Schulranzen: Wie schwer darf er sein?

27.06.2019 | 02:10 Uhr

Eine Grundschülerin sitzt neben ihrem Ranzen auf einer Treppe 1 min
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Umschau-Quicktipp Schulranzen

Schulranzen

MDR JUMP Do 27.06.2019 02:10Uhr 01:03 min

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Das Wichtigste zuerst: Beim Schulranzenkauf muss das zukünftige Schulkind unbedingt mitgenommen werden. Es gibt sehr unterschiedliche Passformen, Gurte und Gewichte und nicht alles passt für jedes Kind. Empfehlenswert ist eine Fachberatung, besonders, wenn das Kind unter Rücken- bzw. Gelenkkrankheiten wie Skoliose oder Hüftdysplasie leidet.

Auf folgende Eigenschaften sollte man achten:

Zwei Schulanfänger mit Zuckertüte und Ranzen unterwegs.
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  • Die Größe muss individuell zum Kind passen. Wichtig ist, dass der Ranzen nicht zur Seite über die Schultern des Kindes hinausragt und nach oben in Schulterhöhe endet.
  • reflektierende Elemente im sichtbaren Bereich zur besseren Sichtbarkeit im Straßenverkehr
  • stabiler Deckel mit leicht handhabbarem Verschluss
  • griffig gepolsterter stabiler Tragegriff, der nicht am Hals scheuert
  • Der Ranzen sollte allein stehen und weder leer noch gefüllt umfallen.
  • Die Seitentaschen sollten gut zu schließen sein und genügend Platz für Brotdose und Trinkflasche bieten.
  • Die Polsterung am Rücken sollte ergonomisch geformt und nicht zu hart sein. Auch Rillen zur Belüftung sollte das Rückenteil haben und wasserabweisend sein. Das Polster muss an mehreren Stellen am Rücken anliegen, ganz wichtig: an den Schulterblättern.
  • Die Schultergurte sollten gut gepolstert und mindestens 4 cm breit sein.
  • Das Gewicht ist abhängig vom Gewicht des Kindes. Ärzte und TÜV-Experten empfehlen ein Gesamtgewicht des Ranzens (mit Inhalt) von maximal 15 Prozent des Körpergewichts des Trägers. Heißt: Wiegt das Kind 20 Kilogramm, darf der Ranzen höchstens drei Kilogramm schwer sein.

Sicherheit

Schulanfänger mit Ranzen bei der Einschulung
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Welche Eigenschaften ein sicherer Schulranzen besitzen muss, ist in der Norm DIN 58124 festgelegt, einem von Herstellern und Verbraucherschützern ausgehandelten Qualitätsmaßstab. Demnach müssen mindestens 10 Prozent der Front- und Seitenflächen retroreflektieren, also Scheinwerferlicht bei Dunkelheit zurückwerfen. Zusätzlich müssen weitere 20 Prozent der Front- und Seitenflächen am Ranzen auch am Tag fluoreszieren. Das wird meist durch kräftige orange, neongrüne, pinke oder gelbe Flächen erreicht.

Ranzen im Test

Im Februar 2019 testete Stiftung Warentest 22 Schulranzen im Hinblick auf ihre Sicherheit. Im Fokus: die Sichtbarkeit des Ranzens und damit des Schulkindes. Jede Sekunde, die ein Autofahrer bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde mehr benötigt, um ein Kind zu sehen, rollt sein Fahrzeug circa 14 Meter weiter – deshalb kann die Sichtbarkeit des Ranzens und damit des Kindes überlebenswichtig sein.

Getestet wurden unter anderem Modelle der Hersteller Scout, Ergobag, McNeill, DerDieDas und Step by Step. Die Tester bewerteten diese nach der Robustheit des Materials, der Qualität der optischen Warnwirkung sowie den enthaltenen Schadstoffen. Auch der tägliche Gebrauch wurde getestet.

Eine Grundschülerin sitzt neben ihrem Ranzen auf einer Treppe
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Im Ergebnis schneiden nur acht der 22 Modelle gut ab. Sie fallen im Straßenverkehr mit guter beziehungsweise sehr guter Sichtbarkeit und damit Warnwirkung auf. Die beste Warnwirkung hat laut Test der Ergobag Cubo, Neo Edition Illumibär. Er hat besonders gut sichtbare fluoreszierende Signalflächen. Insgesamt empfehlen die Tester in punkto Sicherheit und Sichtbarkeit vier Modelle: den erwähnten Cubo Neo Edition Illumibär sowie den Pack Neo Edition Strahlebär von Ergobag und den 2 in 1 Pegasus Dreams sowie den Touch2 Space Pirate von Step By Step. Sie sind im Straßenverkehr gut zu erkennen und werden auch in punkto täglicher Gebrauch gut bewertet.

Als besonders leicht verstellbar schätzten die Tester die Modelle von Step by Step ein. Hier lassen sich Riemen und Rückenlänge sehr gut verstellen. Nicht verstellbar sind diese Teile bei den Modellen von Lego und Scooli. Auffällig im Test: Fast jeder Hersteller hat Modelle mit guten und schlechten Testergebnissen im Angebot.

Richtig tragen

Der Schulranzen kann noch so gut sein - ist er falsch eingestellt und sitzt nicht, können die Trägerin oder der Träger Rückenprobleme bekommen. Tragegurte und Rückenlänge sollten daher immer so eingestellt sein, dass der Schulranzen nicht über den Po reicht. Außerdem sollten Schultergurte und Trageriemen nicht zu eng am Hals liegen, das könnte scheuern. Ein Hüftgurt verteilt das Gewicht besser und entlastet die Wirbelsäule. Auch wichtig für den Rücken: Ein Ranzen sollte immer auf beiden Schultern getragen werden. Beim Packen sollten schwere Dinge wie Bücher nah am Körper verstaut werden. Das macht das Tragen leichter.

Fazit

Der erste Schulranzen ist etwas ganz Besonderes. Neben der richtigen Farbe und dem passenden Design ist vor allem die Passform entscheidend. Kinderrücken sind verschieden und haben unterschiedliche Ansprüche an Gewicht, Form und Tragekomfort. Um sich bei der riesigen Auswahl an Modellen entscheiden zu können, sollte man sich von Fachpersonal beraten lassen. Hier lernt das Kind im Idealfall auch gleich, wie es den Ranzen richtig trägt. Die meisten autorisierten Händler bieten Beratungstermine an. Zwischen 30 bis 60 Minuten sollte man sich hierfür Zeit nehmen. Einige Fachgeschäfte haben speziell geschulte Mitarbeiter, die auch ein Zertifikat nachweisen können, zum Beispiel das AGR-Zertifikat (Aktion gesunder Rücken). Damit der Ranzen auch in der dritten und vierten Klasse noch gefällt, bieten nahezu alle Hersteller mittlerweile austauschbare Klettbilder oder Magneten an. Sie sind je nach Geschmack individuell austauschbar. Da Schulranzen mit durchschnittlich 150 bis 250 Euro sehr teuer sind, sollte beim Kauf nichts schief gehen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 27. Juni 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Juni 2019, 02:10 Uhr

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