Darum macht Schenken glücklich

Weihnachtszeit, Geschenkezeit – das ist alles nur Konsumterror? Nein, Schenken ist eine zutiefst menschliche Angewohnheit. Und sie tut uns gut, wie die Wissenschaft weiß. Wir können von den Erkenntnissen profitieren.

Ein Kind freut sich über sein Weihnachtsgeschenk
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Für Papa den Bildband über die polnische Ostseeküste, für Mama die Nordic-Walking-Stöcke – und für den Goldschatz? Hm, da wird’s schon schwierig… Klar, das Zusammenkratzen der Weihnachtsgeschenke vor dem Fest ist oft dann doch ein ziemlicher Krampf. Und trotzdem machen wir es immer wieder.

Schenken macht glücklich

Soziologen sagen ja: Schenken ist eine der stärksten sozialen Kräfte überhaupt – weil es Menschen miteinander verbindet. Das ist besonders deswegen spannend, weil es scheinbar nicht ins Alle-gegen-alle der Evolution passt, in die Idee vom Leben als Konkurrenzkampf. Aber so sind wir eben nicht. Naja, sagen wir mal - nicht immer.

Denn Schenken macht uns glücklich. So sagen es jedenfalls Glücksforscher. Und ja, die gibt es wirklich. So konnte ein Forscherteam um die Wissenschaftlerin So Young Park, die jetzt an der Berliner Charité und dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam arbeitet, mithilfe von funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) des Gehirns zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen großzügigem Verhalten und Glücksgefühlen gibt.

Das Experiment ging so: Die Forschenden versprachen ihren Probanden Geld – allerdings sollte eine Hälfte das für sich selbst ausgeben, die andere Hälfte für andere, etwa Freunde. So wollten sie sozusagen das Gehirn auf Großzügigkeit einstellen - oder eben nicht. Nachdem die Probanden ihre Einteilung erfahren hatten, mussten sie selbst Entscheidungen treffen, bei denen Großzügigkeit eine Rolle spielte.

Effekt nutzt sich kaum ab

Dabei zeigte sich: War das Gehirn ohnehin im Großzügigkeitsmodus, wurde auch mehr verschenkt – und die Menschen gaben an, glücklicher zu sein. Und nur bei ihnen zeigten sich auffällige Signale. Interessant ist: Dass Schenken glücklich macht, scheint keine Charakterfrage zu sein, sondern sozusagen in unserem Denkorgan verdrahtet zu sein.

Als Geschenk verpackte Bücher
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Beim Schenken wird das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert und es werden Botenstoffe freigesetzt, die uns ein Glücksgefühl verschaffen. Dieser Mechanismus ist Ausdruck unserer sozialen Natur und hat sich im Zuge der menschlichen Evolution entwickelt.

Dabei sein, um sich gut zu fühlen

Etwas abzugeben, etwas zu verschenken ist also gut für uns – wie kann man es aber auch gut für den Beschenkten machen? Naja, die Antwort klingt erst einmal simpel: In dem man die zu beschenkende Person in den Mittelpunkt stellt. Doch so simpel wie er klingt, ist dieser Ratschlag vielleicht gar nicht. Denn oft haben wir offenbar Probleme, uns in andere hineinzuversetzen – und beschenken sie deswegen nicht optimal. Darauf deuten zum Beispiel Experimente eines Psychologenteams um Adelle Yang von der Uni Singapur hin.

Die Forschenden hatten Probanden zunächst Paare von Gegenständen mit unterschiedlichem, wie sie es nannten, Wow-Faktor vorgeführt. Da gab es zum Beispiel eine personalisierte Tasse mit dem jeweiligen Namen – hoher Wow-Faktor und eine eher langweilige, ergonomisch designte Tasse mit niedrigem Wow-Faktor. In Experimenten wurde bevorzugt die personalisierte Tasse verschenkt. Doch es stellte sich raus: Den Beschenkten wäre die vermeintlich langweiligere eigentlich lieber gewesen.

Dass trotzdem die andere Tasse bevorzugt verschenkt wurde, erklärten die Experten mit einer Portion Egoismus: Wir wollen offenbar gern dabei sein, wenn die beschenkte Person ein vermeintlich tolles Geschenk auspackt – damit wir uns selbst gut fühlen können.  Doch darum geht’s ja gar nicht in erster Linie. Gerade wenn wir daran denken, stellt sich das wohlige Gefühl sicher von ganz allein ein.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 05. Dezember 2021 | 14:20 Uhr

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