Bessere Schulnoten durch Lernhelfer im Netz?

05.09.2019 | 00:10 Uhr

Kleines Mädchen, das Hausaufgaben mit Kopfhörern und digitaler Tablette tätigt. 1 min
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MDR JUMP Do 05.09.2019 07:47Uhr 01:02 min

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Kinder lieben technische Geräte. Deshalb fällt es vielfach leichter, sie für das Lernen im Internet zu motivieren als ganz klassisch Schulbücher und Übungshefte zu wälzen. Die spielerische Umgebung und die kindgerechte, optische Aufmachung der Angebote lässt den Nachwuchs fast vergessen, dass hier das Wiederholen und Verfestigen des Schulstoffs im Mittelpunkt steht. "Es ist mittlerweile auch wissenschaftlich erwiesen: Digitales Lernen ist eine zeitgemäße Lernform. Man kann damit die Begeisterung der Kinder steigern und mit interaktiven Bausteinen den Lernprozess verbessern", sagt Matthias Melzer von der Hochschule Merseburg. Er ist dort Lehrkraft in der Bildungswissenschaft mit dem Schwerpunkt "Lernen in der digitalen Welt".

Lernen ohne Druck

Die Aufgaben können beliebig oft wiederholt werden, wenn es gewollt oder benötigt wird, und zwar ganz ohne Druck – weder durch Klassenkameraden, die über das Unwissen lachen könnten, noch durch die verrinnende Zeit in einer Klassenarbeit, noch durch eine Leistung, die erbracht werden muss. Außerdem können die Lern-Angebote im Netz zeitlich und örtlich ungebunden genutzt werden. Sofern Internet vorhanden ist, kann die Lerneinheit auch im heimischen Garten oder in der gemütlichen Kinderzimmerecke absolviert werden. Sie können mehrfach wiederholt oder zwischendurch unterbrochen und weiterbearbeitet werden, wenn es zeitlich oder von der Aufmerksamkeitsspanne her besser passt. Direktes Feedback zu den Lerneinheiten hilft, die richtigen Informationen abzuspeichern.

Kein Ersatz für herkömmliche Lernformen

So schön das Lernen im Internet auch ist: Es ist für Kinder kein Ersatz zum Schulunterricht oder das Miteinander in der Klasse. Kinder lernen viel, indem sie ihre Umwelt erkunden, Sachen ausprobieren, sich mit Anderen messen und Wissen von Pädagogen vermittelt bekommen. Das können und wollen digitale Lernangebote nicht ausgleichen. Vielmehr geht es darum, das Wissen, was bereits erworben wurde, zu verfestigen, aufzufrischen oder um ein paar neue Details zu erweitern. Das kann Kindern helfen, Wissenslücken zu schließen und selbstbewusster und sicherer in der Schule aufzutreten, weil sie sich besser informiert und vorbereitet fühlen. Außerdem sind die Kinder mit dem Wissen aus dem Netz meist auf dem aktuellsten Stand, denn Apps und Homepages können schneller aktualisiert werden als gedruckte Bücher und Hefte.

Passende Lernform finden

Es gibt Unmengen an Lernangeboten im Netz. Einen Überblick zu bekommen, ist schwer. Um das passende, digitale Produkt zu finden, ist zunächst die Unterteilung in einige Formen hilfreich:

Eine Schülerin arbeitet zu Hause an ihrem Tablet mit einer Lern-App
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Lern-Apps
In den App-Stores der Smartphones finden sich auch viele Apps und Spiele für Kinder, die Lerninhalte vermitteln. Es gibt Rätsel zu verschiedenen Themen, Leselernangebote, Vokabeltrainer, Mathe-Apps und vieles mehr.

Lern-Spiele
Ähnlich wie bei den Apps gibt es auch auf dem Spielemarkt für den Computer eine breite Palette an Lern-Spielen, die entweder heruntergeladen oder im Fachhandel gekauft werden können.

Internetseiten speziell für Kinder
Wissbegierige Kinder können über die großen Mainstream-Suchmaschinen oder –Enzyklopädien schnell auf Seiten kommen, die entweder vom Thema wegführen oder deren Inhalte nicht für Kinder gemacht sind. Mittlerweile gibt es spezielle Suchmaschinen wie blinde-kuh.de, frag-finn.de oder seitenstark.de, die auf die junge Zielgruppe abgestimmt sind und die Inhalte kindgerecht aufbereiten.

Lernvideos
Auch Videos können Kindern Wissensinhalte vermitteln. Neben entsprechenden Fernsehformaten, die auch in den Mediatheken zu finden sind, bieten Videoplattformen wie YouTube Filme, bei denen Kinder etwas lernen können – vom Vlog des rappenden Mathelehrers bis zum Weltallwissen der Raumfahrtorganisationen. "Wenn die Videos nur allein angeschaut werden, fehlt jedoch die Möglichkeit, das Wissen auch anzuwenden. Optimalerweise sollte jedoch so ein Erklärvideo mit einem Arbeitsblatt kombiniert werden, um das Wissen zu festigen", empfiehlt Matthias Melzer.

