Regeln und Ausrüstung fürs Angeln: Der perfekte Einstieg für Anfänger

Am Fluss- oder Seeufer stehen, das Wasser beobachten und auf ein leichtes Zucken am Schwimmer warten: Angeln wird in der Corona-Pandemie zunehmend beliebter. Das Hobby wirkt aber nur auf den ersten Blick einfach. Anfänger sind bei dem riesigen Angebot an Ausrüstung, den vielen Strategien für den besten Fang und den zahlreichen Regeln schnell überfordert.

Der Angel-Profi hilft beim Start

Christoph Heers
Bildrechte: privat

Wir haben für den Ratgeber mit Christoph Heers aus Tangermünde in Sachsen-Anhalt gesprochen. Er ist nach seinen eigenen Worten "verrückt nach Fisch", gibt auf seinem Blog "16er Haken" Tipps für den perfekten Fang und arbeitet als Angel-Guide.

Stipprute macht es Anfängern leicht

Mit der einfachen Rute haben früher schon Großväter ihren Kindern das Angeln beigebracht. Die vier bis sechs Meter lange Stipprute hat keine Angelrolle. Die Schnur wird einfach an der Spitze angebracht und ist so lang wie die Rute selbst. Bei einer Stipprute kann sich nur wenig verheddern. Einfache Ruten gibt es schon ab zehn Euro. Gute Sets mit dem nötigen Zubehör kosten ab fünfzig Euro aufwärts.

Köder und Angelhaken
Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Zur Stipprute dazu braucht man dann noch eine Pose, auch Schwimmer genannt, weil der an der Wasseroberfläche treibt und den Biss anzeigt. Dazu ein paar Bleie, einen handlichen Kescher mit einem runden Kopf, einen Stuhl und einen Rutenhalter. Und ganz wichtig: Ein Handtuch! Das rettet oft den Angeltag.

Angler müssen das Fischfutter, den Köder, anfassen und die Finger werden beim Fang auch schnell mal vollgeschleimt. Werden dann die Hände im See oder Fluss gewaschen, ist das Handtuch praktisch. In Deutschland sind zudem weitere vier Zubehörteile vorgeschrieben und müssen auch beim Angeln immer mitgeführt werden: Ein Hakenlöser, um den Haken aus dem Fischmaul entfernen zu können, ein Betäuber für den Fisch, ein Messer und ein Maßband. Damit wird der Fang vermessen und in die Fangkarte eingetragen.

Dosenmais reicht für Anfüttern und Ködern

Auch bei Haken und Köder können es Anfänger so einfach wie möglich halten, sagt Christoph Heers:

Gerade fürs Stippangeln würde ich Haken der Größe 10 bis 16 empfehlen. Die gibt’s schon fertig gebunden in so kleinen Blisterverpackungen und da braucht man selbst gar nichts knüpfen.

An den Haken kommt dann Dosenmais aus dem Supermarkt. Der kann auch mal ein paar Tage im Schrank stehen. Mit dieser Kombination wird dann auf "Friedfische" geangelt. Damit sind Fische gemeint, die keine anderen Fische erbeuten, sondern von Insekten leben.

Das sind Schwarmfische. Die kann man gut anfüttern und steigert damit die Chancen auf einen Fang. Wenn man dann mit der Stipprute sitzt und den Dosenmais hat, kann man ein paar Körner unter oder neben die Pose werfen. Dafür eignet sich auch Fischfutter aus dem Angelladen, das man anmischt. Das kostet um die zwei bis drei Euro und hält auch mal mehrere Angeltage.

Damit lassen sich in unseren Gewässern vor allem Brassen, Schleien, Karpfen, Rotaugen oder Rotfedern anlocken.

So finden Angelanfänger eine gute Stelle fürs Angeln

Meist reiche es schon, die Wasseroberfläche von Flüssen oder Seen in Ruhe zu beobachten. Fische verraten sich durch kleine Ringe oder Bläschen an der Wasseroberfläche.

Gerade an Seen sind das Fische, die im Boden nach Insekten wühlen. Dabei steigen Gase auf und verraten den Fisch. Außerdem lieben Fische Struktur. Wenn du etwa Kanten hast an Flüssen oder Buhnenköpfe, das lieben Fische. Und Seerosen und Krautfelder sind auch ein guter Platz. So was zieht Fische wie ein Magnet an.

Natürlich hilft auch höfliches Fragen bei den "alten Hasen", die schon am Ufer sitzen.

Nur legal angeln mit Angelschein und Gastkarte

Kalendereintrag -Angelschein abholen-.
Bildrechte: IMAGO / Steinach

Ganz egal ob Kind oder Erwachsener: Geangelt werden darf in Deutschland nur mit einem gültigen Fischereischein. Für den lernen angehende Angler in einem Kurs die nötigen Grundlagen zu den Fischen und das richtige Verhalten am Gewässer. Das Wissen wird am Ende in einer Prüfung abgefragt. In Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen sind dafür 30 Pflichtstunden vorgeschrieben. Zusätzlich benötigen Angler noch eine Gastkarte für das jeweilige Gewässer. Alternativ gibt es die Erlaubnis zum Angeln dort auch, wenn man Mitglied in einem Angelverein vor Ort wird.

Für den Angelschein mit Kurs und Prüfung kommen Erwachsene in Sachsen-Anhalt auf rund 150 bis 200 Euro. Bei Kindern bis 14 sind die Gebühren etwas niedriger. Da kann man so mit maximal 150 Euro rechnen.

Dazu kommen noch die Kosten für die Gastkarten oder die Vereinsmitgliedschaften. Die örtlichen Angelvereine sind für den Fischereischein und die Erlaubnis am Gewässer die richtigen Ansprechpartner. Dort weiß man auch, wer in der jeweiligen Gemeinde die Gastkarten fürs Angeln verkauft. Das kann das Touristikbüro, der Angelladen oder auch ein Lebensmittelgeschäft sein. Wer "schwarz" angelt und erwischt wird, muss mit hohen Strafen rechnen.

Angeln ohne Angelschein gilt als Straftat. Da fällt Wilderei drunter und das kann auch Hausfriedensbruch sein. Weil man Gewässerstrecken betritt, wo das ohne Angelschein nicht erlaubt ist.

Das kann mit Geldstrafen bis zu 5.000 Euro oder sogar Freiheitsstrafen geahndet werden.

Mit dem Lehrer schnell zu Erfolgen

Christoph Heers verdient sein Geld auch als Angel-Guide: Er geht dann gemeinsam mit seinen Kunden auf Fang rund um Tangermünde, gibt Tipps für die richtige Ausrüstung und die richtige Fangstrategie für den gewünschten Fisch. Solche Guides gibt es auch für viele andere Gewässer in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Ein Guide ist wie eine Abkürzung. Man investiert etwas und spart viel Zeit. Das ist ein großer Vorteil, wenn man kleine Kniffe lernt oder Tipps aus erster Hand bekommt. Da kann man jahrelange Erfahrung für sich nutzen.

Hilfe von Profis bekommen Anfänger auch online. Unser Experte empfiehlt dafür das Anglerboard. Das Anglerboard ist das größte deutsche Angelforum. Dort gehen die Teilnehmer laut Christoph Heers entspannt und höflich miteinander um und helfen sich gegenseitig. Auch den YouTube-Kanal "Ich geh' angeln" empfiehlt Christoph Heers. Er ist auch Fan des englischsprachigen YouTube-Kanals "Cadence Fishing UK".

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 28. Mai 2021 | 11:45 Uhr

Mehr Quicktipps