusätze sind zwar als Lebensmittel zugelassen und könnten sogar geschluckt werden. Doch das sagt nichts darüber aus, wie sie sich eingeatmet auswirken. Im Dampf mancher E-Zigaretten wurden bereits potenziell gesundheitsschädliche Stoffe nachgewiesen. Die Langzeitfolgen sind noch nicht erforscht. Oft bereitet schon die Kennzeichnungspflicht Probleme, denn viele Inhaltsstoffe werden nur als "Aromen" angegeben. Was sich dahinter verbringt, weiß meist nur der Hersteller.

Die Kosten

2006 kam die E-Zigarette in Deutschland auf den Markt. Heute gibt es eine unüberschaubare Vielfalt an Modellen und Liquiden. Die Geschmackssorten reichen von Tabak bis hin zu exotischen Noten wie Frucht- oder Dessertaromen. Die Erstanschaffung kostet je nach Modell etwa 30 bis 80 Euro. Darüber hinaus muss mit Verbrauchskosten gerechnet werden: Liquid-Fläschchen von ca. 10 ml kosten zwischen 4 und 6 Euro, das entspricht etwa 40 bis 60 Zigaretten. Der Verdampferkopf muss je nach Beanspruchung relativ regelmäßig ersetzt werden. Die Kosten dafür liegen bei etwa 2-3 Euro. Beim Akku geht man von einem Lebenszyklus von zirka einem Jahr aus. Für einen neuen Akku sind etwa 20 Euro fällig. Da die Angebotsvielfalt hoch ist, empfiehlt es sich, sich im Fachgeschäft beraten zu lassen.

Schlechte Presse

In den letzten Monaten häufen sich die Negativ-Schlagzeilen zu E-Zigaretten. In den USA ist von Todesopfern die Rede und von Verboten. Derzeit ist ein regelrechter Kampf entbrannt - zwischen Industrie, Justiz und Behörden. In einigen Regionen sind bereits Verbote in Kraft, in Teilen der USA und in Indien zum Beispiel. Auch in Deutschland fordern Politiker verschiedener Parteien strengere Regeln und ein Werbeverbot für E-Zigaretten.

Panikmache oder berechtigte Sorge? Ist Dampfen harmloser als Rauchen? Nach jetzigem Forschungsstand scheint Dampfen tatsächlich weniger zu schaden als Rauchen, doch noch ist zu wenig über die möglichen langfristigen Folgen des Dampfens bekannt. Fest steht: Nikotin kann stark süchtig machen - egal ob durch Dampfen oder Rauchen. Am besten ist es, ganz aufzuhören.

Eine Frage des Jugendschutzes

Laut Umfragen versuchen viele, sich per E-Zigarette das Rauchen abzugewöhnen. In Großbritannien wurde diese Methode sogar von den Gesundheitsbehörden anerkannt. Allerdings gibt es im Gegenzug auch die Befürchtung, dass E-Zigaretten den Einstieg in die Nikotinsucht erleichtern, da sie als vergleichsweise harmlos gelten. Kritiker sehen vor allem Kinder und Jugend­liche gefährdet. Deshalb wurde in Deutschland 2016 das Jugendschutzgesetz geändert. Es untersagt die Abgabe von E-Zigaretten und E-Shishas an Personen unter 18 Jahre.

Studie der Tabakambulanz

Die Tabakambulanz am Uniklinikum München befasst sich mit dem Thema. Unter der Leitung von Dr. Tobias Rüther startet ein Forschungsprojekt zu den Folgen des E-Zigaretten-Konsum. Mit Hilfe von Fragebögen und verschiedenen Lungenfunktionstests werden die Probanden untersucht. Entstehen Reizungen oder entzündliche Prozesse in der Lunge? Wie süchtig machen E-Zigaretten? Das soll die Studie herausfinden und damit auch mehr Klarheit für den Verbraucher bringen.

Explosionsgefahr bei E-Zigarette?

Anfang des Jahres sorgte ein Todesfall in den USA für Schlagzeilen. Berichten zufolge soll ein 24 Jahre alter Mann ums Leben gekommen sein, weil seine E-Zigarette explodierte und Teile des Gerätes seine Halsschlagader verletzt haben sollen. Laut der US-Katastrophenschutzbehörde soll es schon mehrfach zu Explosionen und Bränden durch E-Zigaretten gekommen sein. Wie genau solche Explosionen entstehen, ist noch nicht geklärt. Das Problem liegt vermutlich im Akku der E-Zigaretten. Wenn dieser durch Hitze oder mechanische Einflüsse beschädigt wird, kann es wie bei anderen Akkus auch zu einem Kurzschluss kommen. Generell sollte man nur die vorgesehenen Ladekabel verwenden und die Akkus möglichst unter Aufsicht aufzuladen. Zudem gilt: Hände weg von unzureichend gesicherten Billiggeräten, die keinen Schutz gegen Kurzschluss oder Überhitzung haben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 22. Oktober 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2019, 02:10 Uhr

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