Bootsführerschein machen für den Urlaub oder Ausflüge: So klappt’s

Viele haben während Corona das Bootfahren für sich entdeckt. Bei uns gibt es viele wunderschöne schöne Seen und Flüsse, für die man ein Motorboot oder ein kleines Segelboot auch ausleihen kann. Für die Prüfung für den Bootsführerschein kann zudem vieles online gelernt werden. Das passt in die Zeit.

Für welche Boote braucht man einen Führerschein?

Für alle Boote mit einem Motor mit mehr als 15 PS. Ohne Führerschein dürfen in Deutschland nur kleinere Motorboote gefahren werden und Boote, die auf bestimmten Gewässern geliehen („gechartert“) werden. Dieser „Charterschein“ inklusive einer ausführlichen Einweisung gilt zum Beispiel für Teile der Saale oder der Havel, beispielsweise für einen Urlaub mit einem gemieteten Hausboot. Theoretisch brauchen Segler für Boote ganz ohne Motor gar keinen Führerschein. Germar Brockmeyer, Generalsekretär des Deutschen Segler-Verbandes (DSV) rät aber unbedingt zur Ausbildung bei einem Profi:

Germar Brockmeyer
Bildrechte: segel-bilder.de

Segeln ist einen Ticken komplizierter als mit dem Motorboot zu fahren. Man braucht den Wind. Und man muss wissen, wie man die Tücher in den Wind hängen muss, damit man von A nach B kommt. Und dafür muss man das einmal kurz kapiert haben.

Zudem wird für den Bootsführerschein auch vermittelt, welche Signale und Warnzeichen für das sichere Fahren auf dem Wasser wichtig sind.

Auf der Straße sind wir alle schon mal unterwegs gewesen, bevor wir einen Führerschein machen, und kennen auch die Verkehrszeichen. Auf dem Wasser ist das anders. Wenn ich nicht gerade das Kind eines Kapitäns bin, dann habe ich die Tonnen und Seezeichen noch nie im Leben gesehen.

Viele Verleiher von Booten wollen zudem sehen, dass jemand mit Motor oder Segel klarkommt. Auch dafür ist der Führerschein ein wichtiger Nachweis.

Wo gilt der Führerschein dann?

Der „Sportbootführerschein“ (das ist die amtliche Bezeichnung, abgekürzt: SBF) gilt zunächst auf allen „Bundeswasserstraßen“: Das sind Wasserstraßen, auf denen der Bund das Sagen hat. Dazu gehört beispielsweise die Elbe. Zusätzlich gibt es noch Landesgewässer wie die Saale oder der Große Goitzschesee und auch private Gewässer. Für die kann der Sportbootführerschein auch für Segler ganz ohne Motor vorgeschrieben sein. Auch zusätzliche Regeln sind möglich.

Ein Beispiel ist der Bodensee. Da brauchen Sie nochmal ein Bodenseeschifferpatent.

Wer sich also für das Bootfahren auf einem bestimmten See oder Fluss in der Nähe interessiert, sollte sich vorher die Vorschriften dafür genauer ansehen. Wichtig sind auch die Unterscheidungen beim Sportbootführerschein: Es gibt einen „SBF Binnen“ und einen „SBF See“, etwa fürs Segeln auf der Ostsee. Zusätzlich wird zwischen einem „Sportführerschein Binnen Motor“ und einem „Sportbootführerschein Binnen Segel“ unterschieden.

Die Ausbildung dafür ist grundsätzlich getrennt. Es gibt immer einen Motorteil, auf die man auf einem Motorboot fahren lernt. Das ergibt auch Sinn. Und dann gibt es immer einen Segelteil. Da wird die praktische Prüfung in der Regel auf Jolle abgenommen, manchmal auch auf einer kleinen Yacht.

Wer möchte, kann den Führerschein auch gleich für „Segel“ und „Motor“ machen.

Wie lange gilt der Führerschein?

