Ankaufportale – Wo gibt es noch gutes Geld für gebrauchte Bücher?

Lupe auf dem Wort Rebuy auf einem Bildschirm 1 min
Bildrechte: imago/Schöning

MDR JUMP Di 11.02.2020 15:40Uhr 01:04 min

Audio herunterladen [MP3 | 1.004,6 KB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 2 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.jumpradio.de/podcasts/quicktipp/ankaufportale-fuer-gebrauchte-buecher-100.html

Rechte: MDR JUMP

Audio

Einscannen, Preis checken, wegschicken

Die mehr als ein Dutzend Ankaufdienste auf dem deutschen Markt wie momox, reBuy, keyDoo oder sellorado funktionieren ähnlich: Nutzer geben auf den Internetseiten der Dienste einfach die ISBN (kurz für: Internationale Standardbuchnummer) oder die Nummer unter dem Barcode der Bücher ein, die sie loswerden wollen. Ist beides nicht vorhanden, kann man die ISBN mit einer schnellen Suche bei den großen Online-Buchhändlern finden. Alternativ läuft das Ganze auch über Smartphone-Apps, die viele der Portale anbieten.

Bar Code
Bildrechte: imago images/YAY Images

Bei den Apps entfällt häufig sogar das Eintippen der ISBN. Die Handykamera scannt den Barcode des Buches ein und sendet die Informationen an das Ankaufportal. Klappt das Einlesen per Kamera nicht, kann man immer noch die ISBN-Nummer eingeben. Innerhalb von Sekundenbruchteilen erfahren Nutzer, ob der Aufkäufer die gebrauchten Bücher nimmt und welcher Preis dafür geboten wird. Manche Portale nehmen Bücher beispielsweise nicht an, wenn sie von diesen zu viele auf Lager haben und diese kaum nachgefragt werden. Darauf weist etwa Momox in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen hin.

Entweder dieser Preis oder gar nicht

Die Ankaufdienste bieten für gebrauchte Bücher Festpreise, die Nutzer auch nicht verhandeln können. Nehmen diese das Ankaufangebot an, muss die Ware noch verpackt und verschickt werden. In der Regel übernehmen die Portale die Versandkosten, wenn beim Ankauf ein bestimmter Mindestankaufspreis erreicht wird. Bei momox, blidad und reBuy sind das zehn Euro, bei sellorado und rezone müssen 20 Euro erreicht werden. ZOXS gibt ab 30 Euro Ankaufswert einen Gratis-DHL-Paketschein aus. Die Mindestankauf-Grenze gilt übrigens nicht nur für Bücher: Viele Dienste kaufen auch andere Medien wie Computerspiele und DVDs an. Für die werden im Vergleich oft bessere Preise als für Bücher gezahlt. Damit ist der Mindestankaufswert schneller überschritten. Das Geld für die gebrauchte Ware gibt es in der Regel nach ein paar Tagen, nachdem die Ankaufware überprüft wurde. Die Anbieter lassen die Käufer entscheiden, wie diese ihr Geld ausgezahlt haben wollen: Das kann eine Überweisung aufs Bankkonto sein, eine Auszahlung via Paypal oder auch ein Gutschein für das Ankaufsportal. Der kann für Käufe eingesetzt werden, weil die Portale wie momox oder reBuy angekaufte Waren online auch wieder verkaufen.

Deutliche Unterschiede bei den Preisen

Nutzer werden bei den Ankaufdiensten gebrauchte Bücher deutlich einfacher los als etwa über Flohmärkte oder Anzeigen auf eBay und Co. Diesen Komfort lassen sich die Anbieter gut bezahlen, wie mehrere Tests der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zeigen. „Bei den Portalen sollte man überhaupt nicht an gute Ankaufspreise denken! Selbst wenn es aktuelle Bücher aus den Bestsellerlisten sind, muss man schon mit deutlichen Abstrichen gegenüber dem Neupreis rechnen“, sagt Verbraucherschützer Georg Tryba. Im aktuellen Test (Stand: Januar 2019) gab es für ein von den Verbraucherschützern zusammengestelltes Paket mit zehn Bestsellern (Neupreis über 190 Euro) im besten Fall 92,46 Euro (Zoxs). Im schlechtesten Fall zahlte das Portal Buchmaxe nur 56 Euro. Sehr große Unterschiede bei den Ankaufpreisen zeigt auch eine kleine Stichprobe des MDR von fünf ausgewählten aktuellen und schon etwas älteren Bestseller-Büchern.

