Stammzellenspende: Das solltest du wissen!

28.05.2019 | 02:10 Uhr

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MDR JUMP Di 28.05.2019 02:10Uhr 01:01 min

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In Deutschland erkrankt alle 15 Minuten ein Mensch an Blutkrebs. Am World Blood Cancer Day am 28. Mai rückt diese bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems in den Mittelpunkt – und die oft einzige Hilfsmaßnahme: die Stammzellenspende.

Was passiert bei Blutkrebs und wie hilft die Stammzellenspende?

Bei Blutkrebs vermehren sich entartete weiße Blutzellen unkontrolliert im Körper des Erkrankten und sorgen dafür, dass das Blut seine lebensnotwendigen Aufgaben wie den Transport von Sauerstoff oder das Bekämpfen von Infektionen nicht mehr ausführen kann. Durch die Transplantation gesunder Stammzellen kann dies verhindert werden. Sie nisten sich beim erkrankten Patienten ein und helfen dort neue und gesunde Blutzellen zu bilden. So kann das Leben Betroffener gerettet werden. Noch immer ist die Zahl der freiwilligen Spender im Vergleich zu den Erkrankten ziemlich gering. Dabei ist Spender sein und Leben retten ganz einfach.

Wer darf spenden?

Die Stammzellenspende ist freiwillig. Dabei darf zunächst jede Person zwischen 18 bis 55 (max. 60) Jahre Stammzellen spenden. Anders als bei der Blutspende, wo Homosexuelle immer noch mit Hürden kämpfen müssen, ist eine Stammzellenspende für sie unproblematisch. Günstig ist es, wenn Spender bei der Aufnahme in das sogenannte zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) möglichst jung sind, weil sie so länger als Spender zur Verfügung stehen und es bei Transplantationen seltener zu Komplikationen kommt.

Doch es gibt auch Krankheiten, die eine Spende von Stammzellen unmöglich machen. Spenden darf nicht, wer bereits Krebs hatte (wenn auch geheilt), wer an insulinpflichtiger Diabetes mellitus, einer Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung oder Autoimmunkrankheiten wie Morbus Chron, Multipler Sklerose oder Arthritis leidet. Auch Medikamenten-, Alkohol- oder Rauschgiftsucht oder eine HIV-Infektion schließen eine Aufnahme als Spender aus. Zudem gibt es Erkrankungen, die einen zeitweisen Ausschluss als Spender zur Folge haben. Eine komplette Übersicht aller Ausschlusskriterien findet man auf den Websites der Spender-Organisationen.

Wie werde ich Spender?

Ein Typisierungsset der DKMS enthält unter anderem zwei Tupfer zur Speichelentnahme und eine Anleitung
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Da immer wieder Stammzellenspender gesucht werden, gibt es viele Möglichkeiten, sich als Spender registrieren zu lassen. In Deutschland gibt es dafür zahlreiche Spender-Organisationen, beispielsweise den Verein für Knochenmark-und Stammzellspenden e. V. oder die sehr bekannte gemeinnützige Organisation DKMS (ehemals deutsche Knochenmarkspenderdatei). Sie versuchen auch über Werbeaktionen möglichst viele Spender zu finden. Nach einer entsprechenden Aufklärung werden die Gewebemerkmale des Spenders über eine Blutprobe oder einen Abstrich aus der Wangenschleimhaut bestimmt und in der Datei gespeichert. Alle Daten werden von einer zentralen Stelle gesammelt und regelmäßig mit Patientendaten verglichen. Willst du Spender werden, dann forderst du ganz einfach ein Starter-Set über eine Website der Spender-Organisationen an.

Was passiert bei der Stammzellenspende?

Laut Statistik werden nur zehn Prozent der registrierten Spender zu anschließenden Untersuchungen, der sogenannten Feintypisierung, gebeten. Passen die Gewebemerkmale zu denen eines Patienten, werden weitere Blutwerte ermittelt. Sind auch diese Werte passend, erfolgt ein gründlicher Gesundheitscheck und eine genaue Aufklärung über die Spende. Nur etwa 1 Prozent aller registrierten Personen wird auch tatsächlich Spender.

