Begleitetes Fahren ab 17: Die wichtigsten Tipps für Fahranfänger

19.06.2019 | 02:10 Uhr

Jugendlicher am Steuer 1 min
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MDR JUMP Mi 19.06.2019 02:10Uhr 01:04 min

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Ein Jahr früher den Führerschein machen und mit einem erfahrenen Begleiter an Bord das Auto steuern: So sind junge Fahranfänger später nachweislich sicherer unterwegs. Laut Deutscher Verkehrswacht liegen die Unfallzahlen bis zu 20 Prozent niedriger als bei Fahranfängern, die ihren Führerschein mit 18 Jahren machen. Das vor wenigen Jahren deutschlandweit eingeführte "Begleitete Fahren ab 17" (BF17) gilt unter Verkehrsexperten als echtes Erfolgsmodell.

"Begleitjahr" voll ausnutzen

Wer mit einem Erwachsenen im Auto fährt, ist besonnener unterwegs und verursacht später auch als Alleinfahrer weniger Unfälle. Dabei sollte das Begleitjahr möglichst voll ausgeschöpft werden. Das erhöht den Erfolg, sagt Andreas Grünewald, Vorsitzender des Landesverbandes Sächsischer Fahrlehrer e.V.:

Ein Vater begleitet seinen Sohn beim Autofahren
Das Begleitjahr lässt junge Menschen später nachweislich sicherer fahren. Bildrechte: imago/Westend61

Am besten beginnt man die Fahrausbildung ganz pünktlich mit 16,5 Jahren. Da gibt es immer ein paar Unwägbarkeiten, und dann sind manche mit 17 Jahren und ein paar Monaten fertig und haben nur noch eine ganz kurze Zeit mit einem Begleiter im Auto.

Ausbilden dürfen alle Fahrschulen, die auch Theorie und Praxis für den Führerschein ab 18 Jahren anbieten.

Zügig durch

In vielen Fahrschulen können auch Intensivkurse für die Sommerferien gebucht werden.

Fahrschülerin Kseniya Platkova und Fahrlehrer Thomas Keil sitzen 2011 in einem Fahrschulauto.
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Da sollten Eltern und Fahrschüler so planen, dass der ganze Kurs komplett absolviert werden kann. Es nützt nicht viel, wenn wir die theoretische Ausbildung kompakt halten und dann dauert es zwei, drei Monate bis zur Praxis.

Andreas Grünewald

Dann falle der Vorteil der Intensivkurse weg: Das für die Theorie Gelernte bleibt frisch und kann in der Fahrpraxis besser abgerufen werden. Für Intensivkurse sollten Fahranfänger auch beachten, dass sie vor der Prüfung noch wichtige Unterlagen vorlegen müssen.

Dazu gehören der Nachweis über den Erste-Hilfe-Kurs und auch der Sehtest.

Heiner Sothmann, Deutsche Verkehrswacht

Wer die Fahrprüfung besteht, bekommt nicht den gewohnten Kartenführerschein.

Sie bekommen einen Nachweis über eine Prüfung, und die gilt in Verbindung mit einem Ausweisdokument als Fahrerlaubnis. Mit 18 Jahren kann man die einfach in den Kartenführerschein umtauschen.

Heiner Sothmann

Keine Drogen, kein Alkohol, maximal ein Punkt

Der Gesetzgeber hat für die Begleiter der jungen Fahrer ganz klare Vorgaben gemacht: Sie müssen über 30 Jahre alt sein, seit fünf Jahren ohne Pause den Führerschein für die Klasse B haben und dürfen in Flensburg maximal einen Punkt haben.

Die Regel mit dem Punkt gilt fürs Beantragen der Fahrerlaubnis. Bei der müssen die Begleiter eingetragen werden.

Andreas Grünewald

Bekommen Begleiter später noch Punkte, ist das kein Problem.

Der Eingang zum Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg
Maximal ein Punkt beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg dürfen die Begleitpersonen haben. Bildrechte: dpa

Nur wer in die Prüfungsbescheinigung eingetragen ist, darf später auch als Begleiter mitfahren. Sonst drohen harte Strafen bis hin zum Entzug der Fahrerlaubnis des Fahranfängers. Die Anzahl der Begleiter ist nicht begrenzt. Doch auch sie müssen sich an weitere Regeln halten: Sie dürfen während der Fahrt nicht unter Drogeneinfluss stehen und müssen sich an die 0,5-Promille-Grenze halten.

Das wollten wir mit dem Modellprojekt Begleitetes Fahren ab 17 ja genau nicht: Dass die Jugendliche dann ihre betrunkenen Eltern aus der Gaststätte abholen.

Andreas Grünewald

Der beste Platz für den Begleiter ist hinten

Das Bundesverkehrsministerium weist auf seinen Ratgeberseiten zum BF17 deutlich darauf hin, dass Begleiter keine Fahrlehrer sind. Sie müssen bei Fehlern der jungen Fahrer nicht eingreifen und sollten das bitte auch nicht versuchen.

Wenn der Begleiter ins Lenkrad greift, kann das sehr gefährlich werden und ist deswegen auch ein Verkehrsverstoß.

Andreas Grünewald

Beim BF17 gehe es eher darum, dass ein erfahrener Begleiter mit Erfahrung für brenzlige Situationen mit aufpasst und eventuell vor Gefahren warnt.

Wir empfehlen sogar, dass die Begleitperson sich hinten hinsetzt, damit es auch nicht aus Versehen zum Griff zur Handbremse kommt oder gar zum Lenkrad.

Andreas Grünewald

Fahranfänger haften für alle ihre Verstöße gegen die Regeln selbst – auch bei einem Unfall oder einer Fahrerflucht. Die jungen Fahrer sind zudem dafür verantwortlich, dass Begleiter nicht betrunken mitfahren.

Zwei Jahre Probezeit

Ein Blitzer registriert eine Geschwindigkeitsüberschreitung.
Auch beim Begleieten Fahren sind die Fahrer für Verkehrsverstöße verantwortlich. Bildrechte: dpa

BF17-Fahrer müssen genau wie andere Fahranfänger auch zwei Jahre Probezeit absolvieren. Sie sind damit im Idealfall aber schon mit 19 Jahren durch, die anderen erst mit 20. Bei beiden Altersgruppen gilt: Bei schweren Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung kann die Probezeit verlängert und ein Aufbauseminar angeordnet werden. In den zwei Jahren Probezeit und übrigens auch bis zum 21. Geburtstag gilt ein absolutes Alkoholverbot.

Bis zum 21. Geburtstag gilt die 0,0-Promille-Regel und das unterstützen wir auch voll.

Heiner Sothmann

Er weist noch darauf hin, dass die BF17-Prüfbescheinigung bisher nur von Österreich anerkannt ist. Fahranfänger mit Begleiter dürfen also nicht nach Tschechien oder Polen fahren.

Auf Dauer günstiger bei Versicherung

Nutzt ein Fahranfänger mit Begleiter das Auto der Eltern oder eines anderen Familienmitgliedes, sollte das der Versicherung gemeldet werden.

Man muss davon ausgehen, dass der Versicherungsbeitrag dann bei diesem begleiteten Fahren oder beim Fahren von jungen Fahrern erstmal steigt.

Andreas Grünewald

Zudem sollte geprüft werden, ob durch die begleiteten Fahrten die vereinbarten Kilometerleistungen noch eingehalten werden. Muss dann später ein eigenes Auto versichert werden, bekommen BF17-Fahranfänger bei vielen Anbietern günstigere Beiträge. Laut Finanztest sparen diese jungen Fahrer im Schnitt 15 Prozent gegenüber volljährigen Fahranfängern.

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Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 19. Juni 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2019, 02:10 Uhr