Lernplattform
Auf Lernplattformen werden Kindern in einem geschützten Bereich Lerneinheiten für ihre Altersklasse angeboten. Einige Anbieter sind so spezialisiert, dass die Inhalte auf die Lehrpläne der einzelnen Bundesländer und Schultypen abgestimmt sind. Bei Anbietern wie Scoyo, Sofatutor oder Panfu können gebührenpflichtige Abonnements für die Nutzung abgeschlossen werden, dafür sind sie werbefrei. Der Vorteil von Lernplattformen ist, dass sie meist eine große Palette an Themen und Lerninhalten bieten und die Kinder an eigenständiges, selbstgesteuertes Lernen nach ihrem eigenen Tempo herangeführt werden.

Machen Sie sich mit dem Lernangebot vertraut

Junger Mann und kleines Mädchen, die zusammen im Internet surfen.
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Wichtig ist, dass die Kinder nur die Angebote nutzen, von denen Sie als Eltern überzeugt sind. Sie sollten wissen, wer der Anbieter ist und welche Interessen er gegebenenfalls damit verfolgt. Idealerweise sollten Pädagogen an der Entwicklung mitgewirkt haben und die Inhalte den jeweiligen Lehrplänen angepasst sein. Werbefreie Angebote sind grundsätzlich zu bevorzugen, auch, wenn sie dann teilweise Geld kosten. Hierbei sollte es jedoch möglich sein, das Angebot eine gewisse Zeit kostenfrei zu testen, um zu sehen, ob es tatsächlich für den angestrebten Zweck passt. Achten Sie auch darauf, dass Sie eventuelle Abos kündigen können und keine zu lange Bindung eingehen. Bei Apps können durch In-App-Käufe Zusatzkosten entstehen. Natürlich muss ihr Kind auch mit dem Produkt umgehen können – intuitive, kindgerechte Bedienoberflächen sind deshalb ein Muss. "Das allerwichtigste ist, dass Ihr Kind mit dem Lernangebot Spaß hat. Also: Worauf spricht das Kind an? Deshalb ist es ganz wichtig, die Angebote zusammen mit dem Kind auszuprobieren. Das beste Lernsystem bringt nichts, wenn das Kind es nicht nutzt", sagt Bildungswissenschaftler Matthias Melzer.

So finden Sie sichere und sinnvolle Angebote

Elternzeitschriften und Blogs veröffentlichen hin und wieder Empfehlungen für digitale Lernmedien, sie sind jedoch recht unsystematisch und unvollständig. Fragen Sie die Lehrer Ihres Kindes oder Medienpädagogen, ob sie empfehlenswerte Lernmedien im Internet kennen. Eine weitere Entscheidungshilfe bietet das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend  mit seinen Tests von Kinder-Apps. Sie werden hinsichtlich der kindgerechten Gestaltung, der enthaltenen Werbung, eventuellen In-App-Käufe oder dem Umgang mit dem Thema Datenschutz geprüft.

Kind bei der Nutzung begleiten

Sie müssen nicht neben Ihrem Kind sitzen und Händchen halten, wenn es im Internet lernt, aber Sie sollten wissen, was es für welchen Zeitraum nutzt. Besonders bei den Videoplattformen sollten Sie die Auswahl genau kontrollieren, damit Ihr Kind wirklich nur das sieht, was es auch sehen sollte: "Es sollte klar sein, dass Sie Ihre Kinder nicht einfach vor YouTube abstellen, sondern schauen, wo man eine Lernumgebung findet, die einen Vorteil bietet", sagt Matthias Melzer. Sprechen Sie die Auswahl ab und limitieren Sie gegebenenfalls die zeitliche Benutzung der Angebote, denn auch, wenn sie dem heeren Ziel der Bildung dienen – Lernen im Internet zählt zur Mediennutzung dazu. Der Medienratgeber "Schau hin" empfiehlt für sechs- bis neunjährige Kinder eine Medienzeit von einer Stunde am Stück und für ältere Kinder von zehn Minuten pro Lebensjahr am Tag oder einer Stunde pro Lebensjahr in der Woche. Schwierig wird es, wenn Junior gerade im Lernfieber ist und noch die Einheit beenden will – dann wäre es kontraproduktiv, auf die Einhaltung der vereinbarten Zeit zu beharren. "Ich halte die produktive Nutzung von Medien wie beim Lernen für sehr gewinnbringend und würde deshalb die zeitliche Einschränkung nicht zu eng sehen", so Matthias Melzer von der Hochschule Merseburg.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 05. September 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. September 2019, 00:10 Uhr

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