Vergleich von Ankaufspreisen (Stand: Donnerstag, 23.1.2020, 16.20 Uhr)
Buch aktueller Neupreis in Euro Niedrigster Ankaufspreis in Euro Höchster Ankaufspreis in Euro
Joël Dicker: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert (Taschenbuch) 12 0,50 (SeYoBo) 2,49 (reBuy)
Sebastian Fitzek: Das Geschenk (Hardcover) 22,99 0,99 (Keydoo) 8,46 (momox)
Maja Lunde: Die Geschichte der Bienen (Taschenbuch) 11 0,05 (SeYoBo) 2,77 (reBuy)
Ransom Riggs: Die Insel der besonderen Kinder (Taschenbuch) 14,99 0,01 (Ankaufalarm) 1,05 (Momox)
Juan Moreno: Tausend Zeilen Lüge (Sachbuch) 18 0,99 (Keydoo) 6,70 (reBuy)

Preisvergleiche nutzen

Weil sich Ankaufspreise bei den Portalen so stark unterscheiden, sollten Nutzer vor dem Verkauf Vergleichsdienste wie Werzahltmehr, Recyclingmonster oder Bonavendi nutzen. Die liefern einen ersten Eindruck über die Spanne der Ankaufpreise. "Da scanne ich wie bei den Ankaufdiensten auch die ISBN-Nummer ein und dann guckt die Seite gleich auf verschiedenen Portalen nach und nennt mir den besten Preis", sagt Georg Tryba. Allerdings könne die Abwicklung dann schwierig werden. Je nach Bücherstapel müssen Nutzer mehrere Ankaufportale für die jeweils besten Preise nutzen. Bei jedem Portal müssen sie dann aber auch die Mindestmenge für den Gratisversand erreichen. Sonst lohnt es sich meist nicht. Warum die Preise sich zwischen den Ankaufsdiensten so stark unterscheiden und nach welchen Kriterien genau aufgekauft wird, weiß auch Verbraucherschützer Georg Tryba nicht. Ihm ist in den Tests allerdings aufgefallen, dass die Portale manchmal auch für populäre Bücher nur Cent-Beträge bieten. "Das heißt einfach nur: Der Ankaufdienst hat genug von diesen Exemplaren und kauft die eben nicht an."

Ware wird noch einmal überprüft

Bücherstapel
Bildrechte: Colourbox.de

Alle Aufkäufer behalten sich vor, weniger als versprochen zu zahlen, wenn die eingesandten Bücher bei einer Prüfung nicht den eigenen Ansprüchen genügen. So können Kratzer oder Knicke den Ankaufspreis deutlich senken. Diese nachträgliche Preiskorrektur sorge bei Nutzern für Ärger, sagt Verbraucherschützer Tryba: "Wir haben immer wieder mal Beschwerden, wo Leute sagen: Ich wurde mit hohen Ankaufpreisen gelockt, aber nachher wurden mir ganz viele Abschläge reingehauen." Immerhin weisen die Ankaufsportale anders als noch vor einigen Jahren deutlich auf die möglichen Preiskorrekturen hin. Das hatten die Marktwächter Digitale Welt von der Verbraucherzentrale Brandenburg angemahnt. Bei nachträglichen Preiskorrekturen können sich Nutzer die Ware zurückschicken lassen. Allerdings müssten dafür oft die Versandkosten übernommen werden, warnt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.Ein möglicher Grund für Differenzen beim Preis: Die Anbieter legen vorab nicht genau genug fest, was als leichte und damit akzeptable Gebrauchsspuren angesehen wird. Dabei hilft in der Regel auch nicht der alte Rat weiter, die Bücher vor dem Versand zu fotografieren. "Das klappt nur in der Theorie. Sie können ja nicht 400 Seiten fotografieren, um sicher zu gehen, dass ihnen keine Eselsohren in Rechnung gestellt werden", sagt Georg Tryba.

Fazit

Ankaufportale sind ein schneller und bequemer Weg, gebrauchte Bücher wieder loszuwerden. Im Gegenzug dürfen Nutzer aber auch keine besonders guten Ankaufpreise erwarten. Selbst für Bestseller werden nicht immer hohe Preise gezahlt. Mit Vergleichsdiensten sehen Nutzer, was möglich ist. Sie sollten zudem damit rechnen, dass die Ankaufsportale bei Mängeln der gebrauchten Bücher noch mit dem Preis nach unten gehen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 12. Februar 2020 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2020, 02:10 Uhr