Geld anlegen per Broker-App – Kaum Gebühren, keine Beratung

Viele Smartphone-Besitzer sehen gerade oft Werbung für Apps, mit denen sie Aktien handeln können. Bei den Trading-Apps oder auch Broker-Apps zahlen Nutzer keine oder nur sehr niedrige Gebühren. Die Werbung verspricht schnelle Gewinne in Zeiten, in denen man für Geld auf dem Konto kaum noch Zinsen bekommt. Das lockt offenbar viele Deutsche: Die Broker-Apps boomen gerade. Mit den Programmen kann man sein Geld aber auch ganz schnell verzocken, warnen Finanzexperten und Verbraucherschützer.

Eine Frau nutzt ein Smartphone 1 min
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MDR JUMP Mo 22.02.2021 10:45Uhr 01:09 min

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Schnell eingerichtet

Die Anbieter von Broker-Apps wie Gratisbroker, Justtrade oder auch Trade Republic machen es Nutzer tatsächlich sehr einfach, wie Börsenprofis mit Aktien zu handeln: Die Apps gibt es kostenlos für Android-Smartphones und iPhones. Wer sie aufs Handy heruntergeladen hat, registriert sich mit E-Mail-Adresse und Passwort und eröffnet als nächstes ein Wertpapierdepot. Das ist vereinfacht gesagt ein spezielles Konto, über das Aktien, Währungen oder auch Indexfonds gekauft und verkauft werden können. Man könnte auch sagen: Ein virtueller Container für alle Börsenprodukte. Für das Depot müssen sich App-Nutzer einmal registrieren. Das läuft einfach und Corona-Regel-konform über das Video-Ident-Verfahren. Roland Aulitzky von Stiftung Warentest sagt:

Roland Aulitzky, Stiftung Warentest
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Man macht man dann einen Videochat mit einem Callcenter und muss dann seinen Ausweis in die Kamera halten. Und wird dann identifiziert. Das ist im Prinzip schnell und einfach. Wenn das Identifizieren nicht sofort reibungslos möglich ist, kann das aber auch mal eine halbe Stunde dauern.

Als nächstes müssen Nutzer der Apps Geld auf ein Konto überweisen. Das heißt je nach Anbieter mal Live-Konto, Referenzkonto oder auch Verrechnungskonto. Es erfüllt aber immer den gleichen Zweck: Vom Geld auf diesem Konto wird der Preis für die Aktie bezahlt, die man kaufen möchte. Kostet also eine Tesla-Aktie 700 Euro, dann gehen von diesem Konto 700 Euro ab. Verkauft man eine Aktie, geht der Verkaufserlös auch auf das Konto.

"Null Gebühren. Immer."

Die Anbieter-Broker-Apps ziehen vor allem Nutzer an, weil sie für den Handel mit Wertpapieren entweder gar keine Gebühren oder nur den einen symbolischen Euro verlangen. Auch das Wertpapierdepot kostet meist gar nichts. Das ist bei klassischen Banken und Sparkassen anders. Dort kann der Kauf von Aktien oder Rohstoffen schnell zwischen zehn und fünfzig Euro kosten. Für das Depot werden zudem meist monatliche Gebühren von ein paar Euro fällig. Dazu kommt oft noch eine Gebühr, die sich nach dem Wert der Wertpapiere im Depot richtet. Damit sind die Broker-Apps eine einfache und vergleichsweise kostengünstige Alternative zum Wertpapierhandel über Banken. Anders als es die Werbung für die Apps manchmal andeutet, kann man aber nicht mal schnell die paar Euro in Aktien investieren, die man gerade über hat.

Man muss wissen, dass bei etlichen dieser Anbieter die Mindestanlagesumme bei 500 Euro liegt. Also man kann jetzt zum Beispiel keine Aktie für 35 Euro kaufen. Man muss dann so viele Aktien kaufen, dass man über den Mindestbetrag von 500 Euro kommt.

Anbieter wie Trade Republic dagegen haben kein solches Mindestordervolumen. Über diese App könnte man also auch schon Aktien kaufen, die nur wenige Euro kosten.

Geld der Nutzer ist geschützt

Die Anbieter werben mit einem kostenlosen Service, alles wird auf Knopfdruck schnell über das Smartphone abgewickelt: Trotzdem sind die Broker-Apps nicht automatisch weniger seriös als Sparkassen oder Banken, bei denen der Wertpapierhandel auch über eine App, ein Onlineportal oder einen Anruf beim Kundenberater läuft. Die Broker-Apps bieten dafür jetzt eben nur einen anderen, einfacheren Weg an. Diese Einschätzung von Roland Aulitzky gilt zumindest für die vier Apps, die Stiftung Warentest aktuell getestet hat: Gratisbroker, Justtrade, Scalable Capital und Trade Republic

Die App-Anbieter selbst haben meistens keine Banklizenz. Sie arbeiten aber mit jemandem zusammen, der eine Banklizenz hat. Sonst geht es gar nicht, das würde die BaFin gar nicht zulassen, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Die Anbieter arbeiten dafür mit der Baader Bank oder der Sutor Bank zusammen.

