Bienenwachstücher – Alternativen zu Alufolie und Co.?

Über 130.000 Tonnen Aluminium pro Jahr für Verpackungen. Zuviel! Vor allem, weil die Herstellung Unmengen an Energie braucht. Plastefolien sind nicht besser. Papier schon eher, aber so richtig schick und umweltfreundlich sind Bienenwachstücher. Wir erklären, was die können und kosten.

Was sind Bienenwachstücher?

Auf jeden Fall keine neue Erfindung. Schon die Uromas wussten, dass ein Baumwolltuch, getränkt mit Bienenwachs ganz prima Lebensmittel einpackt und frischhält. Auch Schüsseln und Töpfe lassen sich damit abdecken. „Es ist die ideale Alternative zur Frischhalte- und Alufolie. Bestens geeignet zum Verpacken von Pausenbroten, Obst und Gemüse. Die Tücher sind ja flexibel und halten trotzdem ein bisschen die Form“, weiß Amanda Swoboda von den Einfach Unverpackt Läden in Leipzig. Weiterer Vorteil: Die Tücher sind leicht zu reinigen und langlebig. Und ganz am Ende könntest du sie zum Beispiel einfach auf den Komposthaufen werfen.

Was sie können und was sie ersetzen

Butterbrotpapier, Alufolie und Frischhaltefolie kannst du ganz einfach durch Bienenwachstücher ersetzen. Und du kannst sie auch statt einer Papp Box oder Brotbüchse verwenden. Dazu Verpackungsexpertin Amanda Swoboda: „Durch die Handwärme werden die Tücher leicht weich und passen sich gut an das Lebensmittel an. Dann kühlen sie wieder ab und verpacken es richtig stabil.“

Wo die Tücher ihre Grenzen haben

Besonders dort, wo Bakterien und Keime leichtes Spiel haben und sich schnell vermehren, sieht unsere Expertin die Verwendung kritisch: „Die Tücher sind nicht geeignet für leicht Verderbliches wie frischen Fisch, Fleisch oder auch Eierspeisen. Und wenn es richtig warm wird, dann wird das Wachs weich.“

Ab 50 Grad Celsius wird es kritisch, ab 60 Grad fließt dir das Wachs davon.

Billig sind sie nicht – aber:

Eine Rolle Butterbrotpapier kostet nicht mal einen Euro. Damit kannst du deinen Kindern zwei Monate lang die Schnitten einpacken. Aber: Nach Gebrauch schmeißt du es weg. Bienenwachstücher gibt es im Drogeriemarkt ab fünf Euro pro Tuch, große Tücher, etwa zum Einwickeln von Brot, können auch mal 15 Euro und mehr kosten. Und wenn du ein veganes Tuch möchtest, bei dem das Bienenwachs durch Rapswachs oder Carnaubawachs ersetzt wird, können dich größere Tücher auch schnell 20 Euro und mehr kosten.

Insgesamt also nicht billig, aber: Du verwendest die Tücher immer wieder.

Und ja, auch Abspülen kostet Geld für Wasser und Seife. (Jetzt kommt das letzte Aber für diesen Artikel) Aber: Umweltschutz und Nachhaltigkeit bekommen wir nun mal nicht umsonst.

Kaufen oder/und selber machen

Der Nachhaltigkeit, stehen lange Transportwege zum Beispiel aus China gegenüber. Besonders die preiswerteren Angebote in den Drogeriemärkten stammen oft von dort. Problem außerdem: Das verwendete Bienenwachs kann Pestizide von Pflanzenschutzmitteln enthalten. Die lösen sich besonders gerne beim Verpacken von fetthaltigen Lebensmitteln wie Wurst. Sicherer, preiswerter und viel kreativer bist du, wenn du dir deine Tücher einfach selber machst.

Bienenwachstücher selber machen
Bildrechte: Viola Simank

Dazu brauchst du nur Baumollstoff, Bienenwachs, zwei Bögen Backpapier und ein Bügeleisen. „Sie können sich dabei Tücher in Ihrer Form, mit ihren Mustern und Größen herstellen. Die eigenen sich auch prima als Geschenk oder Verpackung für ein Geschenk“, rät Amanda Swoboda.

Pflege, Haltbarkeit und Auffrischen

Bringst du das Tuch von Schule und Arbeit wieder mit nach Hause, musst du es einfach nur mit lauwarmem Wasser abwischen. Ein bisschen Spülmittel kann dabei auch verwendet werden. Schon sind die Tücher wieder einsetzbar.

Das geht gut zwei Jahre so. „Das Bienenwachs hat eine leicht antibakterielle Wirkung und ich mag auch den Duft der Tücher. Nach meiner Erfahrung beginnen die auch nach langer Nutzung nicht, zu müffeln. Sie müssen sie halt nur immer wieder zwischendurch reinigen“, so unsere Expertin. Je nach Verwendung kann sich die Wachsschicht auch mal abnutzen. Genau dann kommst du wieder mit deinen DIY-Fähigkeiten zum Einsatz. Nochmal Amanda Swoboda: „Sie können das Tuch ja ganz einfach wieder nachwachsen, wenn es aus der Form kommt oder mal zu heiß gereinigt wurde.“

Andere umweltfreundliche Alternativen

Gerade für sensible Lebensmittel wie rohes Fleisch oder Fisch brauchst du eine Verpackung, die sich keimfrei reinigen lässt. Glas und langlebige Kunststoffdosen sind dazu gut geeignet. Unsere Verpackungsexpertin hat noch eine weitere Idee: „Die tierproduktfreie Alternative sind bei uns die Snack-Tüüt, die aus Jute und auf der Innenseite einem Biokunststoff bestehen.“

Fazit

Bienenwachstücher kosten in der Anschaffung deutlich mehr als eine Rolle Alu- oder Frischhaltefolie. Dafür kannst du sie selber machen und über lange Zeit immer wieder verwenden. Dabei ersparen sie sehr viel Müll und Energie. Ein großes Umweltplus. Achte beim Kauf auf die Herkunft und darauf, dass du wirklich Bio-Qualität bekommst. Für sehr sensible Lebensmittel sind sie nicht geeignet.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 29. Juli 2021 | 11:45 Uhr

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