So pendelt der Osten

11.02.2020 | 13:10 Uhr

Immer mehr Deutsche pendeln. 2018 lebten 19,3 Millionen Menschen nicht an ihrem Arbeitsort, sondern mussten mit Auto oder Bahn weite Strecken zu ihrem Arbeitsort zurücklegen. Das zeigen Zahlen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Auch in Ostdeutschland wird gependelt, weite Strecken legen vor allem die Sachsen-Anhalter zurück.

Eine Autobahn bei Nacht, die Lichter zu roten bzw. weißen Streifen verschwommen. Am Horizont geht die Sonne unter, ein kleiner Streifen Himmel schimmert noch rötlich.
Lange Arbeitswege können Stress auslösen. Bildrechte: imago images/YAY Images/LST

Arbeitswege von Berufspendlern nehmen von Jahr zu Jahr zu. Laut Bundesinstitut stieg im Durchschnitt die durchschnittliche Länge der Arbeitswege von knapp 15 Kilometer im Jahr 2000 auf fast 17 Kilometer im Jahr 2018 an. Allerdings gibt es in manchen Regionen große Differenzen zum Bundesdurchschnitt. In Sachsen-Anhalt legen die Pendler zum Beispiel im Durchschnitt mehr als 30 Kilometer Arbeitsweg zurück.

Wie in welcher Region gependelt wird, verrät der Pendleratlas der Arbeitsagentur (Datenstand Juni 2018). Dort könnt ihr genau schauen, wie das Pendlerverhalten in eurer Region ist. Tendenziell lässt sich sagen, dass vor allem in Ballungsgebieten viel gependelt wird.

Wer wird als Pendler gezählt?

Als Pendler wird von Verkehrsforschern jeder gezählt, der einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgeht - und das nicht an seinem Wohnort. Menschen, die in einer Großstadt wohnen und arbeiten, werden als Binnenpendler definiert und fallen damit aus der Statistik.

So pendelt Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt pendeln mehr Menschen raus als rein: Im Jahr 2019 haben rund 144.000 Menschen das Land zum Arbeiten verlassen. Dagegen sind rund 70.000 Menschen für den Job in das Bundesland gekommen. Dennoch zeigt der Pendleratlas, dass vor allen in Regionen wie dem Harz oder der Börde es viele Menschen nach Niedersachsen zieht. Es wird in Braunschweig, Wolfsburg, Wolfenbüttel oder der Region Hannover gearbeitet.

Die Region "Börde" führt laut den Zahlen der Arbeitsagentur die Pendlerstatistik in Sachsen-Anhalt mit an. Fast 50 Prozent der Arbeitnehmer verlassen die Region und fahren nach Magdeburg, Wolfsburg, Helmstedt, in den Salzlandkreis oder auch nach Braunschweig zum Arbeiten. Rund 35 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind Einpendler. Sie kommen zum Beispiel aus Magdeburg, dem Altmarkkreis Salzwedel, dem Jerichower Land oder dem Harz in die Region Börde.

Blick nach Sachsen

Immer mehr Menschen pendeln in den Freistaat. 2018 kamen rund 5,8 Prozent mehr Menschen nach Sachsen zum Arbeiten, als noch im Jahr davor. Zugleich pendeln auch viele Menschen von Sachsen in andere Bundesländer. Die meisten sächsischen "Auspendler" zieht es nach Bayern, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Schaut man im Pendleratlas in die Regionen, wird deutlich, dass auch innerhalb Sachsens viele Menschen nicht an ihrem Arbeitsort leben. Allein in der Region "Leipzig" pendeln 51,5 Prozent zu einem anderen Arbeitsort, und zwar in die Stadt Leipzig, nach Nord- und Mittelsachsen, nach Dresden, Chemnitz oder Halle. Die weiteste Strecke legen jene Berufspendler zurück, die es bis nach Berlin zum Arbeiten zieht. Laut der Bundesagentur sind das immerhin rund 650 Leipziger. Gleichzeitig kommen rund 35 Prozent aus dem Umland nach Leipzig, um dort zu arbeiten. Die sogenannten Einpendler kommen aus Nord- und Mittelsachsen, aus Halle, Zwickau, Meißen oder auch dem Burgenlandkreis. Aus Leipzig Stadt dagegen pendeln nur 27 Prozent raus, es kommen dagegen rund 36 Prozent Einpendler.

In der Region Erzgebirgskreis pendeln rund 27,2 Prozent zu ihrem Job, vor allem in die größeren Städte nach Chemnitz, Zwickau, Dresden, Leipzig, aber auch in den Vogtlandkreis oder nach Mittelsachsen. Nur 16 Prozent dagegen kommen in den Erzgebirgskreis zum Arbeiten.

Lange Arbeitswege auch in Thüringen

In Thüringen sind in den vergangenen Jahren die Pendlerzahlen relativ konstant geblieben. Im Juni 2018 sind knapp 70.000 Menschen aus dem Bundesland rein gependelt - raus sind knapp 124.000 Menschen gependelt - es geht dann meistens zu Arbeitsorten in Bayern oder Hessen.

In der Region Wartburgkreis pendeln zum Beispiel rund 48 Prozent - unter anderem haben sie ihre Arbeitgeber in Eisenach, Hersfeld-Rotenburg, Gotha und Erfurt, aber auch lange Arbeitswege wie nach Fulda oder Frankfurt am Main werden in Kauf genommen. Gleichzeitig kommen rund 33 Prozent in den Wartburgkreis, um dort ihrem Job nachzugehen.

Pendeln ist nicht gesund

Pendeln kostet Zeit und zerrt an den Nerven. Und je weiter weg der Arbeitsplatz ist, desto schlimmer, wie eine Studie der Krankenkasse AOK belegt:

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Nachmittag - die Feierabendshow | 13. Februar 2020 | 15:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2020, 13:09 Uhr

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