Anonym im Internet surfen: So hinterlässt du möglichst wenig Datenspuren

11.04.2019 | 02:10 Uhr

Frau sucht im Internet 1 min
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MDR JUMP Do 11.04.2019 02:10Uhr 01:05 min

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Wer im Internet shoppt, Nachrichten liest oder auf Facebook und Co. unterwegs ist, hinterlässt immer eine Menge Daten. Dabei ist egal, ob man den Laptop oder das Smartphone nutzt. Die Betreiber vieler Internetseiten geben die Daten im Hintergrund an Unternehmen weiter, die daraus Profile von Internetnutzern erstellen. Die sollen so online möglichst perfekt auf sie zugeschnittene Werbung sehen. Wer nach Schuhen sucht, wird danach auf vielen anderen Internetseiten Angebote für Schuhe sehen. Daten- und Verbraucherschützer kritisieren das Ganze als "Ausspionieren". Dagegen können sich Internetnutzer nur mit entsprechender Software wehren. Zudem sollen Geräte wie Privacy-Boxen vor der Datensammelwut schützen.

Wie identifizieren Datensammler Internetnutzer?

Wenn ich online unterwegs bin, wissen die Seitenbetreiber meist schon fast eindeutig, wer ich bin.

Benedikt Schwimmbeck vom Technikmagazin CHIP

Für das Verfolgen oder auch "Tracking" werden Internetnutzern winzige Datenpakete in den Internetbrowser gesetzt, die Cookies. Man könnte auch böse sagen: Wanzen. Damit können Internetnutzer später immer wiedererkannt werden. Das Ganze wird im Hintergrund gemacht, ohne dass der Nutzer es merkt.

Die kommerziellen Überwacher haben aber bemerkt, dass viele Leute ihren Internetbrowser so einstellen, dass keine Cookies von Drittanbietern akzeptiert werden. Oder beim Beenden vom Browser gelöscht werden.

Christian Pietsch, Ehrenamtlicher beim Datenschutzverein Digitalcourage
"Gefällt mir"-Button im Look von Facebook
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Manchmal löschen Internetnutzer die Cookies auch selbst von Hand, um das Ausspähen zu stoppen. Das geht aber trotzdem weiter, weil die Anbieter unter anderem Techniken entwickelt haben, um zum Beispiel den "Fingerabdruck" des Browsers zu nehmen. Dabei wird unter anderem erfasst, ob Nutzer den Firefox von Mozilla oder Chrome von Google auf dem Rechner haben, welche Erweiterungen der hat, welche Schriftarten installiert sind, woher Nutzer etwa kommen und ob sie gerade das Smartphone oder den PC fürs Surfen nutzen.

Das ergibt meist schon eine Liste, die so eindeutig ist wie ein Fingerabdruck.

Christian Pietsch

Warum werden Internetnutzer verfolgt?

Über das Identifizieren von Nutzern soll diesen passgenauere Werbung präsentiert werden. Also Banner, auf die mit höherer Wahrscheinlichkeit geklickt wird, weil die beworbenen Dinge zu den Nutzergewohnheiten passen. Zum anderen können Online-Shops über die genau zugeschnittenen Banner Kunden zurückholen, die sich Schuhe, Digicams oder Kinderspielzeug angesehen, aber nicht gekauft haben.

Mit welchem Gerät und mit welchem Browser hinterlassen Nutzer mehr Datenspuren?

Manche Internetbrowser sind zumindest etwas "geschwätziger" als andere.

Wenn ich Google Chrome nutze, dann geht das Datensammeln Hand in Hand mit Google.

Benedikt Schwimmbeck

Etwas anders sei das beim Browser Firefox, der von Mozilla und damit einem Google-Konkurrenten kommt.

Aber grundsätzlich werde ich da auch nicht wirklich anonymisiert und es werden Cookies behalten.

Benedikt Schwimmbeck

Bringt der "Privat"- oder "Inkognito"-Modus im Browser etwas?

Symbolbild Computerhacker - Ein verhüllter Hacker sitzt in einem dunklen Tunnel.
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Viele Internetbrowser ermöglichen Nutzern, im so genannten "Privat-" oder "Inkognito-Modus" zu surfen. Der soll für mehr Privatsphäre sorgen. Der Browser hinterlässt dann besuchte Internetseiten nicht im Verlauf, speichert keine Passwörter und Cookies. Das wirkt auf Laien auch immer etwas so, als wären sie dabei mit Tarnkappe im Netz unterwegs. Auch weil die Browser-Anbieter den Privatmodus gern mit einem Maskenlogo oder einem Agentenschlapphut kennzeichnen. Tatsächlich schützt der Modus aber in der Praxis überhaupt nicht vor Datensammlern.

