Was Assistenzhunde leisten können

Assistenzhunde helfen Menschen mit Problemen. Wir erklären dir, welche unglaublichen Fähigkeiten diese Tiere besitzen, wo sie helfen und wie man einen Assistenzhund bekommt.

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MDR JUMP Mi 14.04.2021 10:45Uhr 01:24 min

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Was muss ein Assistenzhund können?

Die Liste der Einsatzmöglichkeiten ist lang. Vom Blindenführhund über den Assistenzhund für Menschen mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTSB) bis hin zu Epilepsie- oder Diabetikerwarnhunden, können Assistenzhunde ganz verschiedene und sehr individuelle Aufgaben übernehmen. Dabei können sie reine Warnhunde sein, die bei einer drohenden Gefahr ihren Besitzer und die Umwelt aufmerksam machen. Sie können aber auch ganz praktisch Lichtschalter anmachen, Türen öffnen und beim Anziehen helfen. Dabei müssen die Hunde ausgeprägt ruhig und belastbar sein. "Und die Hunde müssen sich durchsetzen können. Entspannt aber bestimmt müssen sie Frauchen und Herrchen zum Beispiel durch Menschenmengen führen, ohne sich dabei ablenken zu lassen", weiß Hundetrainerin und Expertin für Assistenzhunde Silke Kempfer. Ganz aktuell werden sogar Corona-Hunde ausgebildet. Sie sollen dabei helfen, bei Menschen eine Covid-19-Infektion festzustellen, noch bevor die Menschen selbst etwas davon spüren. Das geht allerdings ein Stück über den Grundgedanken des Assistenzhundes hinaus.

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aus dem Tierheim Halberstadt

Wie funktionierts?

Besonders Warnhunde müssen die Fähigkeit haben, ganz kleine Veränderungen bei ihrem Besitzer zu spüren. Dazu unsere Expertin: "Epilepsie- oder auch Diabetikerwarnhunde zum Beispiel gehen nicht über den Geruch ihres Besitzers. Der ändert sich bei einem Anfall oder einer Unterzuckerung zu spät. Stattdessen hören die Hunde tatsächlich, dass sich der Sauerstoffgehalt im Blut ändert und dass unmittelbar vor einem Anfall." Im Ernstfall stupsen die Tiere ihre Besitzer mit ganz klar erkennbaren Zeichen an, sie informieren andere Familienmitglieder oder sie lenken ihre Besitzer gezielt an einen sicheren Ort. Bei psychischen Störungen oder Problemen weisen die Hunde ihre Besitzer durch auffälliges Verhalten darauf hin, dass zum Beispiel eine Panikattacke unmittelbar bevor steht oder sie einen Anfall bekommen, bei dem sie ihr Verhalten nicht mehr kontrollieren können. So gewarnt, können die Besitzer rechtzeitig Notfallmedikamente nehmen oder sich Hilfe suchen.

Assistenzhund und Therapiehund, ist das nicht das gleiche?

Nein, das ist es nicht. Großer Unterschied: Assistenzhunde, auch Rehahunde genannt, lernen, einem einzelnen Menschen mit ganz individuellen Problemen zu helfen. Sie bleiben nach einer rund zweijährigen Ausbildung auch immer an der Seite ihres Besitzers. Klassisches Beispiel dafür sind die sogenannten Blindenführhunde. Assistenzhunde helfen dabei, ihren Besitzern den Alltag zu erleichtern oder ihn überhaupt erst halbwegs möglich zu machen. Therapiehunde werden von einer fachlich geschulten Person bei der Behandlung von mehreren, verschiedenen Patienten oder Bedürftigen eingesetzt. Zum Beispiel zur Streicheltherapie in Altenheimen, zur Beruhigung von ängstlichen Kindern bei der medizinischen Behandlung. Wichtig: Der früher geläufige Begriff Behindertenhund wird heute eher nicht mehr verwendet, da Menschen mit Einschränkungen nicht ständig als Behinderte bezeichnet werden wollen.

Was darf der Assistenzhund, was darf er nicht?

Für die Öffentlichkeit ist er nur dann ein Assistenzhund, wenn er eine entsprechende Decke trägt. Und dann muss er sich benehmen. "Läuft der Hund mit einer Kenndecke für alle sichtbar als Assistenzhund, dann darf er in der Öffentlichkeit niemanden bedrohen, nicht betteln, nicht laut bellen oder jemanden anschnüffeln. Im Idealfall wird der Hund von anderen gar nicht bemerkt", so unsere Expertin. Dafür dürfen dann zum Beispiel Blindenführhunde in Läden oder Einrichtungen, in die normale Hunde nicht reingelassen werden. Auch ins Krankenhaus oder zum Arzt darf der Hund mitkommen.

Welche Hunde kommen dafür in Frage – vielleicht auch meiner?

Es gibt nach Expertin Silke Kempfer dazu keine pauschale Aussage: "Das können Sie nicht an einer Hunderasse festmachen. Das können Sie einem Hund auch nicht antrainieren. Entweder bringt er so ein feines Gehör und/oder so eine große Empathie mit oder nicht." Mit speziellen Tests prüfen die Trainer, ob ein Hund sich als Assistenzhund eignet und trainieren ihn dann entsprechend. "Auch ihr Familienhund kann tatsächlich alle Fähigkeiten für einen Assistenzhund mitbringen. Oftmals zeigen diese Hunde schon von sich aus ein Warnverhalten. Die Besitzer müssen Ihren Hund nur lesen lernen und dann erkennen sie oft von selbst, dass der Hund geeignet ist." 

Wie man einen Assistenzhund bekommt und was das kostet

Öffentliche Stellen, die solche Hunde vermitteln, gibt es nicht. Bedürftige müssen sich immer an Vereine, Verbände oder Züchter wenden. Dort werden die Hunde entweder komplett ausgebildet und dann übergeben oder sie kommen schon als Welpen zu ihren Besitzern und gehen dann regelmäßig in ein spezielles Training. Silke Kempfer zu den Kosten: "Bei der Selbstausbildung lebt der Hund von Anfang an bei seiner späteren Familie. Das Training und die Betreuung bis zum fertigen Assistenzhund kostet dann für die nötigen eineinhalb bis zwei Jahre rund 9.000 bis 10.000 Euro. Für einen fertig ausgebildeten Assistenzhund, der die ganze Zeit beim Trainer gelebt hat, kommen rund 25.000 – 30.000 Euro Kosten auf Sie zu."

Die Krankenkassen zahlen aktuell nur in wenigen Fällen

Nur Blindenführhunde werden ohne Probleme von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Die Hunde gelten nach §33 Sozialgesetzbuch als Hilfsmittel, das die Behinderung, nämlich das Blindsein, ausgleichen und damit einen halbwegs normalen Alltag ermöglichen kann. Bei allen anderen Problemen helfen die Hunde laut Gesetzgeber lediglich, den Alltag zu erleichtern. Er wäre aber auch ohne Hunde im Prinzip möglich. "Viele Verbände und Vereine machen Druck, dass auch viele andere Assistenzhundearten von den Kassen bezuschusst werden", so unsere Expertin. Sie rät auch dazu sich bei der Finanzierung an Hilfsorganisationen zu wenden und auch immer wieder bei der Krankenkasse nachzufragen, ob es nicht doch eine Möglichkeit der Bezuschussung gibt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 14. April 2021 | 10:45 Uhr

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