Sind Alternativen zur Kuhmlich gesünder?

12.04.2019 | 02:10 Uhr

Verschiedene Sorten veganer Pflanzenmilch in Glasflaschen 1 min
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MDR JUMP Fr 12.04.2019 02:10Uhr 01:19 min

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Hat die Werbung früher noch frohlockt: Die "Milch macht´s" und "Milch macht müde Männer munter", so wird Milch aktuell oft sehr kritisch betrachtet. Eine Fraktion beschwört die gesunde und unverzichtbare Wirkung in der täglichen Ernährung. Die anderen behaupten, Milch ist für Krebs, Knochenschwund und Diabetes verantwortlich. Da kommen Milch-Alternativen aus Mandel, Sojabohne und Kokosnuss scheinbar gesund und problemlos daher. Was die Alternativen an Vor- und Nachteilen haben und wie gut oder problematisch Kuhmilch wirklich ist, erfährst du jetzt.   

Kuhmilch: Das Für und Wider

Milch ist ein sehr wichtiges Nahrungsmittel und nicht einfach nur ein Durstlöscher. Dafür hat sie viel zu viele wichtige Inhaltsstoffe. Dazu gehören reichlich Vitamine, Eiweiß und Mineralstoffe wie Kalzium, Eisen und Kalium. Ernährungsberater Johannes Hunger sagt:

Milch ist von den Inhaltsstoffen und der positiven Wirkung auf den Körper her alternativlos. Außer bei Menschen mit einer ausgewiesenen Milchunverträglichkeit gibt es keinen Grund, auf Milch in der täglichen Ernährung zu verzichten.

Ernährungsberater Johannes Hunger

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt deshalb für eine gesunde Ernährung, täglich bis zu 250 Milliliter Milch zu trinken.

Wer keine Kuhmilch verträgt

Geschäftsmann mit Bauchschmerzen, 2006
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Bis zu 20 Prozent aller Mitteleuropäer vertragen keine Kuhmilch. Ihnen fehlt in erster Linie ein Enzym, das Milchzucker aufspaltet. Nehmen die Betroffenen trotzdem Milchprodukte zu sich, bekommen sie Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall. Wirklich abgeklärt werden kann so ein Befund nur beim Arzt. Dort gibt es zur zeitweisen Einnahme Tabletten und Ernährungsempfehlungen. Alternative Milchprodukte können bei der Ernährung in so einem Fall helfen.

Die tierischen Alternativen

Zunächst einmal können Menschen mit einer Unverträglichkeit gegenüber Kuhmilch oft ohne Probleme auf Produkte aus Schafmilch, Ziegen- oder Stutenmilch umsteigen.

Ziegenmilch: Schmeckt besonders in verarbeiteter Form sehr aromatisch - das muss man mögen. Dann aber bietet die Milch mehr Kalzium als Kuhmilch, hat enorm viele Vitamine und kann helfen, den Cholesterinspiegel ausgeglichen zu halten. Außerdem hat sie rund ein Drittel mehr Selen als Kuhmilch, und das stärkt das Immunsystem.

Schafmilch: Sie hat neben dem typischen Eigengeschmack ähnlich viele Vitamine und Mineralstoffe wie Kuhmilch. Durch die Vielzahl an mehrfach ungesättigten Fettsäuren werden ihr herzschonende Eigenschaften zugeschrieben.

Stutenmilch: Der Milch und ihren Produkten werden viele gesundheitliche Vorteile nachgesagt. In Russland gab es vor über 150 Jahren ein Stutenmilch- Sanatorium. Wissenschaftlich bewiesen ist die positive Wirkung der Stutenmilch bei der Behandlung von Magen-Darmkrankheiten und Hauterkrankungen.

Die pflanzlichen Alternativen

Wer ganz auf tierische Milch verzichten möchte, dem bietet der Handel eine große Auswahl an sogenannten Milch-Ersatz-Produkten. Obwohl dabei oft von Mandel-Milch oder Soja-Milch gesprochen wird, ist das nicht ganz richtig. Eigentlich dürfen diese Produkte nur als Drink bezeichnet werden, da sie überwiegend aus Getreide oder Nüssen bestehen. Sie kommen in Sachen Inhaltsstoffe nicht ansatzweise an tierische Milchprodukte heran. Vielmehr müssen bei der Produktion noch etliche Stoffe zugesetzt werden, damit überhaupt Geschmack und Nährstoffe enthalten sind.

Es gibt aus ernährungsphysiologischer Sicht keinen Grund, der unbedingt für solche Produkte spricht. Wenn Sie Abwechslung auf dem Speiseplan wollen, dann können Sie natürlich sowas trinken. Wenn Sie aber zum Beispiel die positive Wirkung von Hafer nutzen wollen, dann  sollten Sie statt des Drinks lieber Haferflocken essen. Da haben Sie wesentlich mehr Inhaltstoffe.