Es gibt zwei Möglichkeiten der Stammzellenentnahme:

Periphere Stammzellspende
In 80 Prozent der Fälle erfolgt die periphere Stammzellenentnahme, ein Verfahren ähnlich der Blutplasmaspende. Hierbei wird dem Spender vorher der Wachstumsfaktor G-CSF verabreicht. Er gaukelt dem Körper eine Art Erkältung vor und bewirkt den Übergang der Blutstammzellen ins Blut. Dieses wird dann per Kanüle über eine Armvene entnommen. Die Stammzellen werden mittels eines speziellen Apparates herausgefiltert und das Blut wird an der Vene des anderen Armes an den Spender zurückgegeben. Es ist die modernere und gängigere Art der Stammzellentnahme und dauert mehrere Stunden.

Knochenmarkspende
In 20 Prozent aller Fälle wird unter Vollnarkose Knochenmark durch Einstiche aus dem Beckenkamm entnommen. Das Rückenmark wird dabei nicht, wie oft fälschlich angenommen, punktiert. Nun werden die Stammzellen beim Patienten transplantiert. Sie nisten sich in den Knochenhohlräumen ein und bilden dort neue, gesunde Blutzellen.

Risiken einer Spende

Blutproben in einem Labor
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Kommt ein Spender in Frage, wird er zunächst vollständig medizinisch durchgecheckt. Es folgt ein Aufklärungsgespräch. Erst dann kann gespendet werden. Je nach Art der Stammzellentnahme können unterschiedliche Risiken auftreten. Bei der peripheren Entnahme können grippeähnliche Symptome wie Kopf- und Gelenkschmerzen auftreten. Nach heutigem Forschungsstand sind Langzeitnebenwirkungen dieser Methode nicht bekannt. Da bei der Knochenmarkentnahme unter Vollnarkose gearbeitet wird, bestehen die bekannten Narkoserisiken. Nach der Entnahme kann es an den Einstichstellen Blutergüsse geben. Auch lokaler Wundschmerz, ähnlich einer Prellung, ist möglich. Das Knochenmark wird bereits nach kurzer Zeit nachgebildet. In seltenen Fällen kann es bei beiden Entnahmearten zu allergischen Reaktionen kommen.

Wer es sich trotz Registrierung doch anders überlegt hat, hat jederzeit die Möglichkeit, sein Einverständnis ohne Angabe von Gründen rückgängig zu machen. Dies gilt allerdings nicht, wenn sich der auf das Transplantat angewiesene Patient bereits in der Behandlung befindet.

Kosten

Der erste Schritt, die Typisierung, wird nicht von den Krankenkassen übernommen. Diese Kosten von 35 Euro pro Registrierung tragen die Spenderdateien, die deshalb auch auf Geldspenden angewiesen sind. Kommt es zur Stammzellenspende, übernimmt meist die Krankenkasse des Patienten alle Kosten für Untersuchungen, Reisekosten und Verdienstausfall des Spenders. Die Aufteilung variiert je nach Spender-Organisation. Für den Spender selbst entstehen in jedem Fall keine Kosten.

Nach der Spende

Damit Spender und Patient kein emotionales Verhältnis aufbauen, ist eine Stammzellspende zunächst grundsätzlich anonym. Der Grund: Nicht immer ist eine Spende auch erfolgreich. Experten sprechen von einer 60-prozentigen Erfolgschance. Wollen Spender und Patient allerdings nach erfolgreicher Spende Kontakt aufnehmen, ist es nach zwei Jahre möglich, den Menschen kennenzulernen, dem man durch die Spende das Leben gerettet hat.

Fazit

Oft sind die Hemmungen vieler Menschen vor einer Registrierung für eine Stammzellspende groß. Tatsächlich sind die Risiken geringer, als viele denken. Für Betroffene ist die Spende meist die einzige Überlebenschance.

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Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 28. Mai 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Mai 2019, 02:10 Uhr