Wann komm das neue E-Rezept und welche Vorteile bringt es dir?

Siebzehn europäische Länder haben es schon, das E-Rezept. Nun soll es auch bei uns eingeführt werden. Wir sagen dir, was es kann, ob und welche Veränderungen auf dich zu kommen.

Ein Mann schreibt eine Nachricht auf einem Smartphone. 1 min
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MDR JUMP Fr 09.04.2021 10:45Uhr 01:18 min

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Wie funktionierts?

Dein Arzt stellt Dir ein Rezept aus, dass dir entweder an die dazugehörige E-Rezept-App, per SMS oder per Mail an deinen PC gesendet werden kann. Über einen QR-Code kann nun deine Apotheke auf die Daten des Rezeptes zugreifen  und Dir dein Medikament ausgeben. Du kannst das Rezept auch an Angehörige schicken und von ihnen einlösen lassen. Und in der App kannst du auch gleich nach einer Apotheke suchen, die dein Medikament vorrätig hat. Wichtig: Alle Daten sind in der sogenannten Telematikinfrastruktur gespeichert und können nur dort übertragen werden. Dazu Apotheker Friedemann Schmidt aus Leipzig: "Das ist eine Art Netzwerk von Ärzten, Apothekern und Krankenkassen, das gerade aufgebaut wird. und nur mit diesem Netzwerk ist unter anderem das E-Rezept realisierbar." Wichtig auch: Das E-Rezept kann dir vom Arzt ausgedruckt und gewohnt in der Apotheke eingelöst werden.

Wann geht es los?

Laut aktueller Angabe des Bundesgesundheitsministeriums ist ein Probellauf für das E-Rezept am dem 1. Juli 2021 vorgesehen. Offizieller Start ist dann am 1.1.2022. Ab dann wird es keine alten roten Rezepte mehr geben. Unser Experte ist optimistisch, dass der Terminplan eingehalten werden kann: "Trotz Corona Pandemie sind die Vorbereitungen in vollem Gange. Der Termin für die Kassenrezepte wird einzuhalten sein. Rezepte von Privatpatienten oder auch Rezepte für Betäubungsmittel sind erst in einem zweiten, späteren Schritt geplant."

Was war am alten Rezept so gut?

Dazu der Präsident der Sächsischen Landesapothekenkammer Friedemann Schmidt: "Das klassische Rezept auf Papier gibt es quasi seit 800 Jahren. Das ist bewährt und bietet viele Möglichkeiten. Die Patienten können es einer vertrauten Person zum Einlösen geben, sie können entscheiden, wann und wo sie es einlösen und haben es ganz praktisch selber in der Hand." Das alte Rezept war gleichzeitig Urkunde und Scheck. Es stand drauf, was der Patient bekommt und war gleichzeitig eine Art Bezahlgarantie für die Apotheke. Du als Patient hast damit immer das Original in der Hand.

Was sich jetzt ändert

Das E-Rezept wird für dich als Patienten nur noch eine Art Beleg mit Schlüsselnummer oder Code sein. Das Original geht vom ausstellenden Arzt direkt zu einem zentralen Server. Dazu unser Apotheker: "Von dort kann es nur ein einziges Mal abgerufen werden und ist danach blockiert. So können Medikamente nicht doppelt ausgegeben werden. Ein Missbrauch von Betäubungsmitteln und ähnlichen Stoffen wird so verhindert."

Welche Vorteile bringt das E-Rezept?

Ein klarer Vorteil: Du gehst nicht mehr umsonst in die Apotheke. "Sie können das Rezept ja im Vorfeld elektronisch übermitteln, Sie müssen es nicht mehr in die Apotheke tragen. Den Weg um zu fragen, ob das Medikament überhaupt verfügbar ist, können Sie sich zukünftig sparen", sagt Friedemann Schmidt.

Wenn du alle Funktionen nutzt, hast du immer einen Überblick über verschriebene Medikamente. Auch Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen kannst du mit dem Apotheker vor Ort so besser besprechen.

Und: Nach einer Onlinesprechstunde kannst du dein Rezept direkt an die Apotheke vermitteln und dir dein Medikament liefern lassen. Zu weiteren Vorteilen Friedemann Schmidt: "Das Rezept kann ihnen nicht mehr verloren gehen. Es gibt keine Missverständnisse mehr, weil der Arzt etwa unsauber geschrieben hat. Es liegt ja alles digital klar und deutlich vor. Auch Formfehler, wie falsche Datumangaben oder gar das falsche Medikament sind damit nahezu ausgeschlossen."

Was brauchst du fürs E-Rezept

Ein NFC-fähiges Smartphone macht Sinn. Das hältst du in der Apotheke einfach ans Lesegerät. Jedes halbwegs aktuelle Smart-Phone ist so ausgestattet, ältere können meist nachgerüstet werden. Die App brauchst du natürlich auch, die gibt es erst Mitte des Jahres, aktuell ist sie noch nicht verfügbar. Wenn du alle Möglichkeiten des E-Rezeptes nutzen willst, brauchst du auch noch eine NFC-fähige elektronische Gesundheitskarte. Achtung: Die elektronische Gesundheitskarte hast du im Normalfall schon. Meistens aber noch keine, die von dir ausgelesen werden kann. Die beantragst du bei deiner Krankenkasse. Ein weiterer Vorteil: Du kannst per Smartphone auf deine Daten zugreifen.

Und wer damit gar nichts anfangen kann – keine Sorge

"Wir vermuten, dass das sogar zunächst die große Mehrheit sein wird. Das E-Rezept wird sicher vor allem von jüngeren, internetaffinen Menschen genutzt werden", meint unser Experte. Angst, dass man ohne E-Rezept nix mehr in der Apotheke bekommt braucht aber niemand zu haben. Dazu nochmal Friedemann Schmidt: "Der Arzt kann Ihnen das Rezept einfach ausdrucken. Und damit gehen Sie dann wie gewohnt in die Apotheke und bekommen Ihre Medikamente."

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 09. April 2021 | 10:45 Uhr

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