Personalausweis auf dem Smartphone - so funktioniert's!

Mit dem Personalausweis auf dem Smartphone sollen viele Behördengänge einfacher werden. Der E-Perso soll auch fürs Onlineshoppen genutzt werden können. Zum Start klappt das aber nur auf wenigen, teuren Handys.

Frau mit Kreditkarte beim Onlineshopping (Symbolbild)
Frau mit Kreditkarte beim Onlineshopping (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Westend61

Ab September soll jeder seinen Personalausweis auch digital auf dem eigenen Smartphone abspeichern können. Offiziell heißt das Ganze etwas sperrig Smart-eID, kurz für "elektronische Identifikation auf dem Smartphone", soll aber den Alltag etwas leichter machen. Damit könne sich jeder einfach mit seinem Handy ausweisen, wirbt die Bundesregierung für die Lösung. Doch die kommt erst einmal nur für ganz wenige Handys. Zudem klappt das Ganze auch nicht bei jedem Behördengang.

Wofür kann ich den Personalausweis auf dem Handy nutzen?

Bei allen Behördengängen, die inzwischen auch digital funktionieren. So können seit 2019 schon Autos zugelassen werden. Auch polizeiliche Führungszeugnisse oder das Bafög können in der Regel digital beantragt werden. Den Punktestand in Flensburg oder das eigene Konto bei der Rentenversicherung können Nutzer mit ebenfalls online einsehen. Auch ein Wechsel vom Wohnsitz soll in Zukunft digital gemeldet werden können. Da kommt es aber immer darauf an, wie weit die Behörde vor Ort das schon online umgesetzt hat. Bei Onlineshops oder Serviceanbietern im Internet können sich Nutzer ebenfalls mit dem Smartphone ausweisen.

Kann ich bei einer Kontrolle auch das Smartphone vorzeigen?

Ein Polizist hält ein Auto an.
Bildrechte: TNN

Den Personalausweis oder auch Reisepass ersetzt das Smartphone nicht komplett. Bei einer Polizeikontrolle oder bei einer Reise ins Ausland etwa muss weiter die klassische Plastikkarte oder der Reisepass vorgezeigt werden. Das gilt auch, wenn der Inhaber eines Corona-Impfzertifikats seine Identität nachweisen muss, etwa bei Reisen oder bei Veranstaltungen.

Wie funktioniert der Personalausweis auf dem Smartphone?

Auf dem Smartphone muss die offizielle, kostenlose AusweisApp installiert werden. Dann wird der Personalausweis ans Handy gehalten. Die Identitätsdaten werden via Funk ins Smartphone eingelesen. Das klappt grundsätzlich mit allen Personalausweisen. Seit 2010 wird nur noch der „elektronische Personalausweis“ ausgegeben, der der auf diese Weise ausgelesen werden kann. Da Personalausweise maximal zehn Jahre gültig sind, hat also theoretisch jeder so ein Exemplar. Reisepässe bieten diese Funktion nicht und können auch nicht dafür nachgerüstet werden.

Bekommen das auch Techniklaien hin?

Grundsätzlich ja, sagt Christian Wölbert aus der c't-Redaktion. Es gibt aber Stolpersteine:

Christian Wölbert aus der c't-Redaktion
Christian Wölbert aus der c't-Redaktion Bildrechte: Computermagazin c't

Ich muss beispielsweise meine PIN für den elektronischen Personalausweis wissen. Und die wissen viele nicht mehr. Die ist abgedruckt in einem Brief, den ich bekommen habe und wer den nicht mehr hat, der hat ein Problem.

Dann bleibt nur der Weg zum Bürgeramt vor Ort, wo die sechsstellige PIN freigeschaltet wird. Bei der Gelegenheit kann gleich geprüft werden, ob die Onlinefunktion des Personalausweises freigeschalten ist. Das ist aber Standard und sollte kein Problem sein.

Können alle Smartphone-Besitzer das nutzen?

Leider nein und das ist das große Problem beim Start der Smart-eID. Bisher können nur Samsung-Handys der S20-Reihe die Daten vom Personalausweis permanent in das Smartphone übertragen. Das sind eher teurere Geräte.

Erklärtes Ziel der Bundesregierung ist aber, dass das mit allen Geräten gehen solle. Dafür will sie mit Mobilfunkbetreibern zusammenarbeiten.

Samsung war der erste Partner der Bundesregierung bei der Entwicklung des Angebots. Nicht verwirren lassen: Über die AusweisApp des Bundes konnten Daten aus dem Personalausweis bisher schon mit sehr vielen Handys via Funk ausgelesen werden. Das war aber immer nur ein einmaliger Vorgang, die Daten wurde nicht auf Dauer im Gerät gespeichert. So wie bei der jetzt startenden Lösung.

Warum wird das Ganze jetzt erst eingeführt, wenn es den elektronischen Perso schon zehn Jahre gibt?

Eine Frau hält 2015 den E-Personalausweis vor die DE-Mail Login-Seite.
Bildrechte: dpa

Weil die bisherige Lösung schlicht unpraktisch war. Wer die elektronischen Funktionen des Personalausweises online nutzen wollte, musste den dafür bisher für jedes Mal neu mit dem Smartphone über die AusweisApp einlesen. Oder nutzte dafür ein zusätzliches Kartenlesegerät, wenn es mit dem Smartphone nicht klappte. Mit der „smarten“ Lösung sind dann alle nötigen Daten aus dem Personalausweis permanent auf dem Smartphone gespeichert.

Das ist deutlich bequemer und in Österreich und Dänemark gibt es das schon seit Jahren.

Personalausweis auf dem Smartphone speichern oder abwarten?

Aus Sicht unseres Experten ist der Personalausweis auf dem Smartphone ein Schritt in die richtige Richtung. Wer das entsprechende Smartphone hat, kann das auch dafür fit machen.

Aus Sicherheitssicht spricht nichts dagegen. Klar, ich muss aufs Smartphone aufpassen, aber das gilt ja auch aus anderen Gründen. Und die App ist ja mit dem zweiten Faktor gegen Missbrauch abgesichert: Ich muss immer noch die PIN eingeben.

Ein Sprecher des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat betonte im Interview mit dem Technikportal Macwelt, auf dem Smartphone würden keine biometrischen Daten aus dem Personalausweis gespeichert. Damit widersprach er der Kritik des Chaos Computer Clubs. Der hatte gewarnt, mit dem digitalen Personalausweis könnte eine zentralisierte Biometrie-Datenbank der Bürger entstehen.

Mit Material der Nachrichtenagentur AFP.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 30. August 2021 | 15:00 Uhr

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