Wann habe ich Anspruch auf eine ärztliche Zweitmeinung?

23.10.2019 | 02:10 Uhr

Ein Mann und eine Frau betrachten eine Röntgenaufnahme 1 min
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MDR JUMP Mi 23.10.2019 02:10Uhr 01:15 min

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Wann ist eine Zweitmeinung sinnvoll?

Auch in der Medizin gilt in bestimmten Fällen: Viele Wege führen nach Rom. Es kann also für eine Krankheit oder medizinische Situation durchaus mehrere Möglichkeiten der Behandlung geben. Manchmal ist Abwarten und Beobachten unter Umständen genauso sinnvoll wie eine Operation. Um als Patient eine Entscheidung treffen zu können, hilft die unabhängige Meinung eines weiteren Arztes. Mit ihm können die Empfehlungen des behandelnden Arztes besprochen, Fragen geklärt und eventuelle Zweifel ausgeräumt werden. Die Entscheidung was letztendlich medizinisch unternommen wird, liegt dabei aber immer beim Patienten.

Habe ich ein Recht auf eine Zweitmeinung?

Ein Sozialgesetzbuch steht am 26.05.2014 im Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen in Celle (Niedersachsen).
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Gesetzliche Regelungen finden sich seit 1989 im Sozialgesetzbuch. Dort ist festgeschrieben, dass Patienten bei "erheblichen chirurgischen Eingriffen" eine ärztliche Zweitmeinung einholen können. Ein im Sozialgesetzbuch verankertes, organisiertes Zweitmeinungsverfahren gibt es allerdings erst seit dem Frühjahr 2019 und bisher nur für Gebärmutterentfernungen und Mandeloperationen. Bei diesen beiden Indikationen ist vorgeschrieben, dass der behandelnde Arzt den Patienten auf sein Recht hinweist, eine Zweitmeinung einzuholen. Das muss mindestens zehn Tage vor der geplanten Operation erfolgen und der Behandler sollte dem Patienten auch Adressen von "qualifizierten" Zweitmeinern nennen.

Für weitere Operationen soll die Zweitmeinung festgeschrieben werden – bisher ist allerdings noch unklar, für welche das geschehen wird und wann. Wer gesetzlich krankenversichert ist, hat das Recht auf freie Arztwahl. Als Patient ist es also problemlos möglich, einen weiteren Arzt aufzusuchen, um seine Meinung zu einer empfohlenen Behandlung zu hören. Und diese ärztliche Leistung kann der Arzt dann mit der Krankenkasse abrechnen.

Welche Ärzte dürfen eine Zweitmeinung abgeben?

Beim bisher gesetzlich geregelten Zweitmeinungsverfahren für Gebärmutterentfernungen und Mandeloperationen ist vorgeschrieben, dass Ärzte, die eine Zweitmeinung dazu abgeben, Fachärzte in dem für die jeweiligen Operationen festgelegten Fachgebiet sein müssen. Außerdem müssen sie seit mindestens fünf Jahren Patienten im jeweiligen Fachgebiet versorgt haben und regelmäßig an Fortbildungen teilnehmen. Der Arzt der die Zweitmeinung abgibt, darf die Operation am beratenen Patienten nicht selbst durchführen. Bei Zweitmeinungen zu allen anderen medizinischen Fragen empfiehlt sich ebenfalls, einen Facharzt aufzusuchen. Vorschriften für gibt es dazu nicht.

Wie finde ich einen Arzt für die Zweitmeinung?

Zuallererst hat jeder Patient die Möglichkeit, den behandelnden Arzt nach einer Empfehlung für einen Zweitmeiner zu befragen. Wer das nicht möchte, kann sich im Internet belesen. Dabei sollte man, insbesondere bei kostenpflichtigen Vermittlern von Zweitmeinungen, darauf achten, dass die entsprechenden Portale auch aktuell sind. Für die gesetzlich geregelte Zweitmeinung bei Gebärmutterentfernungen und Mandeloperationen sind dafür zugelassene Ärzte im Internet unter www.116117.de/zweitmeinung gelistet.

Bei Krebserkrankungen sind meist mehrere Behandlungsoptionen vorhanden, weshalb in der Regel auch mehrere Ärzte zu Rate gezogen werden müssen. Der Krebsinformationsdienst (www.krebsinformationsdienst.de) nennt geeignete Zentren, um sich umfassend beraten zu lassen. Für die bei Diabetikern häufigen Fußamputationen gibt es unter der Telefonnummer 01 80/312 34 06 eine kostenpflichtige Hotline der Deutschen Diabetesgesellschaft, die Betroffenen für eine Zweitmeinung entsprechende Zentren empfiehlt. Für verschiedene Operationen und Therapien werden durch Internetportale kostenpflichtig Ärzte oder Zentren für Zweitmeinungen vermittelt. So eine Vermittlung kann bis zu 380 Euro kosten und muss in der Regel vom Patienten selbst bezahlt werden. Manche dieser Portale kooperieren mit Krankenkassen, die die Kosten dann erstatten. Es ist also sinnvoll vor Inanspruchnahme einer solchen Vermittlung bei der Krankenkasse nachzufragen ob sie die Kosten trägt.

Wer im Netz nichts Entsprechendes findet, hat immer auch die Möglichkeit, über die eigene Krankenkasse Informationen einzuholen. Obwohl bisher nur für zwei Operationen eine Zweitmeinung rechtlich festgeschrieben ist, können gesetzliche Krankenkassen Zweitmeinungen für andere Operation oder Therapien als Zusatzleistung anbieten und tun das auch. Nachfragen lohnt sich also. Gibt die Kasse eine Empfehlung für einen Zweitmeiner, sollte man nachfragen, warum gerade dieser Arzt oder dieses medizinische Zentrum empfohlen wird. Denn schließlich achten Krankenkassen auch auf die Kosten und unter Umständen könnte ein Zweitgutachter deshalb von einer teuren Operation auch abraten.

Was muss ich zum Gespräch mit dem Arzt für die Zweitmeinung mitbringen?

Cholesterinwerte auf der Auswertung eines Blutbilds
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Wer eine zweite Meinung einholen will, sollte seinen behandelnden Arzt davon in Kenntnis setzen und um Kopien aller relevanten Unterlagen, wie Computertomographien, Röntgenbilder oder Laborergebnisse bitten. Auf diese Informationen aus der Patientenakte haben Patienten ein Anrecht, denn so lassen sich teure Doppeluntersuchungen vermeiden. Der Arzt darf dafür lediglich Kopierkosten berechnen.

Mit den aktuellen Unterlagen und Befunden hat der konsultierte Arzt für die Zweitmeinung nun alles in der Hand um nachzuvollziehen, warum der behandelnde Arzt eine bestimmte Behandlung empfohlen hat. Der Zweitgutachter wird dann anhand der Unterlagen seine Meinung abgeben und dem Patienten mitteilen und seine Fragen beantworten. Sollte es der Zweitmeiner als notwendig erachten, weitere Untersuchungen durchzuführen, wird er das in Absprache mit dem Patienten tun.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 23. Oktober 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2019, 02:10 Uhr