Worauf du beim Einsatz einer Dashcams achten solltest

22.07.2019 | 02:10 Uhr

Dashcam an der Windschutscheibe eines Autos 1 min
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Umschau-Quicktipp Dashcams

Dashcams

MDR JUMP Mo 22.07.2019 02:10Uhr 01:11 min

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Lange wurde darüber gestritten, ob Aufnahmen von Dashcams vor Gericht zur Urteilsbewertung herangezogen werden dürfen. Einige Gerichte ließen derartige Videoaufnahmen als Beweismittel nicht zu. 2018 erklärte der Bundesgerichtshof (BGH) dann, dass Aufnahmen von Dashcams als Beweismittel vor deutschen Zivilgerichten zur Klärung von Verkehrsunfällen zulässig sind (Az.VI ZR 233/17).

Den Datenschutz beachten

Grundgesetz und Stempel mit Datenschutz Grundverordnung
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Der BGH weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass andauerndes Filmen nicht notwendig ist und gegen das Datenschutzgesetz verstößt. Deshalb empfiehlt es sich, Kameras einzusetzen, die nicht permanent aufnehmen und das aufgenommene Material automatisch löschen. Das heißt, wenn Videoschleifen von ein bis drei Minuten aufgenommen und diese selbständig wieder überschrieben werden. Aus diesem Grund empfehlen Experten, keine Actioncam für diesen Zweck zu verwenden. Ganz wichtig: Auch wenn die Dashcam einen Unfall aufgezeichnet hat, dürfen die Aufnahmen in keinem Fall online, also auf Plattformen wie Youtube oder Facebook, veröffentlicht werden - dies verstößt gegen das Persönlichkeitsrecht und gegen den Datenschutz. Hierfür kann es Geldstrafen bis zu 300.000 Euro geben.

Tipps zum Kauf

Blickwinkel

Der Blickwinkel darf nicht zu groß und nicht zu klein sein. Auf der einen Seite ist es ideal, mit einem möglichst großen Winkel aufzuzeichnen. Jedoch verzerrt das Bild auch mit zunehmendem Blickwinkel an den Rändern. Daher sollte dieser maximal 130 Grad betragen. Empfohlen werden Winkel von mindestens 90 Grad. Wichtig: dieser muss von Bildkante zu Bildkante gemessen sein. Einige Hersteller geben jedoch den Winkel der Bilddiagonalen an.

Bildqualität

In der Regel reicht FullHD aus, um Nummernschilder gut zu erkennen. Schärfer wird es mit UHD oder 4K. Ein noch kontrastreicheres Bild erreicht man mit HDR, was besonders bei schnellen Lichtwechseln, wie der Ein- und Ausfahrt in/aus einem Tunnel, Vorteile bringt. Auch für Nachtfahrten ist HDR von Vorteil. Dennoch gehen nachts Details verloren, Kennzeichen sollten aber trotzdem erkennbar sein.

Bildfrequenz

Die Bildfrequenz ist hier die Bildwiederholungsrate. Verwendbare Standbilder lassen sich bei sehr schnellen Bewegungen nur aus dem Material herausziehen, wenn die Bildfrequenz nicht zu niedrig ist. Die meisten Dashcams haben eine Bildfrequenz von 30 Bildern pro Sekunde. Diese ist zwar ausreichend, Experten empfehlen jedoch 60 Bilder pro Sekunde. Das spielt zum Beispiel dann eine Rolle, wenn es um die Frage der Rotphase an einer Ampel oder das Erkennen des Nummernschildes geht. 

Automatisches Aufzeichnen

Dashcam
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Die meisten Kameras starten die Aufnahme automatisch, wenn sie mit Strom versorgt werden, also beim Start des Fahrzeuges. Durch einen integrierten Beschleunigungssensor erkennen einige die Dashcams von selbst, wenn es eine Vollbremsung oder eine starke Erschütterung des Fahrzeuges gibt und zeichnen dann automatisch auf. Wer das Fahrzeug beim Parken überwachen möchte, muss auf eine Powerbank zurückgreifen. Viele Dashcams bieten die Möglichkeit, mittels einer sogenannten Eventtaste Videodaten manuell zu speichern. Um eine Datei nach einem Unfall zu speichern, kann man die Aufnahme schreibgeschützt in einen speziellen Ordner auf der Speicherkarte verschieben.

