Digitales Erbe – wer sollte es wie regeln?

Fast jeder hinterlässt in seinem Leben Spuren im Netz. Besonders wenn es beispielsweise um die Profile in sozialen Netzwerken geht, ist es im Todesfall wichtig, dass die Erben diese bearbeiten oder löschen können. Wir erklären, wie du dein digitales Leben so organisierst, dass deine Erben im traurigen Ernstfall nicht auch noch viel Mühe und Ärger haben.

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MDR JUMP Do 27.08.2020 10:45Uhr 00:59 min

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Was ist digitaler Nachlass oder digitales Erbe?

Experten bezeichnen den digitale Nachlass als "Gesamtheit des digitalen Vermögens". Ein bekanntes Beispiel ist das Facebook-Konto. Zum digitalen Nachlass gehören aber auch elektronische Bücher oder heruntergeladene Musik. Auch Meilen bei der Fluggesellschaft, virtuelle Spielfiguren von Computerspielen oder Guthaben bei Zahlungsdienstleistern wie Paypal gehören in diese Kategorie. Dabei ist es egal, ob die Daten auf Cloud-Servern oder auf der eigenen Festplatte gespeichert sind. Dabei wird unterschieden zwischen ideellen Werten, wie Urlaubsbildern und Blog-Einträgen, und finanziellen Werten wie elektronischen Büchern oder virtuellem Geld.

Was sagen die Gesetze?

Richter des Bundesgerichtshofs stellten 2018 klar: Auch digitale Inhalte werden vererbt. Grundlage dafür ist der Nutzungsvertrag, den der Verstorbene mit dem Anbieter geschlossen hat. Mit seinem Tod gehe dieser Vertrag auf die Erben über. Sie haben deshalb das Recht, alle Kontoinhalte zu sehen - auch persönliche. Menschen, die in sozialen Netzwerken wie Facebook unterwegs sind, müssen sich demnach darauf einstellen, dass vertrauliche Nachrichten nicht auf ewig unter vier Augen bleiben. Der BGH begründete seine Entscheidung damit, dass ein Anbieter wie Facebook Inhalte nicht an eine bestimmte Person, sondern nur an ein bestimmtes Konto übermittelt. Dass jemand mitliest, sei nie ausgeschlossen.

So verwaltest du deine Daten richtig

Damit die zukünftigen Erben schnell und unkompliziert in deiner digitalen Welt agieren können, solltest du vorsorgen und alle Informationen immer auf dem aktuellsten Stand halten:  

  • Schreibe von jedem Zugang und Konto die aktuellen Zugangsdaten und Passwörter auf. Vermerke Laufzeiten und spezielle Konditionen von Verträgen. Drucke diese Daten aus. Speichere sie zusätzlich auf USB-Stick oder Festplatte. Hinterlege die Daten an einem sicheren Ort. Nochmal und wichtig: Immer aktuell halten!
  • Lösche Daten, die niemand bekommen soll, regelmäßig. Dazu zählen Fotos, E-Mails und auch Chats.
  • Halte deine Verträge immer auf dem aktuellsten Stand, kündige, was du nicht brauchst. Blockiere, wenn möglich, automatische Verlängerungen.
  • Nutze sogenannte Passwortmanager. Das sind Programme zur Verwaltung und Verschlüsselung von Passwörtern. Die kann man zentral auf einem USB-Stick speichern. Den Generalschlüssel zu allen Daten auf dem Stick können Nutzer bei einer Vertrauensperson hinterlegen oder im Testament festhalten.
  • Lege in einer Vorsorgevollmacht oder dem Testament fest, wer sich um deinen digitalen Nachlass kümmern und was mit den Daten nach deinem Tod geschehen soll. Wichtig:  Die Vollmacht musst du handschriftlich verfassen, mit einem Datum versehen und unterschreiben. Und sie muss wortwörtlich "über den Tod hinaus" gelten.
  • Informiere diese Personen schon zu Lebzeiten über alle Verträge und Aktivitäten und erkläre, worauf bei speziellen Daten geachtet werden muss. So können Abos und andere Verträge schnell und problemlos gekündigt werden. In einer handschriftlich verfassten Vollmacht kannst du den digitalen Nachlassverwalter bestimmten. Dann muss nach deinem Tod nicht erst eine Testamentseröffnung abgewartet werden.
  • Gib nicht vorzeitig und unnütz Passwörter und Zugänge an andere Personen heraus.
  • Halte den Kreis der Informierten möglichst klein. 
  • Nutze bei allen Anbietern eventuell vorhandene Einstellungen zum Zugriff auf deine Daten durch eine Vertrauensperson.

Nutz die Angebote der Anbieter

Ein Mann tippt in einem Büro auf einer Tastatur
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Kaum ein digitaler Vertrag erlischt von selbst. Kein Anbieter forscht nach, ob seine Mitglieder noch am Leben sind. Bei einigen Firmen, wie zum Beispiel Google gibt es aber Einstellungen, die bei langer Inaktivität des Nutzers aufmerksam werden. Beim sogenannten Kontoinaktivitätsmanager kannst du bis zu zehn Personen benennen, die benachrichtigt werden, wenn er auf das Konto in einem selbst bestimmten Zeitraum zwischen 3 und 18 Monaten nicht zugegriffen hat. Diese Personen haben dann drei Monate Zeit, wichtige Inhalte herunterzuladen. Nutze solche Einstellungen schon beim Anlegen deines Accounts und aktualisiere sie regelmäßig. Das macht es deinen Erben später leichter, Zugriff auf Daten und Account zu bekommen. 

Die Probleme der Erben

Das Facebook-Logo wird auf einem Smartphone gespiegelt, das auf einer Tastatur liegt.
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Das größte Problem neben dem Zugriff ist, zu erfahren, welche Konten und Verträge überhaupt vorhanden sind. Bei automatischen Verlängerungen von Verträgen und nur jährlicher Zahlweise drohen sonst unangenehme Überraschungen. Und selbst, wenn du als Erbe von Accounts weißt und ein Recht auf den Zugriff hast, musst du das erst mal bei dem jeweiligen Anbieter durchsetzen. Dazu brauchst du mindestens eine Sterbeurkunde, meistens aber noch einen Erbschein. Die Sterbeurkunde kostet nur wenige Euro. Der Erbschein wird vom Nachlassgericht ausgestellt und kann teuer werden. Sein Preis richtet sich nach der Menge, die du geerbt hast. Mehrere hundert Euro sind schnell möglich. Dann kann es bei einigen Firmen, besonders wenn es vor amerikanische Gerichte geht, Zeit und Nerven kosten.

Hilfe für die Erben

Immer mehr Bestattungsdienste helfen dir neuerdings bei der digitalen Suche. Mit speziellen Softwareprogrammen forsten sie alle bekannten Portale, Banken und andere mögliche Vertragspartner nach digitalen Spuren des Verstorbenen durch. Als Erbe selbst kannst du dich in den E-Mail-Accounts der Verstorbenen auf die Suche nach Kontakten und Vertragsverhältnissen machen. Und auch Kontoauszüge können Hinweise auf Vertragsverhältnisse geben.

Viele Anbieter, viele Wege

Es gibt keine einheitlichen Regelungen für den digitalen Nachlass. Jeder Anbieter verlangt von den Hinterbliebenen andere Daten und Nachweise. Was sie bei welchem Anbieter brauchen, erfährst du auf Ratgeberseiten wie www.machts-gut.de.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 27. August 2020 | 10:45 Uhr

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