Proteste gegen Spotify: Musiker fordern mehr Geld für Streams

Spotify steht schon seit langem in der Kritik, weil es Musikern wenig Geld dafür bezahlt, dass sie ihre Musik auf der Plattform haben. Jetzt regt sich Widerstand.

Proteste vor Spotify Büro
Bildrechte: imago images/Alberto Ortega

Damit sich ein Musiker von seinen Spotify-Einnahmen eine Tasse Kaffee kaufen kann, müssen seine Songs mindestens 786 mal abgespielt werden. Durchschnittlich bezahlt der Streaming-Dienst zwischen 0,0025 und 0,0042 Euro pro abgespieltem Song. Das ist nicht mal ein Cent.

Erfolgreiches Jahr für Spotify, schlechtes Jahr für Künstler

Dabei verdienen Spotify und auch andere Streamingdienste so viel Geld wie noch nie. 2020 war das erfolgreichste Jahr in der Geschichte des Unternehmens. Es plant, in über 80 weitere Länder zu expandieren. Nur die Musiker sehen von diesem Wachstum relativ wenig. Während der Corona-Pandemie führte das Unternehmen immerhin Spendenbuttons ein, mit denen man Künstler unterstützen konnte. Mehr Geld durch Streaming gab es aber nicht.

Der Konflikt schwelt zwar schon seit Jahren, dieses Woche aber hat die amerikanische Musikergewerkschaft UMAW zu Protesten aufgerufen. Ihre Forderung: Mindestens ein Cent pro Stream und mehr Transparenz bei den Verträgen, die Spotify mit Plattenfirmen abschließt.

Experten rechnen aber kaum mit einem Einlenken des Streamingriesen und schätzen stattdessen, dass Spotify Musik mehr und mehr in die zweite Reihe drängen wird. Stattdessen setzt der Dienst mehr auf Podcasts, die ihn oft günstiger kommen, weil keine Folgekosten und Lizenzgebühren fällig werden.

Geht es auch anders?

Ideen, wie Alternativen zum Spotify-Modell aussehen können gibt es viele. Kürzlich hat der Streamingservice Soundcloud erst sein Bezahlmodell für Musiker umgestellt. Dort sollen Musiker zukünftig abhängig von der Zahl ihrer Follower bezahlt werden. 90 Prozent der ausgeschütteten Lizenzgebühren würden dann nach dem Geschmack von 90 Prozent der Nutzer verteilt – und nicht wie bislang von 40 Prozent der Nutzer. Für manche Musiker könnten sich die Streaming-Einnahmen so mehr als verdoppeln, rechnet Soundcloud vor.

Ein anderes Modell verfolgt der Streaming-Dienst Resonate: stream2own. Heißt, wer einen Song oft genug abspielt, dem gehört er irgendwann. Nach 9 Streams soll der Preis für einen Download zusammengekommen sein. Ob sich das Modell aber noch trägt, wenn große Labels und Megastars auf die Plattform drängen, ist fraglich. Im Moment ist Resonate noch sehr klein.

Finanziell lohnen sich beide Alternativen für Musiker mehr, allerdings fehlt ihnen neben den Megastars auf der Plattform oft die schiere Masse an zahlenden Nutzern, die Spotify hat. Daran wird auch die Protestaktion vom Montag wenig ändern.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend | 17. März 2021 | 21:20 Uhr

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