So lassen sich alte Fahrräder wieder flottmachen

Für viele ist das Fahrrad in diesem Frühling das perfekte Fortbewegungsmittel. Mit dem Rad bleibt man fit und kann auf kleinen Ausflügen den Alltag vergessen. Viele haben aktuell auch mehr Zeit als sonst. Die kann dafür genutzt werden, das verstaubte Fahrrad im Keller wieder fit für den Rad-Alltag zu machen.

Fahrräder stehen in Reihe 1 min
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MDR JUMP Do 08.04.2021 10:45Uhr 01:13 min

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Auch für Fahrrad-Laien machbar

Bei vielen stehen gleich mehrere Bikes im Garten oder im Haus. Ein paar dieser Räder sind meist verstaubt, die Reifen sind platt und ein paar wichtige Teile funktionieren nicht. Mit etwas Zeit und Aufwand werden daraus schnell wieder funktionierende Fahrräder. Wir haben mit David Koßmann vom pressedienst-fahrrad gesprochen. Seine Tipps sparen auch Geld, das für ein neues Rad nötig ist.

Einmal in der Sonne putzen

Ein Handbesen, etwas Wasser mit Spülmittel und ein Lappen sind dafür die richtige Ausrüstung. Von Hochdruckreinigern raten die Rad-Profis ab. Die könnten Schmutz und Feuchtigkeit in empfindliche Lager pressen. David Koßmann rät:

David Koßmann
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Ich würde einmal das ganze Rad abstauben und putzen und dabei schauen, ob ich Risse entdecke im Rahmen oder im Lack. Auf metallischen Teilen kann man dann gleich nach Rost schauen. Leichter Flugrost ist okay und auch wenn Aluminium etwas angelaufen ist. Das lässt sich mit Öl oder Polierpaste wegputzen.

Ist Metall dagegen schon flächig angerostet oder bildet der Rost bereits Flocken, muss das entsprechende Teil wahrscheinlich ersetzt werden. Das kann auf der Renovierungsliste vermerkt werden. Die erlaubt einen Überblick über Aufwand und mögliche Kosten. An der Liste lässt sich auch ablesen, ob eine Renovierung im schlimmsten Fall zur finanziellen Sackgasse wird und ob ein neues Fahrrad die bessere Wahl ist.

Funktionsprobe: Was läuft noch rund?

Nach dem Putzen folgt die "Drehprobe". Dabei wird alles überprüft, was sich am Rad bewegen soll. Dazu gehört neben den Rädern, den Tretkurbeln und den Pedalen der Lenker im Lager.

Da schaut man erstmal, ob sich alles bewegt. Das sollte alles leichtgängig sein, aber kein Spiel haben. Wenn man die Räder beispielsweise mal seitlich hin und her rüttelt, da sollte nichts klappern.

Das wäre ein Hinweis auf ausgeschlagene Lager in den Naben, die dann ersetzt werden müssten. Gibt es beim Drehen von Lenker oder Tretkurbel Geräusche, müssen auch dort Teile möglicherweise repariert oder ersetzt werden.

Das Tretlager knackt häufig, wenn es verschlissen ist. Man kann auch vom vorderen Kettenblatt kurz die Kette runternehmen und die Kurbel dann frei drehen. Die sollte dann nicht seitlich klappern. Und wenn ein Knirschen oder Mahlen auftritt, kann es ratsam sein, das Innenlager zu tauschen.

Auch die Bremsen sollten unbedingt genau geprüft werden: Greifen sie noch, bringen sie freilaufende Räder zum Stoppen und wie weit muss dafür der Bremshebel gezogen werden?

Meist sind das ja mechanische Bremsen mit Seilzügen oder auch Bowdenzügen. Wenn ich an denen viel Rost sehe, dann sollte man die dringend tauschen. Und so ein Bowdenzug ist ja aus vielen kleinen Stahlseilen zusammengefügt. Wenn man da einen Spleiß sieht, wenn da was gerissen ist, sollte man den Bowdenzug dringend ersetzen. Bevor der komplett durchreißt.

Danach können alle wichtigen Schrauben an Bremsen, Lenker, Sattel, Tretkurbel und Schaltung auf festen Sitz überprüft und eventuell nachgezogen werden.

Check der Reifen: Haben die auch platt überlebt?

Anders als für Autoreifen gibt es für die Pneus am Fahrrad keine Vorgaben für die minimale Profiltiefe. Zumindest ein paar Millimeter Profil sollten aber noch auf der Lauffläche sein.

Wenn ein Reifen mal Profil hatte und der ist jetzt glatt oder das Gewebe schaut sogar schon durch, dann sollte der dringend getauscht werden.

Stand ein Fahrrad lange Zeit mit platten Reifen, sind möglicherweise die Seitenwände der Pneus zu stark gealtert.

Wenn man viele Risse in den Seitenwänden sieht, dürfte der Reifen dann mal getauscht werden.

Licht-Test: Der Reihe nach

Das ist ein typisches Problem bei vielen Fahrrädern, die lange ungenutzt im Haus oder im Freien gestanden haben: Vorder- und oft auch Rücklicht funktionieren nicht mehr. Nur manchmal reicht es dann, die durchgebrannten "Birnchen" zu ersetzen. In allen anderen Fällen dauert die Fehlersuche etwas länger. Die schaffen aber auch Laien, wenn sie methodisch vorgehen.