Für das ganze Leben. Eine Auffrischung ist genauso wenig nötig wie beim Autoführerschein. Genau wie der kann ein Bootsführerschein auch wieder entzogen werden. Das kann passieren, wenn die Wasserschutzpolizei Bootsführer mit mehr als den maximal erlaubten 0,5 Promille Alkohol im Blut erwischt. Auch wer viel zu schnell und rücksichtslos oder unter Drogeneinfluss unterwegs ist, kann die Fahrerlaubnis fürs Boot wieder verlieren. Wer ganz ohne den vorgeschriebenen Bootsführerschein fährt und kontrolliert wird, zahlt im Ernstfall hohe Strafen. Laut Bussgeldkatalog für die Schifffahrt können das mehrere tausend Euro sein.

Was gilt fürs Ausland?

Wer in Masuren in Polen, auf den Seen in Italien oder vor der Küste von Kroatien mit dem Boot fahren will, kann das mit dem (passenden) deutschen Bootsführerschein machen. Also beispielsweise mit dem „SBF See“ für Kroatien.

Das ist zwar eine deutsche Fahrerlaubnis, aber diese ist anerkannt und damit im auch im Ausland gültig. Natürlich kann jedes andere Land nach Sonderregelung erlassen, aber für Urlaub und für Spaß, für nicht-gewerbliche Fahrten gilt der Sportbootführerschein.

Im Zweifel gilt auch hier: Vorher über die Bootsführerschein-Regeln im Urlaubsland informieren.

Wer kann den Bootsführerschein machen?

Für den „SBF Binnen“ und den „Sportführerschein See“ ist das Mindestalter 16 Jahre. Ab 14 Jahren kann der „SBF Binnen für Segelboote“ gemacht werden. Zudem hat der Gesetzgeber für den Bootsführerschein ein ärztliches Attest vorgeschrieben. Britt Schulze-Sandow aus der Nähe von Leipzig hat eine Yachtschule und bildet in Werder in Brandenburg auf dem Motorboot aus:

Britt Schulze-Sandow
Britt Schulze-Sandow (Mitte) auf einer Bootsmesse. Bildrechte: privat

Da geht es um einen guten allgemeinen körperlichen Zustand, ums gute Hören und Sehen. Eine Rot-Grün-Schwäche darf man nicht haben, weil die Ampeln im Wasser nicht so geschaltet wie im normalen Straßenverkehr. Die Lichter können nebeneinander sein oder es ist ein Einzellicht, das rot oder grün ist.

Ein gutes Gehör sei wichtig, um auf dem Wasser alle wichtigen Schallsignale mitzubekommen.

Was muss für die Ausbildung eingeplant werden?

Zwischen 200 und 600 Euro. Wer für den Theorieteil selbst mit Apps wie „SBF-Fragen“ oder „Sportbootführer“ lernt und nur den vorgeschriebenen Praxisteil auf dem Wasser und die Prüfung macht, kommt in der Regel deutlich günstiger. Britt Schulze-Sandow rät aus ihrer Erfahrung mit Bootsführerschein-Anwärtern:

Man muss auf alle Fälle darauf achten, dass die Apps auch alle Fragen des Fragenkatalogs anbietet. Ich hatte auch Schüler, die sich gefreut haben, dass sie schneller fertig waren als ihr Nachbar. Aber die hatten bloß die Hälfte der Fragen in ihrer App.

Auf der ELWIS-Seite vom Bundesverkehrsministerium sind sämtliche Fragen für die Theorieprüfungen und zudem alle Anforderungen für die Praxisprüfungen aufgelistet. Germar Brockmeyer empfiehlt für die Ausbildung die im DSV organisierten Segelclubs und die vom Verband anerkannten Segelschulen. Auch der für Motorboote und Yachten zuständige Verband DMYV hat eine Liste von empfehlenswerten Ausbildern zusammengestellt. Germar Brockmeyer sagt:

Für den Motorteil müsste eine Woche reichen. Und ich würde immer zwei Wochen veranschlagen fürs Segeln. Ich kann auch so eine Hybridlösung machen. Ich fange schon mal an zu Hause da, wo ich wohne, und mache dann die die Prüfung woanders. Das geht mit dem DSV.

Dazu komme aber noch Übungszeit mit einem eigenen oder gemieteten Boot nach der Prüfung, sagen unsere Experten. Jedes Boot reagiere anders, jedes Gewässer habe seine Besonderheiten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 17. August 2021 | 11:45 Uhr

Mehr Quicktipps