Abrechnung mit dem britischen Königshaus

Prinz Harry und seine Ehefrau Meghan haben der US-Talk-Queen Oprah Winfrey ein explosives Interview gegeben. Darin erheben sie schwere Vorwürfe gegen das britische Königshaus.

07.03.2021  March 7, 2021, Montecito, California, USA: The United Kingdom s PRINCE HARRY and MEGHAN, the Duke and Duchess of Sussex, in a scene from their interview with Oprah Winfrey, Oprah with Meghan and Harry: A Primetime Special , televised on Sunday night. Date of the actual interview unknown. Montecito USA - ZUMA 20210307_mda_z03_579 Copyright: xCBSx Prinz Harry und Meghan beim Interview mit Oprah Winfrey
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Gut ein Jahr nach ihrem Rückzug aus der britischen Königsfamilie hat die Frau von Prinz Harry, Meghan Markle, einem TV-Millionenpublikum ihre Leidenszeit bei den Royals enthüllt. Sie sei Opfer eines "Rufmordes" gewesen und habe teilweise Selbstmordgedanken gehabt, sagte die 39-Jährige in dem am Sonntagabend ausgestrahlten Doppelinterview, das sie mit ihrem Mann der US-Starmoderatorin Oprah Winfrey gab:

Ich wollte einfach nicht mehr leben.

Harry und Meghan
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Die negative Dauerberichterstattung der britischen Presse habe sie in eine schwere psychische Krise gestürzt, sagte die Herzogin von Sussex in dem zweistündigen Interview, das im US-Sender CBS ausgestrahlt wurde. Meghan habe sich an die königliche Familie gewandt und gesagt, dass sie leide und professionelle Hilfe brauche. Das Königshaus habe ihr aber psychologische Hilfe verweigert. Ihr sei daraufhin gesagt worden, "dass ich das nicht könnte, dass dies nicht gut für die Institution sei".

Rassismusvorwürfe gegen britisches Königshaus

Die 39-Jährige, deren Mutter Afroamerikanerin ist, bezichtigte die Royals auch des Rassismus. Die Königsfamilie habe sich vor der Geburt ihres Sohns Archie Sorgen über dessen Hautfarbe gemacht. So habe sie während der Schwangerschaft Gespräche darüber führen müssen, wie "dunkel" seine Haut wohl sein würde. Harry ergänzte: In den Jahren, die Meghan im Palast verbrachte, sei nie ein Familienmitglied gegen rassistische Angriffe und "koloniale Untertöne" in der Berichterstattung aufgestanden.

Das hat weh getan.

Berichte über Rufmord

Herzogin Meghan beim Remembrance Sundy
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Meghan sprach in dem Interview auch über einen Vorfall mit ihrer Schwägerin Kate. Im Mai 2018 hatten die Boulevardmedien ausführlich berichtet, Meghan habe Kate zum Weinen gebracht. "Das Gegenteil war wahr", sagte die Herzogin von Sussex. Tatsächlich habe sich Kate über etwas aufgeregt, dann aber ihren Fehltritt eingesehen und sich dafür entschuldigt. "Jeder in der Institution wusste das", sagte Meghan mit Blick auf das Königshaus. Dies sei für sie "der Beginn eines wahren Rufmordes" gewesen und ein "Wendepunkt" in ihrer Beziehung zur königlichen Familie, sagte Meghan:

Ich habe verstanden, dass ich nicht nur nicht geschützt werde, sondern dass sie (die Royals) bereit waren zu lügen, um andere Familienmitglieder zu schützen.

Prinz Harry kritisiert seine Familie

Prinz Charles, Prinz William, Catherine, Meghan und Prince Harry, 2018
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Harry selbst fuhr ebenfalls schwere Geschütze auf und bezeichnete seinen Vater Charles und seinen Bruder als "gefangen" im royalen System. "Sie kommen nicht raus. Und ich habe deswegen riesiges Mitgefühl." Auch fühle er sich von seinem Vater "wirklich im Stich gelassen", sagte der 36-Jährige. "Er ist durch etwas Ähnliches durchgegangen. Er weiß, wie sich Schmerz anfühlt.", sagte er in Anspielung auf die Turbulenzen um seine Mutter Prinzessin Diana, die 1997 auf der Flucht vor Paparazzi bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.

Auch versöhnliche Töne

Doch das Paar bemühte sich sichtlich, nicht alle Brücken einzureißen. Harry nannte seine Großmutter, die Queen, als Vorbild. Meghan lobte ihre Schwägerin, Prinz Williams Ehefrau Kate, als "gute Person" und widersprach damit Berichten über einen Bruch. Und auch mit seinem Bruder William hofft Harry auf eine Versöhnung:

Zeit heilt alle Wunden, hoffentlich.

Zweiter Nachwuchs im Sommer

Prinz Harry und Meghan und ihr Sohn Archie Mountbatten-Windsor
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Die schwangere Meghan verkündete in dem Interview, dass ihr zweites Kind ein Mädchen wird. Das Baby wird im Sommer erwartet. "Einen Jungen zu haben und ein Mädchen, was kann man mehr wollen?", sagte Harry. Die beiden wollten es aber bei zwei Kindern belassen.  

Kluft zu Königshaus wird noch größer

Schon vor der Ausstrahlung wirkte die Stimmung zwischen dem Paar und dem Palast vergiftet. Zwar äußerten sich Queen und Co. nicht zu dem Interview und gingen demonstrativ ihren täglichen Pflichten nach. Doch in der britischen Öffentlichkeit gerieten Meghan und Harry schwer unter Beschuss. Es sei eine Frechheit, dass sie an der Ausstrahlung festhielten, obwohl Harrys Großvater Prinz Philip im Krankenhaus liegt, hieß es. Kurz vor Ausstrahlung des Interviews waren zudem Mobbingvorwürfe gegen Meghan laut geworden. Die Londoner «Times» hatte berichtet, dass es entsprechende Beschwerden von zwei persönlichen Assistentinnen Meghans gegeben haben soll.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 08. März 2021 | 15:45 Uhr

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