eSport - Wie du das Hobby zum Beruf machst

28.01.2020 | 02:10 Uhr

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MDR JUMP Di 28.01.2020 02:10Uhr 01:02 min

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Was ist eSport?

Die Abkürzung eSport steht für "elektronischen Sport". Die Spieler treten allein oder im Team an Spielkonsolen oder am Computer gegeneinander an. Die Gewinner werden mit Punkten belohnt und können in Ligen oder Ranglisten aufsteigen. Die Bandbreite der Spiele ist riesig: Es gibt Wettbewerbe für Shooter wie Fortnite oder Counter-Strike, für eher strategiebetonte Videospiele wie League of Legends oder Dota 2 und für das an realen Sport angelehnte Fifa oder Rocket League. eSportler treten aber auch im eher langsamen Farming Simulator in Teams gegeneinander an. Alle Spiele verbindet laut eSport-Bund Deutschland: Sie stellen bestimmte Leistungsanforderungen an Motorik, Reaktionsgeschwindigkeit und Kenntnisse vom Spielablauf. Zudem müssen sie in Turnieren so spielbar sein, dass nicht der Zufall sondern die Fähigkeiten der Spieler über den Erfolg entscheiden.

Hat mein Kind Talent?

Wenn ein Kind unbedingt Karriere als eSportler machen will, nehmen Eltern diesen Wunsch am besten auch ernst. Schließlich kommt diese Idee eher selten spontan auf, etwa wenn Kinder ein eSport-Turnier besuchen oder YouTube-Videos zu einer Spiele-Liga ansehen.

Viele Kinder wissen recht früh, ob sie Talent haben und wie gut sie bei einem Spiel im Vergleich zu Freunden, Geschwistern oder Mitschülern sind.

Tim Reichert, verantwortlich für die eSport-Aktivitäten von Schalke 04

Der Bundesligist hat ein eigenes Team für die Fußballsimulation FIFA (Hersteller: Electronic Arts).

Das Gute bei FIFA ist: Es gibt Ranglisten, eine Weekend League und man sieht, wo man mit seinen Fähigkeiten steht. Wenn man da zu den besten 100 oder 200 Spieler gehört, gehört man schon zu denen mit viel Talent und wenn das ein 12-jähriger schafft, ist das schon ein erster guter Hinweis.

Tim Reichert

Was genau spielt mein Kind?

Auch Hans Jagnow vom eSport-Bund Deutschland (kurz: ESBD) rät dazu, den Kinderwunsch nicht einfach zu übergehen.

Es ist immer gut, wenn sich Kinder erst mal für etwas begeistern können. Im Rahmen der elterlichen Aufsicht ist es dann natürlich sinnvoll zu schauen, um welches Spiel geht es meinem Kind genau?

Eltern können sich zunächst informieren, ob es für das Spiel eine Altersfreigabe der USK gibt und um welche Ziele und Spielideen es darin geht.

Mediencoach Kristin Langer vom Elternratgeber SCHAU HIN!
Mediencoach Kristin Langer Bildrechte: „SCHAU HIN!“

Man kann sich dabei auf Quellen wie den Spieleratgeber Nordrhein-Westfalen oder die Plattform 'Spielbar' von der Bundeszentrale für politische Bildung verlassen. Dort bekommt man beispielsweise Informationen dazu, wie die Spiele altersmäßig klassifiziert sind.

Mediencoach Kristin Langer vom Elternratgeber SCHAU HIN!

Gegen wen wird gespielt?

Wichtig ist auch die Frage, wie die Hersteller der Spiele ihr Geld verdienen.

Hans Jagnow

Manchmal muss nur das Spiel selbst bezahlt werden und es fallen keine weiteren Kosten an. In anderen Fällen werden Monats-Gebühren fällig, wenn Spieler online gegen andere antreten wollen.

Manchmal gibt’s dann noch zusätzliche Angebote im Spiel, die dann auch nochmal Geld kosten.

Hans Jagnow

Eine wichtige Rolle spielt auch die Frage, gegen wen Kinder oder Jugendliche online antreten. Viele Spiele bieten die Möglichkeit, über Mikros mit Teammitgliedern oder Gegnern zu sprechen.

Bei den Spielern gibt’s verschiedene Altersgruppen und da spielen ja nicht vorrangig junge Menschen. Das Durchschnittsalter bei Spielenden in Deutschland liegt bei 35 Jahren. Da muss ich mich als Eltern vergewissern und klar sagen, ich möchte wissen, mit wem du spielst.

Kristin Langer

Solche Chatfunktionen ziehen auch Pädophile an, warnen Experten.

Wie groß sind die Chancen auf eine Karriere als eSport-Profi?

Es ist wie beim Leistungssport: Es kommen nur ganz wenige an die Spitze und es gibt sehr, sehr viele im Amateurbereich, die mit eSport kein Geld verdienen.

Hans Jagnow

Wer Profi werden wolle, müsse hart arbeiten und hart trainieren. Und realistisch bleiben.

