Große Angst vor Hunden, was kann ich tun?

„Der tut nix! Der will nur spielen!“ Solche Aussagen von Hundebesitzern nützen dir rein gar nichts, wenn du Angst vor Hunden hast. Wir erklären, ob der Hund deine Angst wirklich bemerkt, was das für Folgen hat und wie du dich auch mit Angst einem Hund sicher näherst.

Du bist nicht allein

Rund die Hälfte von uns hat Angst vor Hunden. Experten sprechen von einer Canophobie beziehungsweise Kynophobie. Und die kann zum Teil in unserem Urmenschengedächtnis verankert sein, als frühe Furcht vor großen Raubtieren, wie zum Beispiel Wölfen. Manchen prägt aber auch ein schlechtes Hunde-Erlebnis in der Kindheit so stark, dass er sein Leben lang Probleme hat.

Vorsicht ist begründet 

Neben einigen Todesfällen durch Hundebisse, gibt es jedes Jahr mehrere hundert Bissverletzungen in Mitteldeutschland. Leider unterschätzen einige Hundebesitzer ihre Fähigkeiten im Umgang mit ihrem Hund. Und auf oben erwähnte Beruhigungsversuche folgt dann ein überraschtes „Das hat er ja noch nie gemacht“. Das nützt im Nachhinein wenig. Positiv: Die große Mehrheit der Hunde ist friedlich und Angst zu haben brauchst du per se auch nicht. Wenn doch, ist es wichtig, rauszufinden, wie tief deine Angst sitzt. Davon hängt ab, wie du damit umgehst.

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22.09.2021, 19:50 Uhr /
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aus dem Tierheim Plauen

Was du alleine in den Griff bekommst – und wie

Wenn du Hunden gegenüber zurückhaltend bist, ist das ziemlich klug und eigentlich kein Problem. Dazu rät Verhaltenscoach Theresa Lenkeit:

„Es ist der Unterschied zwischen Angst und Respekt. Wenn Sie vorsichtig sind und wissen, nicht jeder Hund reagiert gleich, er könnte auch beißen. Dann können Sie daraus entstehende Berührungsängste ganz gut durch ein Gespräch mit dem Hundehalter in den Griff bekommen“. Hundetrainerin und Züchterin Bettina Krist aus Leipzig zum richtigen Umgang: „Wollen Sie zum Beispiel zum Nachbarhund Vertrauen aufbauen, gehen Sie doch mal mit ihm und dem Besitzer auf der Gassirunde mit. Sie müssen den Hund dabei gar nicht anfassen oder streicheln. Es reicht schon, wenn er merkt, Sie sind dabei, das ist okay. Schon entspannt sich das Verhältnis.“ Es ist also tatsächlich der Kontakt zum Hund, der dir deine Ängste oder Befürchtungen nehmen kann.

Wann du Hilfe brauchst

Es gibt aber Ängste, die sitzen viel tiefer, die kannst du nicht steuern. Dazu Expertin Lenkeit: „Wenn Sie merken, dass Sie körperliche Reaktionen wie Schwitzen, Zittern oder Herzrasen nicht in den Griff bekommen, dann könnte eine Angststörung vorliegen. Und die sollten Sie besser mit einem Experten behandeln oder bearbeiten.“ Ansonsten kann deine Angst nämlich immer schlimmer werden und auch auf andere Bereiche des Lebens übergreifen. „Wenn Sie wissen, dass Sie mal ein traumatisches Erlebnis mit einem Hund hatten, wie einen Biss als Kind oder ähnliches, dann brauchen Sie Hilfe von außen, am besten eine Zusammenarbeit von Therapeut und Hundetrainer“, so Theresa Lenkeit weiter. Und auch Hundetrainerin Bettina Krist rät zum Profi:
 „Wir haben keine speziellen Kurse, aber wenn Sie ein Problem mit Hunden haben, dann können Sie bei uns den entspannten, angstfreien Umgang lernen und üben. Tatsächlich haben wir immer wieder mal solche Fälle in unserer Hundeschule.“

Können Hunde Angst riechen – und ist das schlimm?

„Ja, sie riechen, dass wir zum Beispiel stärker schwitzen. Sie merken aber auch ganz leicht an unserer Körperhaltung, ob wir angespannt oder locker sind. Bei Anspannung werden manche Hunde neugierig und wollen den Kontakt intensivieren, indem sie zum Beispiel an uns schnuppern. Ängstliche Menschen könnten das falsch verstehen“, so Hundetrainerin Bettina Krist. Der Hund will dich also nicht beißen oder erlegen, wenn er spürt, dass du Angst hast. Vielmehr soll durch den Kontakt die Spannung abgebaut werden. Andere Hunde werden selbst unsicher und suchen dann vermehrt den Kontakt zum Besitzer. Solche Situationen, wie zum Beispiel auf einer Familienfeier oder auch bei einer spontanen Begegnung im Wald kannst du meistern, wenn ein verantwortungsvoller Halter dabei ist.

Umgang mit Hunden: Gut und Schlecht

Es ist also nicht schlimm, wenn der Hund merkt, dass du angespannt bist. Verhalte dich so natürlich, wie möglich. Lass dem Hund Raum und Zeit, dich kennen zu lernen oder auch dich zu meiden. Viele Hunde sind selber unsicher und ängstlich. Da hilft es, wenn du sie ignorierst und gar nicht weiter beachtest.

Von Vorteil ist, wenn du dich über die Körpersprache von Hunden mal grundlegend informierst. Wichtig dabei: Es gibt teilweise große Unterschiede zwischen den Rassen, verallgemeinern geht also nicht. Beispiel: Wedelt ein Hund mit dem Schwanz, muss das nicht immer für Freude sprechen und ein zwischen den Beinen eingelegter Schwanz muss nicht immer bedeuten, dass der Hund Angst hat.

Was du bei einer Begegnung grundsätzlich vermeiden solltest, dazu unsere Hundeexpertin: „Was Hunde gar nicht mögen ist, wenn man schnell auf sie zuläuft, wenn man sich über sie beugt und mit den Armen von oben zugreift. Das könnten sie als Bedrohung auffassen und entsprechend aggressiv reagieren.“ Hände hoch, schreien, rumdrehen und wegrennen sind ebenfalls keine guten Maßnahmen. Das kann ein Hund im besten Fall als Aufforderung zum Spielen betrachten und dir prompt folgen.

Ideale Hunde, entspannter Kontakt und Angstabbau  

Ja, es gibt sie tatsächlich: Hunde, denen du mit viel Vertrauen begegnen kannst. „Das sind zum Beispiel Labrador, Golden Retriever oder auch der Berner Sennen Hund. Die sind in der Regel sehr umgänglich und sehr entspannt“, so Hundeexpertin Bettina Krist. Wichtig: Eine Garantie gibt es bei keinem Tier. Aber die Statistik zeigt deutlich, dass diese Hunde viel seltener aggressiv sind oder gar zubeißen als andere.

Schau dir die Halter an

Hunde sind oft ein Spiegel ihrer Besitzer. Selbst die friedlichste Hunderasse kann durch falsche Erziehung zum Problem werden. Begegnest du also Besitzern, die nicht ansatzweise daran denken, ihren Hund an die Leine zu nehmen, die es sogar cool finden, mit ihrem Hund Eindruck zu schinden oder Respekt zu bekommen, mach einen großen Bogen um sie. Die dazugehörigen Hunde sind tatsächlich nur schwer einzuschätzen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 28. Juli 2021 | 11:45 Uhr

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