Ein Kind ist erstaunt darüber, was ihm gerade passiert ist.
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Pupsen, Schnarchen, Mundgeruch: Peinlich, aber normal!

01.02.2019 | 13:43 Uhr

Wir sind sabbernd aus dem Mittagsschlaf aufgewacht. Die Achseln riechen nach dem anstrengenden Tag. Die dicken Wintersachen verursachen einen nervigen Hautausschlag. Das ist alles völlig menschlich. Aber wir schämen uns dafür – auch vor dem Partner. Warum eigentlich? Das fragt die Bestsellerautorin und Ärztin Dr. Yael Adler.

Ein Kind ist erstaunt darüber, was ihm gerade passiert ist.
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Eltern kennen es: Ihre kleinen Kinder reden mit Vorliebe darüber, dass sie gerade gepupst haben oder richtig groß auf Toilette waren. Gern auch in der Öffentlichkeit. Ab einem gewissen Alter behalten wir Menschen solche Dinge aber lieber für uns.

"Weg mit den Körpertabus!"

Wir schämen uns dafür, wenn unser Körper Sachen macht, die nicht in das perfekte Bild passen, das wir gern von uns vermitteln.

Yael Adler
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Das will die Berliner Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten Dr. med. Yael Adler ändern. Sie hat schon das zweite Buch zu den "Körpertabus" veröffentlicht. Mit ihrem Buch "Darüber spricht man nicht" will sie vermitteln, dass Schweißprobleme, Hautausschläge oder Schnarchen völlig normal sind. Viele Menschen würden sonst bei echten Problemen aus Scham nicht zum Arzt gehen.  

Wir haben mit der Bestsellerautorin über Schämen, Schweiß und Schwitzen gesprochen und sie gefragt: Warum schämen wir uns überhaupt?

Da gibt’s sehr viele Gründe: Religiöse, kulturelle, geschichtliche, soziale zum Beispiel. Aber auch archaische Dinge. Es ist zum Beispiel so: Wenn wir was an uns haben, das krank sein könnte wie eine eitrige Hautveränderung oder was Rotes, Schuppiges oder wir haben einen unangenehmen Körpergeruch – dann gehen andere Menschen reflexmäßig auf Distanz. Weil sie denken, sie könnten sich möglicherweise anstecken und es sei für sie gefährlich. Für den Steinzeitstamm. Und natürlich wollen wir nicht derjenige sein, der andere auf Abstand bringt. Das ist uns unangenehm.

Vielen von uns sind unangenehme Körpergerüche besonders peinlich. Warum gibt es die überhaupt?

Die Natur hat sich das richtig ausgedacht: Wenn man zurück zur Natur kommt und hat eine gesunde Darmflora, eine gesunde Hautflora, eine gesunde Mundschleimhaut-Flora, dann hätte man all diese Gerüche nicht. Oder auch viel weniger. Die Mikrobiom-Forschung dazu weiß schon ziemlich genau, welche gesunden und welche nicht so gesunden Erreger auf und in uns leben. Und unser Ziel sollte es mit einem gesunden Lebenswandel sein, mit gesunder Ernährung und ohne zu viele der gesunden Zivilisationsprodukte, ohne Desinfektion und Antibiotika, dieses Mikrobiom unseres Körpers wieder stark zu machen. Und dann riechen wir ziemlich gut.

Wie entsteht der unangenehm müffelnde Körperschweiß, der viele so stört?

Junge Frau steht 2001 vor einem Regal mit verschiedenen Deos und benutzt einen Deoroller
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Jeder, der alkalische Seifen benutzt, verändert seinen pH-Wert für acht Stunden in Richtung alkalisch und macht damit den Säureschutzmantel zunichte. Und in der Zeit verbreiten sich Erreger, die uns krank machen können wie Viren, Pilze und eben auch Bakterien, die einen unangenehmen Körpergeruch entstehen lassen.  

Was können wir machen, um unangenehmen Körpergeruch nicht entstehen zu lassen?

Zum Beispiel einfach nur mit Wasser duschen! Oder mal die Krisenherde mit einem Essigwasser behandeln. Ein bis zwei Esslöffel Apfelessig auf einen Liter reichen und damit benetzt man Achseln, Pofalte und Füße. Dann wird es wieder sauber und die lieben Bakterien haben freie Fahrt. Wenn man den Körper nicht immer manipuliert, gibt’s sogar Bakterien die Gerüche richtiggehend auffressen. Hinzu kommt: Häufig stinken wir selbst gar nicht, sondern die Socken und das T-Shirt mit Synthetik. Alles, was nur so bei 40 Grad gewaschen wird, kommt keimiger und müffliger aus der Wäsche. Kaum kommt da Schweiß dran, stinkt man schon wieder los. Bei Naturprodukten ist das anders.

Warum haben wir manchmal Mundgeruch und wie bekommen wir den weg?

Den merkt man leider meist nicht selbst und das ist eigentlich die Verpflichtung des näheren Umfelds, das einem zu sagen! Der erste Tipp für zu Hause ist, natürlich zwei-, dreimal am Tag Zähne putzen und Zahnseide verwenden. Dann entfernt man auch den Schmodder aus den Zahntaschen. Dann die Zunge bürsten, am besten zehnmal drüber streichen am Tag und die Mandeln sanft mit dem Finger ausstreichen. Da drückt man Mandelsteine raus, die übel riechen. Und wenn das alles nicht hilft, ab zum Zahnarzt, der macht vielleicht eine Prophylaxe, vielleicht eine Zahnfleischtaschen-Reinigung und dann hat man die Krisenherde in der Regel schon beseitigt.  

Peter im Gespräch mit Dr. Yael Adler 14 min
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Immerhin: Die meisten von uns reden zwar immer noch gern offen über uns peinliche Körperfunktionen. Bücher zu diesen Themen kaufen viele aber offenbar gern. "Darm mit Charme. Alles über ein unterschätztes Organ" von Giulia Enders beispielsweise ist inzwischen ein Millionenbestseller.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 02. Februar 2019 | 10:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2019, 13:43 Uhr

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