Mehr Kindergeld, Soli weg: Das ist neu im Jahr 2021

Mehr Kindergeld, eine Grundrente für alle, der Soli-Zuschlag fällt weg, der CO2-Preis kommt – diese und noch mehr Änderungen stehen 2021 an.

Ein leuchtendes 2021 1 min
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MDR JUMP Mi 30.12.2020 10:45Uhr 01:04 min

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Im neuen Jahr ändert sich so einiges für Verbraucher. Unter anderem gibt es mehr Kindergeld, auch viele ältere Menschen mit kleiner Rente bekommen einen Zuschlag. Die meisten von uns müssen keinen Solidaritätszuschlag mehr zahlen. Dafür werden durch Maßnahmen zum Klimaschutz Sprit und KfZ-Steuer beispielsweise für neue SUVs teurer. Diese und weitere Änderungen hat die Bundesregierung auf den Weg gebracht. Die wichtigsten Neuerungen 2021 im Überblick:

Kindergeld und Kinderzuschlag

Ab Januar steigt der Zuschuss für das erste und zweite Kind von 204 auf 219 Euro pro Monat, für das dritte Kind von 210 auf 225 Euro und ab dem vierten Kind von 235 auf 250 Euro. Auch der steuerliche Kinderfreibetrag wird um mehr als 500 Euro auf 8388 Euro angehoben. Einen Anstieg gibt es auch beim Kinderzuschlag - eine Leistung zusätzlich zum Kindergeld für Familien mit geringem Einkommen. Der Maximalbetrag wird von 185 auf 205 Euro im Monat erhöht.

Grundrente

Rund 1,3 Millionen Menschen mit kleiner Rente bekommen einen Aufschlag. Es profitieren diejenigen, die mindestens 33 Jahre Rentenbeiträge aus Beschäftigung, Kindererziehung und Pflegetätigkeit aufweisen. Ihre Lebensleistung soll anerkannt, der Gang zum Sozialamt erspart werden. Im Schnitt gibt es einen Zuschlag von 75 Euro. Die Grundrente startet zwar offiziell zum 1. Januar, die Auszahlung wird sich aber wegen des hohen Verwaltungsaufwands voraussichtlich um mehrere Monate verzögern und dann rückwirkend erfolgen.

Homeoffice-Pauschale

Wer in der Corona-Krise von zuhause arbeitet, bekommt einen Steuerbonus. Pro Homeoffice-Tag kann man 5 Euro geltend machen, maximal aber 600 Euro im Jahr. Die Pauschale zählt zu den Werbungskosten. Daher profitieren nur diejenigen Steuerzahler davon, die über die ohnehin geltende Werbekostenpauschale von 1000 Euro kommen.

Solidaritätszuschlag

Für 90 Prozent der Steuerzahler entfällt der Zuschlag ab dem 1. Januar, für weitere 6,5 Prozent wird er verringert. Der Soli, für den 5,5 Prozent zusätzlich zum fälligen Lohnsteuerbetrag gezahlt werden mussten, war 1991 eingeführt worden, um die finanziellen Lasten der Wiedervereinigung zu stemmen.

Verbot von Upskirting

Das heimliche Filmen oder Fotografieren unter den Rock (Upskirting) oder in den Ausschnitt kann ab dem neuen Jahr mit bis zu zwei Jahren Gefängnis bestraft werden. Gleiches gilt für die Weiterverbreitung solcher Aufnahmen.

Mehrwertsteuer

Ab Januar gilt wieder der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf die meisten Güter und 7 Prozent auf Waren des täglichen Bedarfs. Die Bundesregierung hatte die Steuer wegen der Corona-Pandemie für ein halbes Jahr gesenkt, damit die Menschen trotz der unsicheren Zeit weiter Geld ausgeben und die Konjunktur stützen.

Hartz IV

Die Regelsätze steigen leicht:

  • alleinstehender Erwachsener 446 Euro (+14 Euro)
  • Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren 373 Euro (+45 Euro)
  • Kinder bis fünf Jahre 283 Euro (+33 Euro)
  • Kinder zwischen 6 und 13 Jahren 309 Euro (+1 Euro)

Mindestlohn

Der gesetzliche Mindestlohn steigt zum 1. Januar von derzeit 9,35 Euro pro Stunde auf 9,50 Euro. Danach erhöht er sich jeweils im Sechs-Monats-Rhythmus auf 9,60 Euro, auf 9,82 Euro und schließlich am 1. Juli 2022 auf 10,45 Euro.