Die meisten Daten über mich werden trotzdem rausgeschickt und Webseitenbetreiber können mich relativ gut zuordnen.

Benedikt Schwimmbeck

Wie stoppt man das Datensammeln?

Einige aktuelle Internetbrowser wie Mozillas Firefox lassen sich mit Erweiterungen aufrüsten. Dann geben sie Datensammlern deutlich weniger oder gar keine Informationen über Internetnutzer preis. Die können dafür kostenlose Software wie etwa "Ghostery" oder "NoScript" installieren. Das geht einfach über den Punkt "Add-ons Manager" in den Einstellungen des Firefox. "Ghostery" zeigt an, welche Datensammler im Hintergrund aktiv sind und blockiert die auf Wunsch. Auch "NoScript" kann Inhalte auf Internetseiten blocken, die Daten sammeln.

Wichtig ist auch ein guter Werbeblocker wie uBlock Origin, weil Werbung fast immer auch Tracker enthält.

Christian Pietsch

Er rät zudem, in den Einstellungen des Firefox "Do not Track" zu aktivieren. Diese und weitere Tipps für mehr Anonymität erklärt der Verein Digitalcourage online hier noch einmal ausführlich.

Wer noch einen Schritt weiter gehen möchte, kann den Tor-Browser benutzen.

Der basiert auf Mozilla Firefox und ist so eingerichtet, dass der Internetverkehr durch das Anonymisierungsnetzwerk Tor geschickt wird.

Christian Pietsch

Auch das weiter oben beschriebene Fingerprinting durch Datensammler unterbinde der Tor-Browser. Einziger Nachteil: Durch die "Umleitung" über das Anonymisierungsnetzwerk surft man etwas langsamer im Netz. Zudem funktionieren manche Webseiten nicht, wenn sie mit dem Tor-Browser oder dem datenschutzfreundlich eingestellten Firefox aufgerufen werden.

Wie gut schützen Privacy Boxen?

Ab rund 30 Euro aufwärts gibt es kleine Boxen, die Nutzer einfach an den Router zu Hause anschließen können. Die heißen "eBlocker" oder auch "Trutzbox". Die Geräte machen vereinfacht gesagt all das, was im Absatz vorher zu Firefox-Erweiterungen erklärt wurde. Laien müssen sich dafür aber nicht erst mit der Technik auseinandersetzen. Zudem blocken die Geräte gleich im ganzen Netzwerk oder WLAN zu Hause Datensammler.

Das ist wichtig für Geräte wie manche Tablets, Smart-TVs oder Geräte von Kindern, wo ich gar nicht die Optionen habe, um was zu blocken.

Benedikt Schwimmbeck

In Tests wie etwa von Stiftung Warentest (Stand 2016) zeigte sich aber, dass die Boxen nicht alle Ausspähversuche abwehren können. So verhinderten die Geräte nicht in allen Fällen, dass Cookies auf den Rechnern der Internetnutzer abgelegt wurden. Christian Pietsch von Digitalcourage sieht noch ein anderes Problem:

Beim eBlocker ist pikant, dass der Gründer Christian Bennefeld zuvor eTracker gegründet hat. Die Produkte dieser Firma dienen dazu, die Besucher von Websites auszuspionieren.

Christian Pietsch

Das sei so, als ob eine Feuerwehr ihre Brände selber lege.

Das ist die Rechtslage

Aus Sicht von Verbraucherschützern und Datenschützern ist das großangelegte Sammeln von Informationen nicht erlaubt.

Es gibt in der Datenschutzgrundverordnung und in den Datenschutzgesetzen zahlreiche Regeln über das unzulässige Erheben von Daten.

Dr. Thilo Weichert

Der Jurist war früher der Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein und arbeitet jetzt für das Netzwerk Datenschutzexpertise. Die Aufsichtsbehörden würden es aber derzeit nicht schaffen, Sanktionen gegen die Datensammler zu verhängen. Eigentlich wollte die EU gemeinsam mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSVGO) ein weiteres Gesetz erlassen, das die Sammelwut von Google, Facebook und anderen Unternehmen begrenzen soll. Die ePrivacy-Verordnung gibt es aber bisher nur als Entwurf.

Danach dürfen Unternehmen nur noch Daten aus dem Tracking von Internetnutzern für Werbung verwenden, wenn die Verbraucher da vorher zugestimmt haben.

Dr. Thilo Weichert

Dagegen laufe die Werbewirtschaft derzeit Sturm. Das entsprechende Gesetz komme daher nicht vor 2020 und werde wohl auch nicht vor 2021 in der Praxis umgesetzt werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 11. April 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. April 2019, 02:10 Uhr

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