Nabendynamo
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Das Fahrradlicht ist ja ein recht einfacher Schaltkreis. Beim Prüfen würde ich am Dynamo anfangen. Der sitzt am Reifen oder in der Nabe und da schaut man zuerst nach, ob die Kontakte richtig sitzen. Die können sich lösen und in dem Fall hat man den Fehler schnell gefunden.

Klappt das nicht, wird als nächstes das Kabel vom Dynamo bis zur Lampe abgefahren. Dabei wird das Kabel auf aufgescheuerte Stellen ohne Ummantelung geprüft.

Da gibt es die Stelle, wo sich die Gabel fürs Vorderrad im Rahmen dreht. Und da geht das Kabel sozusagen von fest auf drehend am Rahmen über. Da kann es schon mal sein, dass sich durch die Bewegung was lockert oder was aufscheuert.

Diese Stelle ist auch wichtig, wenn neues Kabel für das Licht verlegt wird. Rad-Profis haben dafür einen Trick. Sie drehen das Kabel an der kritischen Stelle zu einer Spirale. Die kann sich dann zusammenziehen und ausdehnen, je nachdem in welcher Stellung die Vorderradgabel gerade steht. Findet sich trotz methodischer Suche kein Fehler, bleibt nur die kostenpflichtige Hilfe beim Fahrradladen des Vertrauens. In solchen Fällen können Radfahrer auch überlegen, ob sie gleich in ein Upgrade auf modernes LED-Licht oder zumindest in gute Aufstecklichter investieren. LED-Leuchten halten deutlich länger, leuchten im Dunkeln Wege besser aus und machen im Alltag viel weniger Ärger.

Bei diesen Teilen am Bike sollte der Profi ran

Reifen wechseln, neue Griffe am Lenker montieren oder einen besseren Sattel verbauen: Solche Renovierungsarbeiten am alten Bike stellen die wenigsten Fahrradfahrer vor große Probleme.

Auch Pedale kann man selbst wechseln. Man muss nur beachten, dass die unterschiedliche Gewinde haben: Rechts das Rechtsgewinde, links das Linksgewinde.

Alle wichtigen und oft sicherheitsrelevanten Bauteile wie Bremsen, Tretlager, Kette oder Schaltung sind dagegen eher ein Fall für den Profi im Fahrradgeschäft.

Der kann auch prüfen, ob die Kette schon stark verschlissen ist oder ob sie noch für ein paar tausend Kilometer gut ist. Das ist vor allem dann wichtig, wenn man ein Fahrrad mit Kettenschaltung hat. Wenn man da zu lange mit einer verschlissenen Kette fährt, dann himmelt man damit auch die Kettenblätter. Und dann wird es wirklich teuer.

„Himmeln“ heißt: Durch die verschlissene Kette werden auch die Kettenblätter der Schaltung abgenutzt. Der Profi gibt auch Tipps dazu, ob ein Teil am alten Fahrrad noch repariert oder überhaupt noch ersetzt werden kann. Oft passen neue Bauteile nicht mehr an ein Bike, das schon ein, zwei Jahrzehnte oder älter ist.

Bei ein paar Komponenten am Rad haben sich ein paar Sachen entwickelt und die sind auch nicht mehr rückwärtskompatibel. Das betrifft etwa die Federgabel. Und das Steuerrohr am Rahmen vorn. Da geht das Rahmen von der Gabel durch, auf dem dann oben der Vorbau mit dem Lenker montiert ist. Diese Steuerrohre haben sich in der Form stark verändert.

Auch Steckachsen von älteren Bikes sind oft nicht mehr mit den modernen Achsen kompatibel. Laufräder können so nicht ohne weiteres getauscht werden.

Soll das Bike gleich etwas bequemer werden?

Wer sein Fahrrad mit viel Aufwand und Geld wieder herrichtet, kann das auch gleich etwas an den eigenen Körper anpassen. Der hat sich über die Jahre oft auch etwas verändert. Dann "passt" das einst geliebte Rad möglicherweise nicht mehr.

Man kann aus einem Mountainbike kein bequemes Hollandrad machen. Auf dem Mountainbike sitzt man ja eher sportlich. Aber man kann einen etwas höheren Vorbau verwenden oder einen Lenker, der etwas nach hinten geschwungen ist. Dann sitzt man etwas aufrechter.

Häufig muss dann aber auch der Sattel an die aufrechtere Haltung angepasst werden.

Ein Fahrradsattel mit Schluss
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Wenn man den Lenker beispielsweise um fünf Zentimeter hoch bringt, dann wird sich das Becken auf dem Sattel anders positionieren. Dann kann auch ein Sattel zur Höllentortur werden, der vorher wundervoll bequem war. Da gilt die Devise: Je aufrechter man sitzt, desto breiter und gefederter sollte der Sattel sein.

Rennradfahrer etwa sitzen stark nach vorn gebeugt und haben daher einen langen, schmalen Sattel. Auf einem Hollandrad dagegen muss eher ein breiter und kräftiger Sattel angebracht sein. Der kann das Gewicht des aufrecht sitzenden Radfahrers gut aufnehmen. Auch eine neue gefederte Sattelstütze oder breitere Reifen statt schmaler Pneus bringen häufig etwas mehr Komfort. Dann macht das Fahren auf dem aufgemöbelten Rad gleich wieder Spaß.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 08. April 2021 | 10:45 Uhr

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