Als FIFA-Profi verdient man zudem nicht so viel, wie man denken könnte. Das muss man dann vor allem über die Preisgelder bei Wettkämpfen versuchen reinzuholen. Gute Verträge mit 5.000 bis 10.000 Euro im Monat haben nur die besten 20 Fifa-Spieler der Welt.

Tim Reichert

Eltern und Kinder können gemeinsam auch nach Berichten über Spieler suchen, die bei FIFA oder Fortnite an die Spitze gekommen sind.

Man kann auch mal nachlesen, wie viel Aufwand war das eigentlich und wie lange haben die trainiert und mussten sie Geld investieren und worauf haben sie vielleicht auch verzichtet.

Kristin Langer

Zudem ist eSport in Deutschland noch ein vergleichsweise neues Phänomen: Nachwuchsarbeit gibt es wenn überhaupt erst in Ansätzen.

Die meisten guten FIFA-Spieler werden im Kinderzimmer gemacht. Die zocken gegen Freunde, Mitschüler, Geschwister und merken, dass sie besser sind. Dann gehen sie zu Wettbewerben und fallen dort vielleicht auf.

Tim Reichert

So war es auch bei Cihan Yasarlar. Der 27-jährige ist mehrfacher Deutscher Meister und Europameister bei Fifa und spielt aktuell beim eSport-Team von RB Leipzig.

FIFA-E-Sportler Cihan Yasarlar (RB Leipzig) posiert vor der Kamera.
eSport-Profi Cihan Yasarlar (RB Leipzig) Bildrechte: imago/MIS

Ich war auf der IFA in Berlin und hab dort bei 'Beat the Pro' mitgemacht und den Profi hab ich geschlagen.

Cihan Yasarlar

Auf ihn wurde so die eSport-Organisation SK Gaming aufmerksam, über die er am Ende auch zu RB Leipzig kam.

Wie können Kinder und Jugendliche besser werden?

Ich geh morgens meist joggen oder mache etwas für meine Fitness und dann trainiere ich so zwei bis drei Stunden mit meinem Team für Fifa. Dann schaue ich mir Videos von Spielen von anderen an, mache Social Media-Arbeit für meine Fans und dann sind am Abend noch mal Trainingsspiele dran

RB-eSport-Profi Cihan

Beim Training für das Videospiel spricht er vorher mit dem Gegner ab, was genau er probieren will.

Da kann man die Taktik oder Freistöße üben, wie man Druck aufbaut oder wie man beim Tore machen den Gegner täuscht.

Cihan Yasarlar

Bei Fifa würden Anfänger vor allem besser, wenn sie sich Streams oder Videos von Profis anschauen.

Die guten Spieler verstehen ein Fifa-Spiel schnell. Die wissen dann sofort, wie sie diesen einen Gegner unter Druck setzen und gegen ihn Tore machen: angeschnitten oder einfach hart schießen.

Cihan Yasarlar

Er hat auch selbst im Fußballverein gespielt und achtet auf einen gesunden Mix aus Zocken und Bewegung.

Wir sitzen ja lange an der Konsole und das belastet den Rücken und die Nackenmuskulatur schon sehr.

Cihan Yasarlar

Ich kann nicht sagen, ob man automatisch auch ein besserer Fifa-Spieler ist, wenn man selbst Fußball auf dem Platz spielt. Ich glaube aber, dass Sport eSportler deutlich besser macht.

Tim Reichert

Beim Training für eine mögliche Karriere sind zudem Grenzen wichtig.

Christiano Ronaldo auf dem Rasen zum Schuss ausholend.
Bildrechte: EA Sports

eSport und realer Leistungssport sind da vergleichbar: Für beides sollten Eltern und Kinder eine Zeit vereinbaren, damit die Belastungsgrenzen nicht ständig überschritten werden. Wir sprechen dann vielleicht von anderthalb, maximal zwei Stunden Trainingszeit am Tag. Zudem müssen wie bei anderen Sportarten auch trainingsfreie Tage dabei sein.

Kristin Langer

Wo kann man gemeinsam mit anderen trainieren?

Auch wenn die Nachwuchsarbeit für eSport in Deutschland noch ganz am Anfang steht, können Eltern trotzdem nach Angeboten vor Ort suchen. Das können Spielangebote in offenen Jugendzentren oder auch in Schulen sein. Oder auch ein Verein, der beim ESBD eingetragen ist.

Diese Vereine halten sich dann auch an die Jugendschutzeinstufung und machen Kinder oder Jugendlichen das Spiel nicht zugänglich, wenn es nicht für das entsprechende Alter freigegeben ist.

Hans Jagnow

Der eSport-Verband hat 2019 deutschlandweit eine Grundausbildung für eSport-Trainer gestartet.

Da geht es nicht nur darum, dass man die Spiele gut kennt. Sondern dass man auch weiß, wie man Kinder zu guten Teamplayern macht, die fair miteinander umgehen.

Hans Jagnow

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 28. Januar 2020 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2020, 02:10 Uhr

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