Warum Paprika ein Erfolgsgemüse ist

Paprika- Sahne-Hähnchen, Paprika-Hackpfanne Griechischer Art – oder einfach ein knackiger Rohkostsnack zu Steak und Wurst vom Grill. Paprika ist lecker! Forscher aus Sachsen-Anhalt konnten nun zeigen, wie lange wir die Früchte schon nutzen.

mehrere rote Paprika
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In Gatersleben, einem Ortsteil der Stadt Seeland im sachsen-anhaltischen Salzlandkreis gibt es einen ganz besonderen Tresor. Hier werden keine Geldscheinbündel oder Goldbarren aufbewahrt, auch keine Gemälde oder Schmuck. Stattdessen lagern die Forscherinnen und Forscher des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung hier in einer Genbank rund 150.000 Proben von rund 3000 zum Teil extrem seltenen Pflanzenarten - bei minus 18 Grad, damit sie besonders lange haltbar sind.

Es ist eine der weltweit größten Einrichtungen ihrer Art, bei der es unter anderem um die Verhinderung des Aussterbens von Kulturpflanzen und mit ihnen verwandten Wildarten geht. Unter anderem mit Hilfe dieser Sammlung hat ein internationales Wissenschaftlerteam nun neue Erkenntnisse zu einem Gemüse gesammelt, dass uns gerade jetzt in der Grillzeit immer wieder auf den Teller kommt. Es geht um Paprika.

„Wir haben einen riesigen genomischen Fingerabdruck von mehr als zehntausend Paprika-Proben aus Genbanken aus der gesamten Welt erstellt und diese Daten genutzt, um die Geschichte dieses Gemüses und Gewürzes zu untersuchen“, so Pasquale Tripodi vom italienischen Forschungsinstitut CREA. Er ist einer der beiden Hauptautoren der wissenschaftlichen Studie, die gerade in einem hochrangigen US-Fachmagazin erschienen ist.

Welthandel vor vielen hundert Jahren

Das langjährige Erfolgsgeheimnis des Gemüses beschreiben die Forschenden dabei so: Weil sie leicht zu produzieren, zu konservieren und einfach in getrockneter Form zu transportieren sind, wurden die Früchte der Gattung Paprika (Capsicum), zu der auch Chilis und Peperoni zählen, schon früh von Händlern in weiten Teilen der Welt gebracht. Das sei sogar eines der ersten Beispiele für globalisierten Handel gewesen.

Der Trend ist ungebrochen, bis heute. Jedes Jahr werden in Deutschland rund 14.000 Tonnen Paprika hergestellt, normalerweise unter Schutzfolie oder in Gewächshäusern. Aber wir verputzen natürlich viel mehr. Das bedeutet, dass wir allein fast das 20-fache der hierzulande hergestellten Menge aus Spanien importieren müssen. Auch die Niederlande sind ein extrem wichtiger Paprika-Lieferant für uns.

Und im Prinzip sind wir schon seit Jahrhunderten Importnation – auch wenn die Mengen damals natürlich kleiner waren. Da ging es nicht um Rohkost, da ging es vor allem um Gewürze. „Die Ergebnisse zeichnen ein Bild von Paprika als einem sehr begehrten Kulturgut, das sich schon früh entlang der großen Handelsrouten zu Land und zu Wasser über den gesamten Globus verbreitete“, sagt Mark Timothy Rabanus-Wallace vom Leibniz-Institut in Gatersleben.

Ersatz für schwarzen Pfeffer

Ein zentraler Faktor für die Bedeutung der Früchte sei die Gewürzschärfe. „Das gilt vor allem für Europa, wo scharfe Gewürze früher selten und importierter schwarzer Pfeffer sehr teuer war.“ Also nahm man Paprika.

Die Verbreitungsgebiete der verschiedenen Paprikaarten auf der Welt, so beschreiben es die Gaterslebener Forscher, überlappen teils erheblich. Das gilt vor allem für Arten in Europa und Asien sowie den Nachbarregionen. Zurückzuführen ist dies laut der Studie auf die Nutzung wichtiger Handelsrouten, also zum Beispiel der Seidenstraße zwischen China und Europa. Bei vielen europäischen und afrikanischen Arten gibt es wiederum starke Überschneidungen mit Paprika aus Amerika - vermutlich ist das ein Ergebnis des transatlantischen Handels während des Zeitalters der großen Entdeckungsreisenden.

Orangefarbene Paprikafrüchte hängen an einem Strauch
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Aber das alles muss uns heute gar nicht so doll kümmern, wenn wir uns den Paprika einfach schmecken lassen! Am besten sind natürlich eh die Exemplare aus dem eigenen Garten oder Balkonkasten. Und da müsst ihr jetzt stark sein: Wenn ihr nächstes Jahr Paprika selber ziehen wollt, müsst ihr jetzt für Samen sorgen – und das heißt: Die schönsten Früchte solltet ihr nicht essen, leider. Denn es gilt der Wahlspruch: „Der Samengärtner lässt die besten Früchte am Strauch“.

Aber Achtung: Wenn auf eurer Samentüte im Frühjahr „F1“ stand, dann könnt ihr das mit der Nachzucht vergessen. Dann solltet ihr nächstes Jahr neuen Samen kaufen, am besten welchen ohne diesen Hinweis.

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