Pro und Contra: Führerscheinprüfung für Senioren

11.01.2019 | 11:48 Uhr

Wie sicher können ältere Menschen noch am Straßenverkehr teilnehmen - darüber wird immer wieder heftig gestritten. Viele unserer Nachbarländer haben dazu schon eine klare Meinung. Inzwischen geben auch Senioren in Mitteldeutschland ihren Führerschein freiwillig ab. Wir klären, was dafür und was dagegen spricht.

Ein Rentner am Steuer eines Pkws.
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Immer wieder wird bezweifelt, ob ältere Autofahrer dem dichten Verkehr gewachsen sind. Sie werden für viele Unfälle verantwortlich gemacht. Besonders wenn Menschen über 75 Jahren an einem Unfall beteiligt sind, scheinen die Auswirkungen schwerer zu sein, meint Siegfried Brockmann, Geschäftsführer des Verbandes der Versicherungswirtschaft, im MDR JUMP-Interview:

Wenn wir uns die Kilometer-Fahrleistung anschauen und darauf das Unfallgeschehen projizieren, dann sehen wir tatsächlich, dass Senioren ab dem 75. Lebensjahr ein gleichhohes Risiko haben, in einen tödlichen Unfall oder in einen Unfall mit Verletzten verwickelt zu werden, wie junge Fahranfänger.

Trotzdem ist Brockmann gegen eine Fahrprüfung für Senioren. Der Grund: Die Unfälle von Senioren würden zahlenmäßig noch keine große Rolle spielen. Schließlich gebe es momentan noch nicht so viele alte Autofahrer. Allerdings würde sich das in den nächsten Jahren deutlich ändern, Stichwort alternde Gesellschaft. Deshalb fordert Brockmann eine breite gesellschaftliche Debatte darüber. Sein Vorschlag: Verpflichtende Rückmeldefahrten für Senioren. Das sind begleitete Fahrten, bei denen Senioren mit einem Verkehrspsychologen oder einem Fahrlehrer im normalen Straßenverkehr unterwegs sind.

Rückmeldefahrten wirken in zwei Richtungen. Zum einen erfährt der Senior dabei etwas über sich und kann dann eigene Schlussfolgerungen ziehen. Zum anderen bekommen sie Feedback von einem Profi und können sich so besser trainieren.

Möglicherweise ist die Debatte aber schon viel weiter: Eine Stichprobe von MDR JUMP in mitteldeutschen Führerscheinstellen hat gezeigt, das sich Senioren schon jetzt bewusst entscheiden, ihren Führerschein abzugeben. Beispiel Jena in Thüringen - dort hat sich die Zahl der abgegebenen Führerscheine im Vergleich zu 2018 fast verdoppelt, liegt aber immernoch im unteren zweistelligen Bereich.

In Mitteldeutschland haben 2019 rund 170 Menschen freiwillig ihren Führerschein abgegeben

Erfolgreich war auch eine Umtauschaktion in Nordhausen. Für die Führerscheinabgabe bekamen die Einwohner eine Monatskarte für den öffentlichen Personennahverkehr. Immerhin 30 Personen hat das Angebot überzeugt. Und auch im Erzgebirgskreis in Sachsen scheinen die Menschen besonders sensibel für ihre Fahrkünste zu sein. Dort haben im vergangenen Jahr mehr als 30 Personen ihre Fahrerlaubnis freiwillig abgegeben.

Freiwilligkeit ist auch das Stichwort von Heiner Sothmann von der Deutschen Verkehrswacht. Er setzt beim Thema Fahrtauglichkeit von Senioren auf zwanglose Lösungen, erzählt er im MDR JUMP-Interview:

Das fängt schon damit an, dass man nur schwer abschätzen kann, ab welchem Alter das relevant wird. Vielmehr muss man sich den Einzelfall anschauen. Sicher kann auch ein 45-jähriger durch so eine Prüfung fallen. Da wird es schwierig, das dann abzugrenzen.

Über Fahrtests für betagte Autofahrer wird immer wieder mal diskutiert. Auch in Großbritannien gab es kürzlich eine solche Debatte - nachdem Prinz Philip einen Unfall hatte, bei dem der 97 Jahre alte Ehemann von Queen Elizabeth II. selbst am Steuer saß. Der ADAC wies auf freiwillige Fahr-Fitness-Checks hin, die gut angenommen würden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP "Die Themen des Tages" | 09. Januar 2020 | 19:10 Uhr

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