Warum es sich doppelt lohnt, auf Palmöl zu verzichten

Ökologisch fragwürdig – und womöglich auch medizinisch problematisch: Eine neue Studie liefert ein weiteres Argument dafür, am besten kein Palmöl zu nutzen.

Schokoladenriegel
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Brotaufstrich, Tütensuppen, Kekse, Schokolade, Margarine und Pizza – aber auch Cremes, Waschmittel und Putzmittel: Etwa jedes zweite Produkt in den Supermärkten unserer Region enthält Palmöl. Auch für die Herstellung von Biosprit kommt der umstrittene Rohstoff zum Einsatz.

Palmöl-Verzehr kann Konsequenzen haben

Darüber ist ja schon viel berichtet worden – inklusive der teils dramatischen Folgen für bedrohte Arten wie Orang-Utan oder Tiger. Denn auf weltweit etwa 19 Millionen Hektar rund um den Äquator wachsen mittlerweile Palmöl-Plantagen, wo einst urwüchsige Regenwälder sprossen. Und das Problem wird immer drängender: Die globale Nachfrage nach Palmöl wächst und wächst.

Doch nicht die katastrophale Ökobilanz ist dieses Mal daran schuld, dass Palmöl gerade wieder in den Schlagzeilen ist. Stattdessen geht es um seine mögliche Wirkung auf den menschlichen Körper. Hintergrund ist eine wissenschaftliche Studie, die ein Team um Gloria Pascual vom Institut Biomedizinische Forschung (IRB) in Barcelona gerade im Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht hat. Sie kommt zu dem Schluss, dass ein Bestandteil von Palmöl krebserregend sein könnte – und dazu führt, dass sich Krebszellen ausbreiten können.

Problematische Wirkung im Tierversuch

Konkret geht es um die gesättigte Fettsäure Palmitinsäure, chemisch korrekt auch als Hexadecansäure oder C16 H32 O2 bezeichnet. Das ist eine nicht wasserlösliche, bei Zimmertemperatur farblose Festsubstanz. Palmöl besteht zu 41 bis 46 Prozent aus Palmitinsäure. Allerdings kommt der Stoff unter anderem auch in Rinderfett vor aber auch in Schweineschmalz.

Das Team hat nun offenbar herausgefunden, dass die Verbindung zumindest bei Mäusen die Metastasierung bei Mundhöhlenkarzinomen und Melanom-Hautkrebs fördert. Bei anderen Fettsäuren wie Ölsäure (aus Olivenöl) und Linolsäure (aus Leinsamen) zeigten demnach nicht die gleiche Wirkung. Das ist aber die wichtigste Einschränkung: Wenn es einen wissenschaftlichen Effekt im Tierversuch gibt, dann heißt es nicht, dass das bei Menschen auch so sein muss. Aber zumindest als Hinweis für weitere Forschungen können die Erkenntnisse dienen.

Das Thema ist durchaus wichtig: Metastasen nennt man Tochtergeschwulste eines Tumors. Und Patienten, die davon betroffen sind, kann man in vielen Fällen nicht heilen. Schätzungen zufolge ist die Metastasierung für 90 Prozent aller Krebstodesfälle verantwortlich, weltweit geht es um etwa neun Millionen Todesfälle pro Jahr.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Palmitinsäure Veränderungen in der Funktion von Genen in Krebszellen verursacht. Und die würden es ihnen ermöglichen, Fettsäuren zu erkennen und effizienter zu verbrauchen. Das Vorhandensein von Palmitinsäure scheine die Krebszellen auch in einen „regenerativen Zustand“ zu versetzen, der es ihnen ermöglicht, Signalnetzwerke außerhalb des Tumors zu bilden. Das könnte ein entscheidender Schritt zur Ausbreitung im Körper sein.

Weitere Forschungen nötig

Was bringen die neuen Erkenntnisse aber nun in der Praxis? Laut einem der beteiligten Forscher, Salvador Aznar-Benitah, könnten sie – irgendwann einmal – dabei helfen, die Ernährung von betroffenen Krebspatienten zu verbessern: „Ich denke, es ist noch zu früh, um festzustellen, welche Art von Ernährung Patienten mit metastasierendem Krebs zu sich nehmen könnten, um den Metastasierungsprozess zu verlangsamen. Auf der Grundlage unserer Ergebnisse könnte man jedoch annehmen, dass eine palmitinsäurearme Ernährung den Metastasierungsprozess verlangsamen könnte, aber dazu sind noch weitere Untersuchungen erforderlich.“ Die sollen im kommenden Jahr bei einer klinischen Studie starten.

Davon abgesehen kann man sich natürlich schon vorher bewusst entscheiden, auf Produkte mit Palmöl zu verzichten. Das kann für die eigene Gesundheit sinnvoll sein, vor allem aber für die Umwelt. Zumindest dafür braucht es keine weiteren Studien, das liegt auf der Hand.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 27. November 2021 | 15:47 Uhr

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