CO2-Preis

Um fossile Energien zu verteuern und klimaschonende Alternativen voranzubringen, gibt es ab 2021 einen nationalen CO2-Preis für Verkehr und Heizen. Pro Tonne CO2, die beim Verbrennen von Diesel und Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht, müssen verkaufende Unternehmen wie Raffinerien zum Start 25 Euro zahlen. Der Preis wird an die Kunden weitergegeben. Laut Bundesregierung steigt dadurch der Literpreis bei Benzin um 7 Cent, bei Diesel und Heizöl um 7,9 Cent, Erdgas wird um 0,6 Cent pro Kilowattstunde teurer. Damit Menschen mit geringen Einkommen durch den CO2-Preis nicht belastet werden, gibt es ab Januar einen Zuschlag beim Wohngeld. Damit werden die zu erwartenden Mehrkosten beim Heizen ausgeglichen.

Kfz-Steuer und -Versicherung

Für neue Autos mit hohem Spritverbrauch steigt die Kfz-Steuer. Das soll Bürger dazu bringen, sparsamere Pkw zu kaufen. Bereits zugelassene Autos sind allerdings nicht betroffen. Einer Studie zufolge wird es pro Jahr im Schnitt um 15,80 Euro teurer. Zudem ändert sich bei etwa jedem 4. Autofahrer die Einstufung in die Typklasse. Je nach Modell kann dadurch die KfZ-Versicherung teurer oder billiger werden.

Einweg-Plastik-Verbot

Ab 3. Juli 2021 ist es in der ganzen EU eine Ordnungswidrigkeit, bestimmte Artikel aus Einwegplastik zu verkaufen - nämlich Besteck und Teller, Trinkhalme, Wattestäbchen, Luftballon-Halter, Rührstäbchen etwa für den Kaffee sowie Styroporbecher und -behälter für Essen zum Mitnehmen. Der Abverkauf von bereits bestehenden Lagerbeständen soll aber zulässig bleiben, um eine Vernichtung ungebrauchter Einwegprodukte zu vermeiden.

Einkommenssteuer

Für alle Steuerzahler steigt der Grundfreibetrag, auf den man keine Steuern zahlen muss. 2021 liegt er bei 9744 Euro statt bisher 9408 Euro. Die Grenze, ab der der 42-prozentige Spitzensteuersatz fällig wird, steigt leicht auf ein Jahreseinkommen von 57 919 Euro. Außerdem dürfen Alleinerziehende höhere Unterhaltsleistungen bei den Steuern abziehen.

Steuerliche Erleichterungen für Menschen mit Behinderungen

Menschen mit Behinderungen können bei der Steuererklärung ab 2021 höhere Pauschbeträge geltend machen. Durch diese Pauschalen kann man es sich in vielen Fällen sparen, etwa Fahrtkosten aufwendig einzeln nachzuweisen. Konkret gilt etwa bei einem Grad der Behinderung von 50 künftig eine Pauschale von 1140 Euro, bei einem Grad von 100 sind es 2840 Euro.

Elektronische Patientenakte und Rezepte

Ab 1. Januar sollen allen Versicherten elektronische Patientenakten zur freiwilligen Nutzung angeboten werden. Sie sollen beispielsweise Befunde, Röntgenbilder und Medikamentenpläne speichern können. Patienten können festlegen, welche Daten hineinkommen und welcher Arzt sie sehen darf. Das Verfahren wird zunächst getestet und soll Mitte des Jahres flächendeckend möglich sein. Ebenfalls ab Mitte 2021 beginnt die Einführungsphase der elektronischen Verordnung von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln (E-Rezept). Ärzte können dann ihren Patienten Rezepte digital bereitstellen. Mit Hilfe eines QR-Codes kann das Rezept per App oder per Ausdruck in der Apotheke eingelöst werden.

Maklerkosten

Wer eine Immobilie kauft, muss künftig nur noch maximal die Hälfte der Maklerkosten übernehmen. Bisher übernimmt meist der Käufer komplett die Maklerprovision von bis zu sieben Prozent des Kaufpreises.

Lebensversicherung

Verbraucher können Lebensversicherungen künftig besser vergleichen. Versicherungsunternehmen müssen die sogenannten Effektivkosten ab Januar nach einheitlichen Kriterien angeben. Damit können Kunden leichter erfassen, wie sich die Kosten eines Vertrags auf die Auszahlung der Lebensversicherung auswirken.

Beitragsbemessungsgrenzen

In der gesetzlichen Renten- und Arbeitslosenversicherung werden im Westen bis zu einem monatlichen Einkommen von 7100 Euro (bisher 6900 Euro) Beiträge fällig werden, in Ostdeutschland bis 6700 Euro (bisher 6450 Euro). Die Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung steigt zu Jahresbeginn auf bundeseinheitlich 4837,50 Euro monatlich. Bisher lag sie bei 4687,50 Euro.

Ultraschall

Medizinisch nicht notwendiges «Babykino» oder «Babyfernsehen», also Ultraschall bei Ungeborenen im Mutterleib, ist ab 2021 verboten. Babys sollen so vor unnötigen Einflüssen geschützt werden.

Vereinfachter Krankenkassenwechsel

Versicherte können ab dem 1. Januar 2021 bereits nach 12 statt nach 18 Monaten Mitgliedschaft bei einer gesetzlichen Krankenkasse zu einer anderen gesetzlichen Krankenkasse wechseln. Das bisherige Sonderkündigungsrecht im Falle einer Anhebung des Zusatzbeitrages besteht weiterhin. Zudem haben die Versicherten ein sofortiges Krankenkassenwahlrecht, etwa bei einem Wechsel des Arbeitgebers oder einem Wechsel von einer Beschäftigung in die Selbstständigkeit.

Pendlerpauschale steigt

Ab Januar können ab dem 21. Kilometer 35 Cent je Entfernungskilometer in der Einkommensteuererklärung als Werbungskosten geltend gemacht werden. Für die ersten 20 Kilometer gilt weiter der bisherige Satz von 30 Cent pro Kilometer. Neu ist, dass jetzt auch Geringverdiener, die keine Steuern bezahlen, ebenfalls profitieren: Sie können ab 2021 eine Mobilitätsprämie beim Finanzamt beantragen.

Personalausweis

Ein neuer Personalausweis kostet ab 1. Januar 37 Euro statt bisher 28,80 Euro. Ab Mitte des Jahres sind darauf dann auch die Fingerabdrücke gespeichert. Kinderausweise sollen künftig nur noch ein Jahr gültig sein, können aber mehrmals um jeweils ein Jahr verlängert werden. Wer möchte, kann stattdessen auch einen sechs Jahre gültigen biometrietauglichen Pass beantragen.

Mehr Sicherheit beim online-Shopping

Wer im Internet mit Kreditkarte bezahlt wird besser vor Betrügern geschützt. Im neuen Jahr ist die Zwei-Faktor-Authentifizierung verpflichtend– also der Nachweis auf zwei verschiedenen Wegen, dass man auch wirklich der Inhaber der Karte ist. Dafür muss man sich vorab für ein entsprechendes Sicherheitsverfahren, zum Beispiel "3-D Secure", registriert haben. In vollem Umfang sollen die Regeln ab Mitte März 2021 angewendet werden.

Praktische Fahrprüfung wird digitaler und teurer

Ab dem 1. Januar 2021 tritt die Optimierte Praktische Fahrerlaubnisprüfung (OPFEP) in Kraft. Kernstück ist laut TÜV Süd ein neuer digitalisierter Fahraufgabenkatalog, der Fahrschülern mehr Transparenz bieten soll. Die praktische Prüfung dauert insgesamt zehn Minuten länger, dafür sollen die Fahrschüler gleich nach der Prüfung eine Prüfungsdokumentation erhalten.

Hohe Strafen für Gaffer

Ab Januar drohen Gaffern höhere Strafen. Wer bei Unfällen Verstorbene fotografiert oder filmt muss künftig mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer empfindlichen Geldstrafe rechnen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 30. Dezember 2020 | 10:45 Uhr

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