Depressionen: Symptome erkennen und richtig behandeln

Fast sechs Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer Depression. Auch die aktuelle Doppelbelastung für viele Eltern oder der Verlust der Arbeit können Auslöser sein. Welche ersten Schritte im Ernstfall helfen können, erfährst du hier.

Eine junge Frau schaut traurig durch eine regennasse Fensterscheibe. 1 min
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MDR JUMP Mi 01.07.2020 10:45Uhr 01:05 min

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Woher kommt eine Depression?

Eine Depression kommt oft schleichend, manchmal über Jahre, daher. Manche Menschen haben eine genetische Veranlagung dafür. Manchmal können auch traumatische Erlebnisse eine Depression auslösen oder begünstigen. Wann sie dann tatsächlich ausbrechen kann, erklärt die Psychologin Uta Patula so:

Viele Patienten leiden schon sehr lange an verschiedenen Symptomen. Dann genügt oft nur noch ein Auslöser, wie die Corona-Krise, der Jobverlust oder auch die Geburt eines Kindes und sie haben eine richtige Depression.

Fakt ist: Wenn du lange unter bestimmten Lebensumständen leidest und dann noch ein richtig stressiges oder belastendes Ereignis dazukommt, kann das eine Depression auslösen. Und das musst du ernst nehmen - mehrere tausend Menschen bringen sich in Deutschland jährlich wegen einer Depression um.

Woran erkennst du eine Depression?

Erstes Merkmal: Es gibt nicht nur das eine Symptom. Zu einer bedrückten oder und negativen Grundstimmung kommen oft noch Zeichen wie Schlafstörungen, Antriebslosigkeit oder der Verlust jeglicher Freude dazu. Viele Menschen unterdrücken aber diese Symptome oder nehmen sie nicht ernst, weil sie erzogen oder gewohnt sind, einfach immer weiter zu powern. Solltest du nicht sicher sein, was mit dir ist, kann ein Selbsttest helfen. Wichtig ist, nicht zu lange zu warten.

Sie haben bei einer leichten depressiven Verstimmung gute Chancen, da verhältnismäßig schnell rauszukommen, wenn Sie früh handeln. Tun Sie nix, kann eine wirklich ernsthafte Krankheit daraus werden, die Sie alleine nicht mehr in den Griff bekommen.

Uta Patula

Wann solltest du handeln?

Wenn du länger als zwei bis vier Wochen unter Symptomen wie Schlafstörungen, Ängsten, Bauch-, Kopf- oder Rückenschmerzen leidest, solltest du dir Hilfe holen. Dazu die Psychotherapeutin:

Das kann bei leichten Fällen schon ein Gespräch mit dem Sorgentelefon, einer Beratungsstelle oder das Treffen in einer Selbsthilfegruppe sein. Auch sanfte und freiverkäufliche Schlafmittel oder Stimmungsaufheller wie etwa Johanniskraut können helfen.

Uta Patula

Das alles musst du aber zeitlich begrenzen. Tritt nach ein paar Wochen also keine Besserung ein, musst du zum Arzt.

Wer ist dein erster Ansprechpartner?

Das ist dein Hausarzt. Dem musst du vertrauen und dich öffnen können. Positiv:

In den letzten zehn Jahren sind die Hausärzte wesentlich sensibler für das Thema geworden. Sie beraten gut und überweisen entsprechend früher auch an eine Fachkollegen also Psychologen oder Psychiater.

Uta Patula

Kann der Hausarzt dir mit einer Krankschreibung oder leichten Medikamenten nicht helfen, wird er dich also überweisen. Ein Hausarzt, der deine Probleme abtut oder ohne genaue Untersuchung langfristig einzunehmende Psychopharmaka verschreibt, ist kein guter Berater.

Wo findest du noch Hilfe?

Illustration: Ein Mann hält einen Telefonhörer vor den Schriftzug «Hotline» auf einem Computermonitor.
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Um im Vorfeld oder auch während der Erkrankung mit auftretenden Fragen zurechtzukommen, kannst du dich an ein Infotelefon oder Online-Foren wenden. Auch Selbsthilfegruppen können dich unterstützen. Auch die Online-Therapie, also Hilfe per PC oder App kann bei leichten Krankheitssymptomen hilfreich sein.

Wie kommst du an einen Psychotherapeuten?

Das geht im Normalfall nur mit einer Überweisung vom Hausarzt. Krankenkassen müssen die Therapiesitzungen genehmigen und brauchen dafür ein Rezept. Damit kannst du dir in der Theorie einen beliebigen Psychotherapeuten suchen. Aktuell beträgt die Wartezeit aber bis zu einem Jahr, je nachdem, wo du wohnst und der Anzahl der dort tätigen Therapeuten.

Die Wahrheit ist, dass es im Moment fast reine Glückssache ist, einen schnellen Termin zu bekommen.

Uta Patula

Über die Kassenärztliche Vereinigung deines Bundeslandes hast du zwar Anspruch auf ein zeitnahes Erstgespräch, ob daraus aber eine langfristige Therapie wird, ist nicht sicher. Deswegen musst du aktuell tatsächlich viele Therapeuten möglichst freundlich anfragen und hoffen.

Was kannst und musst du tun wenn gar nicht mehr geht?

Wenn du dich überhaupt nicht mehr in der Lage fühlst, die Situation alleine zu meistern, permanent das Gefühl hast, dass du nicht mehr kannst oder gar an Selbstmord denkst, wendest du dich an eine Psychiatrische Institutsambulanz. Dort muss man dich aufnehmen und umgehend behandeln. Mit Ärzten und Therapeuten wird dann in kurzer Zeit entscheiden, wie du weiter behandelt wirst.

Im besten Fall kommen Sie da in wenigen Tagen an einen Platz in einer Tagesklinik, können also abends nach Hause und am Tag werden Sie in der Ambulanz betreut.

Uta Patula

Fazit

Mit einer Depression ist nie zu spaßen. Diese Krankheit endet jährlich tausendfach tödlich. Wenn du bei dir Symptome bemerkst, geh ohne Scham oder das Gefühl, ein Versager zu sein zum Arzt und hol dir Hilfe. Je früher du dich kümmerst, desto besser sind die Heilungschancen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 01. Juli 2020 | 10:45 Uhr

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