Damit ist das Wertpapierdepot von Kunden auch geschützt, wenn ein Anbieter Insolvenz anmelden muss, so Stiftung Warentest. Baader Bank und Sutor Bank sind nicht ganz so bekannte deutsche Banken. Bei anderen Broker-Apps auf dem Markt wie eToro, Plus500 oder auch Trading 212 dagegen arbeiten die Anbieter mit Banken aus Großbritannien oder Zypern zusammen.

Wie verdienen die Anbieter der Broker-Apps Geld?

Offenbar schlagen sie dafür keinen Aufpreis auf Aktien oder andere Wertpapiere drauf, ohne dass es Nutzer bemerken. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest. Die Tester haben bei den Apps keinen nennenswerten Aufschlag gegenüber dem Handelsplatz Xetra der deutschen Börse gefunden.

Soweit wir das wissen, finanzieren sie sich über Provisionen. Diese Anbieter arbeiten ja in der Regel mit einem einzigen Börsenplatz zusammen. Und möglicherweise fließt da ein bisschen Geld. Und es könnte auch sein, dass Anbieter von Zertifikaten Provisionen zahlen.

Keine oder kaum Gebühren für den Handel mit Wertpapieren: Das können die Anbieter der Broker-Apps auch machen, weil sie Nutzern kaum zusätzlichen Service anbieten. Freistellungsaufträge oder Unterlagen für die Steuererklärung kann man zwar anfordern, persönliche Beratung zum Handel mit Aktien gibt es dagegen nicht.

Die sind eben personell nicht so ausgestattet wie eine klassische Filialbank, bei der man seinen altvertrauten Bankberater anruft.

Dieses Modell haben sich im Übrigen inzwischen auch einige Banken zu Eigen gemacht: Wer über deren Onlinedepot oder deren Apps selbst handelt, zahlt sehr niedrige Gebühren. Wer dagegen seinen Kundenberater Aktien oder ETFs kaufen lässt, zahlt mehr.

"Langfristig anlegen, breit streuen, nicht zocken."

Schnell mal zwischendurch das Handy in die Hand nehmen, mit etwas Wischen und Drücken Aktien und andere Finanzprodukte kaufen und verkaufen: Damit fühlt sich Börsenhandel wie ein Smartphone-Spiel an. Der Einsatz ist allerdings das eigene Ersparte. Das kann ganz schnell weg sein, wie dieses aktuelle Interview der Zeitschrift Wirtschaftswoche mit einem Nutzer der Broker-Apps zeigt. Bei Aktien kann es in kurzer Zeit zu starken Preisschwankungen kommen. Eine Nachricht über massive Probleme bei einem Autohersteller und schon kann dessen Aktie "in den Keller rauschen". Roland Aulitzky sagt:

Wer da auf den schnellen Gewinn aus ist, setzt sich wie beim Glücksspiel den ganzen Unwägbarkeiten aus. Das kann hochriskant sein, bis zum Totalverlust. Und es gibt sogar Extremfälle, wo man möglicherweise sogar Geld nachschießen muss. Weil man in Finanzprodukte investiert hat, die man nicht durchschaut hat. Das ist etwas, was wir nicht empfehlen.

Stiftung Warentest und Verbraucherschützer raten, langfristig und mit einem breit gestreuten Risiko in Aktienmärkte zu investieren. Das sei auf lange Sicht auch tatsächlich lukrativer, als das Geld auf einem Konto mit hohen Gebühren und extrem niedrigen Zinsen liegen zu lassen. Eine solche langfristige Anlagemöglichkeit mit vergleichsweise niedrigem Risiko sind Indexfonds, die oft auch als ETFs bezeichnet werden (kurz für Exchange Traded Funds). Das ist vereinfacht gesagt ein Bündel oder ein Korb von Aktien von hunderten oder tausenden Unternehmen. Anteile an diesem großen Aktienbündel kann jeder kaufen. Das unabhängige Verbrauchermagazin Finanztip hat es 2019 ausgerechnet: Wer etwa in den letzten 15 Jahren in den ETF MSCI World (1.600 Aktien aus aller Welt) 50.000 Euro investierte, hat daraus 155.000 Euro gemacht. Trotz der weltweiten Finanzkrise 2008. In ETFs kann man auch über die Broker-Apps investieren. Das klappt auch mit sehr kleinen Beträgen pro Monat, sagt Roland Aulitzky.

Da sind ETF-Sparpläne teilweise schon ab zehn oder 20 Euro pro Monat möglich. Das bieten allerdings auch nur einige dieser Apps an. Aber ein ETF-Sparplan ist natürlich ideal für Geld, was man übrig hat. Damit kann man praktisch diese paar Euro, die monatlich auf dem Girokonto übrigbleiben, sinnvoll investieren. Und das ist auch etwas, was man langfristig und ohne Wenn und Aber empfehlen kann.

Den Indexfonds sollte man dann aber eben auch über Jahre halten, um kurzfristige Schwankungen auszugleichen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 22. Februar 2021 | 10:45 Uhr

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