Eine Frau mit Kind nimmt an der Haustür ein Paket an
Eine Frau mit Kind nimmt an der Haustür ein Paket an Bildrechte: IMAGO

Sorgt immer wieder für Ärger: Pakete für Nachbarn annehmen

02.11.2018 | 11:41 Uhr

In den hektischen Wochen vor Weihnachten freuen sich die Lieferdienste über Menschen, die Pakete für Nachbarn annehmen. Dieser Freundschaftsdienst sorgt aber immer wieder für Ärger: Etwa wenn Pakete ewig nicht abgeholt werden. Oder wenn der nicht da ist, der etwas angenommen hat. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Eine Frau mit Kind nimmt an der Haustür ein Paket an
Eine Frau mit Kind nimmt an der Haustür ein Paket an Bildrechte: IMAGO

Die deutschen Paketzusteller rechnen wie schon 2017 mit einem Rekordjahr. Weil der Onlinehandel weiter wächst, werden Hermes, UPS und Co. so viele Pakete zustellen wie noch nie. Der Marktführer Deutsche Post DHL allein rechnet für die Wochen für dem Fest mit Rekordmengen von elf Millionen Paketen pro Tag. Für die kommende Paketflut stocken die Lieferdienste ihr Personal schon jetzt massiv auf und stellen mehrere tausende zusätzliche Arbeitskräfte ein. Doch die sind immer auch darauf angewiesen, dass ihnen jemand die Tür aufmacht und Pakete für sich oder Nachbarn annimmt.

Nur Freundlichkeit, keine Pflicht

Rein rechtlich ist niemand dazu verpflichtet, für andere im Haus oder nebenan Pakete anzunehmen. Die so genannte "Ersatzzustellung" ist ein reiner Freundschaftsdienst, der gleich mehreren Menschen etwas bringt: Der Lieferdienst wird sein Paket los, der Nachbar muss nicht erst zum nächsten Paketshop oder zur Packstation und das nächste Mal nimmt er oder sie vielleicht auch für einen selbst Pakete an. Aus der Gefälligkeit ergeben sich aber auch Pflichten, sagte der Kölner Anwalt Christian Solmecke MDR JUMP. So müsse man das fremde Paket so sorgfältig behandeln wie eigene Pakete auch:

Der Kölner Jurist und Experte für Internetrecht Christian Solmecke.
Bildrechte: Christian Solmecke

Weil es sich aber hier um eine Gefälligkeit handelt und nicht um einen Auftrag vom Nachbarn, gelten geringere Pflichten. Wenn ich etwa ein Paket wie üblich im Flur aufbewahre und das erleidet einen Wasserschaden, dann muss ich für den Schaden am Paket nicht haften.

Kurz checken

Um ganz sicher zu gehen, sollte man auch beim Annehmen fremder Pakete genauso vorgehen wie bei an sich selbst adressierte Waren: Auch wenn der Zusteller weiter muss, sollte man das Paket kurz auf offenkundige Schäden prüfen. Sind welche vorhanden, sollte man die dem Zusteller direkt anzeigen und im Zweifel die Annahme auch verweigern. Bei versteckten Transportschäden gibt es eine gesetzlich festgelegte Frist: Die Schäden kann der richtige Empfänger selbst sieben Tage lang reklamieren. Die 14-tägige Rückgabefrist für online bestellte Ware beginnt übrigens erst, wenn der Nachbar sein Paket beim freundlichen Empfänger abgeholt hat. In diesen zwei Wochen kann bestellte Ware ohne Angabe von Gründen zurück geschickt werden.

Paketberg im Flur

Das macht aus dem netten Freundschaftsdienst leider in manchen Fällen eine lästige Sache: Man hat für Nachbarn Pakete entgegengenommen, die dann tagelang nicht abgeholt werden und sich im Flur stapeln.

Wenn ich das Paket annehme, habe ich die Pflicht, es aufzubewahren. Und der Paketdienst muss den Nachbarn darüber informieren. Manchmal gehen aber die Karten verloren und dann sollte ich schon mal bei meinem Nachbarn anklopfen und versuchen, das Paket vorbeizubringen. Fristen gibt’s dafür nicht.

Paketdienst
Bildrechte: Colourbox

Fünf bis sechs Versuche, dem bummelnden Nachbar das Paket zu geben, sind aus Sicht unseres Experten zumutbar. Wer irgendwann keine Geduld mehr hat, kann das Paket aber nicht einfach an den Absender oder Onlinehändler zurückschicken. Mit dem hat man schließlich keinen Vertrag abgeschlossen. Damit ist der Händler auch nicht verpflichtet, die Ware wieder zurückzunehmen.

Holt der Nachbar das Paket niemals ab und ich versuche das zuzustellen, dann darf ich ihm das nicht vor die Tür stellen. Kommt das abhanden, dann muss ich möglicherweise haften. Weil ich mich grob fahrlässig verhalten habe.

„Bitte nicht an den Herrn …. geben!“

In fast jedem Haus gibt es auch Nachbarn, die Pakete annehmen aber fast nie da sind. Andere wollen unbedingt lange reden, ehe sie die bestellte Ware herausgeben. Das Abholen wird dann zur nervigen Geduldsprobe. Bei den Paketdiensten DHL, DPD und Hermes kann man sich vorab online registrieren und einen Wunschnachbarn für alle kommenden Lieferungen als möglichen Empfänger festlegen.

Wenn ich das mit Nachbarn vorher vereinbare, dann gilt das auch als Auftrag. Und dann gibt’s auch Fristen, die einzuhalten sind. Sagt man dem Nachbarn, dass morgen ein Paket kommt, dann kann man davon ausgehen, dass er mir das innerhalb von einem oder zwei Tagen übergibt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 02. November 2018 | 17:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. November 2018, 11:41 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP