Baby-Feuchttücher: Praktisch, aber umstritten

Bis zu acht Mal am Tag müssen Eltern die Windeln ihrer Jüngsten wechseln. Um den Babypopo schnell, sicher und auch für die Eltern einigermaßen hygienisch zu säubern, greifen viele zu Feuchttüchern. Doch die sind nicht unbedingt das Beste für die zarte Kinderhaut.

Eine Mutter säubert ihr Baby mit einem Feuchttuch auf einem Wickeltisch 1 min
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MDR JUMP Di 02.06.2020 10:45Uhr 01:07 min

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Die Haut von Babys ist viel dünner als Erwachsenenhaut und dadurch viel empfindlicher. Auf Chemikalien reagiert sie schnell mit Reizungen und Rötungen, vor allem im besonders sensiblen Windelbereich. Feuchttücher kommen nicht ohne chemische Zusätze aus, denn ohne Konservierungsstoffe würden die feuchten Tücher schnell verkeimen. Andere Zusätze sorgen dafür, dass sie nicht austrocknen. Umso wichtiger ist es, auf Produkte zurückzugreifen, die möglichst wenige Zusatzstoffe enthalten.

Umstrittene Inhaltsstoffe

Zwar verzichten die Hersteller inzwischen auf bedenkliche Inhaltsstoffe wie Parabene, Formaldehyd/-abspalter und Methylisothiazolinone. Auch der krebserzeugende Konservierungsstoff PHMB (Polyaminopropyl Biguanide) ist inzwischen verboten. Allerdings stecken immer noch problematische Chemikalien in den Feuchttüchern. Öko-Test hat bei einem Test 2019 umstrittene sogenannte PEG-Derivate gefunden. Diese können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. In einigen Produkten steckten umweltbelastende Stoffe, wie Polymere oder Silikone. Auch dies wurde bemängelt. Ebenfalls fragwürdig sind Parfümstoffe in Feuchttüchern, denn sie können die empfindliche Babyhaut unnötig reizen. Zusätzlich entstehen in einigen Fällen vermutlich durch das Bleichen der Tücher halogenorganische Verbindungen, die Allergien auslösen und Krebs erzeugen können. Sie sind als solche nicht auf der Verpackung verzeichnet, weil sie Rückstände der Verarbeitung sind.

Testergebnisse: Viele Feuchttücher sehr gut

Die Untersuchung von Ökotest, zeigt, dass viele Hersteller mittlerweile ohne kritische Zusatzstoffe auskommen. 19 Produkte wurden unter die Lupe genommen – von namhaften Herstellern aber auch No-Name Tücher aus dem Discounter. Mehr als die Hälfte der getesteten Produkte wurden mit „sehr gut“ oder „gut“ bewertet. Im Rest steckten problematische und/oder umstrittene Inhaltsstoffe. Abgewertet wurden generell alle parfümierten Feuchttücher. Sofern sie keine anderen Zusatzstoffe enthielten, wurden sie dennoch mit „gut“ bewertet. In fünf Feuchttüchern wurden umweltbelastende Stoffe gefunden. In einem Produkt wurden die schon erwähnten halogenorganischen Verbindungen nachgewiesen. Aufschriften auf den Tüchern wie „für sehr sensible Haut geeignet“ oder „dermatologisch geprüft“ sind nicht aussagekräftig, so Ökotest. Auch in solchen Produkten können PEG-Derivate oder Parfümstoffe enthalten sein.

Waschlappen und Wasser als Alternative

Kinderärzte und Hebammen empfehlen generell, bei der Reinigung möglichst wenige Kosmetikprodukte zu verwenden und soweit es geht ausschließlich Wasser zu verwenden – auch und gerade im besonders sensiblen Windelbereich. Warmes Wasser ist für die tägliche Reinigung völlig ausreichend. Weiterer Vorteil: Wer statt Einmal-Feuchttüchern wiederverwendbare Waschlappen benutzt, schont neben der Babyhaut auch die Umwelt und den Geldbeutel. Zusätzlich kann für die Entfernung von Schmutzresten ein hochwertiges, parfümfreies Pflanzenöl angewendet werden, das beispielsweise auf Kosmetiktücher oder Wattepads aufgetragen wird.

Nicht in der Toilette entsorgen

Wer sich trotzdem dafür entscheidet, mit Feuchttüchern zu arbeiten, sollte sie nach Gebrauch unbedingt im Hausmüll entsorgen und nicht in der Toilette herunterspülen. Die Tücher sind aus besonders dicht gewebtem Material und zersetzen sich im Wasser nicht. Fälschlicherweise heruntergespülte Feuchttücher sorgen immer öfter für Pumpenausfälle und Verstopfungen in den Klärwerken – dafür mitverantwortlich ist übrigens auch feuchtes Toilettenpapier, das, anders, als auf der Verpackung geschrieben, vielfach nicht in der Kanalisation zersetzt wird.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 02. Juni 2020 | 10:45 Uhr

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