Johannes Hunger

Die Herstellung der Drinks

Und so werden Mandeln, Haferkörner, Sojabohnen und viele andere Körner und Samen entweder zunächst eingeweicht und dann gepresst oder sie werden gemahlen und später mit Wasser und zum Teil pflanzlichen Ölen versetzt. Oft werden die rohen Flüssigkeiten noch gefiltert und später mit Zucker, Vitaminen und Aromastoffen versetzt.

Die große Auswahl

Es gibt reichlich Milch-Alternativen, und das nicht mehr nur in Bio-Läden. Auch Drogerien oder Discounter bieten diese und mehr Drinks an:

Soja: Pur ist ein Sojadrink zunächst gewöhnungsbedürftig, wenn man einen Milchersatz auch geschmacklich erwartet.  Es gibt aber Drinks mit Vanille-, Schoko- oder auch Erdbeergeschmack. In Sojadrinks ist viel Lecithin enthalten. Das ist unter anderem ein Emulgator, der die Vermischung von Ölen und Wasser begünstigt damit wiederum beim Backen hilft. Auch zu Eis oder Sahne können Sojadrinks verarbeitet werden. Achtung: Es ist umstritten, ob ein Zuviel an Sojaprodukten bei bestimmten Menschen durch den hohen Anteil an östrogenähnlichen Stoffen die Entstehung von Krebs fördern kann. Das gilt neben den Drinks aber auch für Tofu in allen Varianten.  Ein Liter Sojadrink kostet rund 1,80 Euro.

Mandel: Die Drinks haben von Haus aus wenige Inhaltsstoffe. Vitamine und Nährstoffe werden oft zugesetzt. Sie eignen sich zum Backen oder auch zur Zubereitung von Müslis. Zwischen 1,20 und 2,50 Euro kostet ein Liter.

Hafer: Steht hier stellvertretend für andere Getreidedrinks aus Hirse, Dinkel oder auch Buchweizen. Sie sind alle reich an Eiweiß, Ballaststoffen und ungesättigten Fettsäuren und können helfen, den Cholesterinspiegel zu senken. Ein Brei aus Haferflocken und besonders aus Haferkleie und Wasser enthält wesentlich mehr Inhaltsstoffe der entsprechende Drink. Ab rund 2 Euro können Sie die Getreidedrinks kaufen.

Reis: Auch Reisdrinks gehören eigentlich zu den Getreidedrinks, sie sind aber geschmacksneutraler und leicht süßlich. Da bei der Herstellung oft ein wässriges Filtrat mit Reisgeschmack übrig bleibt, müssen viele Geschmackstoffe zugesetzt werden. Reisdrinks enthalten viele Kohlenhydrate, das hilft Sportlern. Achtung: Reisprodukte allgemein können geringe Mengen an Arsen enthalten, für Kleinkinder sind sie deshalb nicht zu empfehlen. Ein Liter kostet ab 1,50 Euro.

Kokos: Der Drink wird aus dem püriertem Fleisch der Kokosnuss und Wasser hergestellt. Er bietet viel Eigengeschmack, aber auch bis zu 25 Prozent Fett. Kokosmilch eignet sich damit als Geschmacksträger hervorragend zum Kochen und Backen. Mit 4 bis 5 Euro kostet der Liter hier mit am meisten.

Nuss: Die Drinks bestehen aus Macadamia-, Cashew- oder auch Haselnüssen. Diese werden zerrieben und mit Wasser versetzt. Starker Eigengeschmack hilft beim Backen und Kochen. Allerdings steht dem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren ein hoher Fettgehalt gegenüber. Ein Liter Haselnussdrink kostet rund 2,50 Euro.

Hanf: Rauschzustände sind nicht zu erwarten, dafür viele Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren. Hanfdrinks sind frei von Cholesterin, Laktose und Gluten. Ideal für Veganer und Allergiker. Die Drinks sind sie von sich aus cremig und relativ süß, der hohe Energiegehalt macht das möglich. Kosten für einen Liter: ab 7 Euro.

Lupine: Die Drinks enthalten viel Eiweiß und kosten etwa 3 Euro für einen Liter.

Fazit

Für Menschen, die Milch vertragen, gibt es keinen wissenschaftlich belegten Grund, auf Milch zu verzichten. Wenn Sie eine Unverträglichkeit besitzen, besprechen Sie die Alternativen mit Ihrem Arzt. Besonders das Kalzium müssen Sie sich dann aus anderen Quellen beziehen. Spinat, Nüsse und auch einfaches Mineralwasser können da schon helfen. Im Laden gibt es reichlich gesunde Alternativen zur Kuhmilch, auch wenn die allesamt wesentlich mehr kosten. Dass Milch müde Männer munter macht, ist tatsächlich Quatsch: Das in Milch reichlich enthaltenen Tryptophan sorgt eher für einen entspannten Schlaf. Johannes Hunger:

Es gibt keine Alternativen zur Milch und ihren Inhaltsstoffen. Die aktuelle Diskussion über Nutzen und Gefahr ist aus meiner Sicht völlig unbegründet.

Johannes Hunger

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 12. April 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. April 2019, 02:10 Uhr

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