Aufzeichnungsmedium

Videoaufnahmen werden auf einer SD-Karte gespeichert. Gerade bei günstigeren Modellen muss diese zusätzlich verkauft werden. Je nach Kamera wird eine bestimmte Kartengröße unterstützt. Im Normalfall ist eine kleine Speicherkarte ausreichend, da nur wenige Videodateien überhaupt gespeichert werden.

Akku/Strom

Meist wird die Kamera mittels Kabel mit dem Zigarettenanzünder des Fahrzeuges verbunden. Auch USB-Powerbanks können genutzt werden. Bei einem heftigen Unfall kann die Stromversorgung über das Kabel abbrechen. Um in diesem Fall die Datei auch noch abspeichern zu können, haben die Kameras zusätzlich einen Akku.

Halterung

Die Dashcam sollte fest an der Scheibe sitzen, damit sie auch Vibrationen des Fahrzeuges standhält. Meistens sind die Kameras an Windschutzscheibe oder Armaturenbrett mit einem Saugnapf befestigt.

App-Steuerung

Eine Frau bedient ein Smartphone.
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Wird die Kamera nicht über eine App am Smartphone gesteuert, ist ein in der Kamera integrierter Monitor hilfreich. Damit lässt sich die Ausrichtung der Kamera einfach kontrollieren. Jedoch haben Kameras mit App-Steuerung den Nachteil, dass man abhängig vom jeweiligen Hersteller ist. Heißt: Ist die App nicht mehr verfügbar, kann man auch nicht mehr auf die Dashcam zugreifen.

Preis

Wie bei vielen technischen Geräten gibt es auch bei Dashcams eine große Preisspanne, die von unter 100 bis über 300 Euro reicht. Die teureren Modelle verfügen meist über zusätzliche Funktionen wie WLAN für die Steuerung der App, internes GPS oder eine zweite Heckkamera. Jedoch sind auch günstigere Modelle laut Experten durchaus gut und für den normalen Gebrauch völlig ausreichend.

Dashcams im Test

Die Experten von Computerbild haben aktuell 21 Dashcams verglichen und hinsichtlich ihrer Qualität und Ausstattung bewertet. Dabei kamen sie zum Ergebnis, dass man für eine gute Dashcam über 100 Euro ausgeben muss. Der Testsieger, die TrueCam A7s kostet um die 160 Euro. Sie überzeugte, weil sie bei allen Lichtverhältnissen in guter Qualität filmt und zahlreiche Zusatzfunktionen bietet. In der Preisklasse unter 100 Euro überzeugt die Yi DashCam. Als Schlusslicht erreichte die CarDVR 71 von Rollei nur ein "ausreichend", unter anderem wegen schlechter Bildqualität und umständlicher Bedienbarkeit.

Auch Chip.de hat verschiedene Dashcam-Modelle unterschiedlichster Preisklassen (von unter 60 bis über 350 Euro) unter die Lupe genommen. Dabei mussten sich die 21 getesteten Geräte unter Berücksichtigungen der gerichtlichen Empfehlungen zunächst bewegen. Auch Ausstattung, Bildqualität und Preis-Leistungsverhältnis wurden bewertet. Im Ergebnis gab es viele gute Geräte, einige bekamen allerdings auch nur ein "ausreichend". Testsieger bei chip.de ist die Garmin Dash Cam 55. Mit einem Preis von rund 165 Euro hat sie laut Experten ein besonders gutes Preis-Leistungsverhältnis. Außerdem hat sie zahlreiche Ausstattungsmerkmale wie beispielsweise WLAN, Sprachsteuerung und einen Kollisionswarner. Als "ausreichend" wurden zwei günstigere Modelle bewertet: die NavGear Full-HD-Dashcam MDV-2900 sowie die Braun B-Box T4.

Fazit

Die Aufzeichnungen einer Dashcam können im Falle eines Unfalls als Beweismittel sehr nützlich sein. Wer eine Dashcam verwendet, sollte sich allerdings im Klaren sein, dass die Aufnahmen auch als Beweismittel gegen den Fahrer genutzt werden können. Interessant: Für Radfahrer gelten dieselben Möglichkeiten, eine solche Kamera zu verwenden.

Wichtig im Ausland: Dashcams sind nicht in jedem Land erlaubt. Zum Beispiel sind sie in Belgien, Luxemburg und Portugal verboten oder nur eingeschränkt zu benutzen. Dänemark, Italien und Finnland hingegen erlauben den Einsatz der Kameras. Infomiere dich vor der nächsten Urlaubsreise also unbedingt!

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 22. Juli 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2019, 02:10 Uhr