Pilze
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Pilzvergiftung - was tun?

11.10.2019 | 11:00 Uhr

Pilzsucher müssen in diesem Jahr Geduld haben: Der trockene Sommer und der Borckenkäfer-Befall des Waldes sorgen derzeit für eine magere Ausbeute. Trotzdem warnen Experten, gerade Apps zur Pilzbestimmung seien oft nicht zu gebrauchen. Außerdem geben wir Tipps, wie man sich bei einer akuten Pilzvergiftung richtig verhält.

Pilze
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Das waldreiche Thüringen ist eigentlich eine Fundgrube für Pilzsammler. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Mykologie gibt es in Thüringen mehr als 4000 Pilzarten, darunter viele sehr kleine Vertreter ihrer Art. Von den sogenannten Großpilzen seien etwa 190 Arten essbar.

Wiesen-Champignon
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Aber nicht jedem ist klar, welche Pilze sich zum Verzehr eignen. Nach Dutzenden Anfragen zu möglichen Pilzvergiftungen, hat das Gemeinsame Giftinformationszentrum von Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (GGIZ) auf Gefahren beim Pilzesammeln hingewiesen. Oft werde etwa der Champignon mit dem giftigen Karbol-Egerling verwechselt, teilte das Zentrum in Erfurt mit. Der Pilz könne etwa Übelkeit und Erbrechen auslösen.

Gefahr durch Verwechslung

Grüner Knollenblätterpilz . Amanita phalloides
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Noch dramatischer könne eine Verwechslung von Champignons mit dem Grünen Knollenblätterpilz sein: Schon wer 50 Gramm des Fruchtkörpers isst, könne sein Leben aufs Spiel setzen, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Mykologie.

Das GGIZ berichtet von einem deutlichen Anstieg von Vergiftungs- und Vergiftungsverdachtsfällen seit Mitte September. 221 Fälle hat das Zentrum im Vormonat erfasst. Seit Anfang Oktober seien die Berater in bislang 128 Fällen gefragt gewesen.

Vorsicht bei Apps zur Pilzbestimmung

Deshalb rät das GGIZ, vor dem Sammeln einen Kurs bei einem Pilzberater zu machen. "Manche sammeln schon 30 Jahre lang Pilze und vertun sich dennoch", sagte Expertin Bettina Plenert. Wichtig sei es, nicht nur den Pilz zu kennen, den man sammeln möchte, sondern auch den möglicherweise giftigen Doppelgänger. Auch verschiedene Pilz-Apps, die beim Bestimmen helfen sollen, böten keine Sicherheit. Oft seien es kleine Details, die den Unterschied machten, so Plenert. Das lasse sich per App nur schwer ausmachen. Immerhin gibt es rund 5000 Pilzarten in Europa.

Was tun, wenn´s zu spät ist?

1. Arzt oder Giftnotrufzentrale kontaktieren - Bei lebensbedrohlichen Symptomen wie Bewusstlosigkeit oder Krampfanfälle etc. am besten direkt den Notarzt anrufen (112).

2. Pilzreste sichern - damit Experten später erforschen können, welche Gifte verantwortlich sind

3. KEINE Hausmittel verwenden

Oft heißt es, Betroffene sollten Salzwasser trinken, um das Erbrechen zu fördern oder Kohletabletten einnehmen um den Durchfall zu lindern. Auch Milchtrinken wird nach einer Pilzvergiftung empfohlen. Aber: Niemals solltest du bei einer Pilzvergiftung zu Hausmitteln greifen.

Quellen: mdr/dpa/giftnotruf

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 13. Oktober 2019 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2019, 11:24 Uhr

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