Eine Frau putzt sich mit Wattestäbchen die Ohren.
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Darum gehören Wattestäbchen nicht in die Ohren

16.05.2019 | 09:48 Uhr

Ohrenstäbchen, Ohrenkerzen oder Spülungen - Es gibt viele Mythen rund ums Ohrenreinigen. Welche Methoden sind am besten für saubere Ohren geeignet?

Eine Frau putzt sich mit Wattestäbchen die Ohren.
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Die richtige Ohrenreinigung ist bei vielen Menschen ein großes und oft diskutiertes Thema. HNO-Ärztin Silke Burkert versteht, warum das so ist. Findet aber, man solle keine Angst davor haben.

Ich denke die Masse der Bevölkerung macht sich viel zu viele Gedanken um ihren Ohrenschmalz und um ihre Ohrreinigung. Und macht dadurch auch viel falsch und verstärkt das Problem.

Ohrenschmalz sei etwas ganz natürliches und wird von den Ohrenschmalzdrüsen gebildet. Die Drüsen liegen im Gehörgang und fetten die Gehörgangshaut. Außerdem enthält Ohrenschmalz auch Duftstoffe, die verhindern sollen, dass Insekten nachts in den Gehörgang krabbeln. Und im Prinzip muss man sich um die Ohrenreinigung gar keine Gedanken machen:

Normalerweise reinigen sich unsere Ohren von selber. Das heißt, wir haben kleine Härchen im Gehörgang, die flimmern und bewegen so den Ohrschmalz vom Trommelfell zur Ohrmuschel raus. So dass eine Ohrreinigung nicht notwendig ist.

Mit warmen Wasser die Ohrmuschel, also das äußere Ohr und den Eingang vom Gehörgang zu reinigen reiche aus. Der Gehörgang reinigt sich selbst.

Wattestäbchen können gefährlich sein

Wattestäbchen
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Wattestäbchen seien nicht unbedingt notwendig um den Ohrenschmalz aus dem Ohr zu holen. Im Gegenteil: durch sie kann es sogar passieren, dass der Ohrenschmalz noch tiefer ins Ohr geschoben wird. Und ganz ungefährlich sind sie auch nicht:

Die Gefahr besteht, wenn man in den Gehörgang geht, dass man den Gehörgang verletzt. Das sehe ich auch in meiner Praxis häufiger, dass es dann zu Blutungen kommt. Und wenn man zu tief in den Gehörgang reingeht, kommt das Trommelfell. Da habe ich auch schon gesehen, dass es verletzt und eingerissen wurde. Also das sollte man vermeiden.

Das Ohr ausspülen hilft auch bei der Reinigung. Sogenannte Ohrenspritzen aus Gummi gibt es in Apotheken. In diese gibt man warmes Wasser rein und spült damit das Ohr aus. Das sollte man aber nur tun, wenn das Trommelfell intakt ist. Wenn das Ohr stark verstopft ist, empfiehlt es sich aber einen HNO-Arzt aufzusuchen, der es dann reinigt. Die Reinigungskosten werden auch von Krankenkassen übernommen.

Aber: nicht alle Ohren reinigen sich selbst

Bei einigen Menschen ist die Selbstreinigung jedoch eingeschränkt, weil sie zu kleine und enge Gehörgänge haben. Auch bei Menschen mit Gehörgeräten sollte die Reinigung lieber von einem Arzt durchgeführt werden.

Bei Kinder das Ohr reinigen

Da Ohrschmalz etwas Natürliches ist, empfiehlt Silke Burkert bei der Reinigung von Kinderohren vor allem:

Gelassenheit! Man muss sich für Ohrenschmalz nicht schämen. Auch bei Kindern reinigt man die Ohrmuschel und Gehörgangseingang mit einem Waschlappen und warmen Wasser.

Sollte es jedoch mal etwas mehr sein, kennt Silke Bukert auch ein paar Hausmittel, um den Ohrschmalz aufzuweichen:

Fett löst Fett, sag ich immer. Da kann man vor dem Schlafen etwas Babyöl an den Gehörgangeingang geben. Manchen nehmen auch Olivenöl. Olivenöl löst den Ohrschmalz und ist gleichzeitig entzündungshemmend. Das lässt man über Nacht einwirken. Macht ein bisschen Watte davor, so dass das Öl nicht gleich wieder herausläuft.

Danach kann man morgens das Ohr mit einem Spülball ausspülen.

Lieber keine Ohrenkerzen verwenden

Ein neuer Trend zur Ohrenreinigung ist die Verwendung von Ohrenkerzen. Die Kerzen bestehen aus Paraffin oder Bienenwachs und sollen gegen Nasen- oder Ohrenbeschwerden helfen. Zündet man sie an, entsteht angeblich ein Unterdruck im Ohr, der so Unreinheiten herauszieht. Der Deutsche Berufsverband der HNO-Ärzte zweifelt aber die Wirksamkeit von Ohrenkerzen an. Auch Silke Burkert hält aus medizinischer Sicht nicht viel davon:

Eine Frau wird mit einer Ohrenkerze behandelt
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Weil ich den Wirkmechanismus nicht nachvollziehen kann und auch schon Verletzungen gesehen habe. Da bin ich kein Fan von.

Ohrenknacken ist nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen

Die Ohren werden über die Ohrtrompete belüftet. Die Trompete verbindet die Nase mit dem Ohr und immer wenn wir schlucken oder die Nase schnäuzen, öffnet sich die Ohrtrompete.

Dann gibt es ein kleines Knacken. Ich werde sehr häufig gefragt, ob das etwas Schlimmes ist. Aber das ist ein ganz normaler Belüftungsmechanimus, der zum Druckausgleich führt. Weil das Mittelohr sozusagen aus Luft besteht. Und der Druck des Mittelohres muss immer wieder an die Umgebungsdruckverhältnisse angeglichen werden.

HNO-Ärztin aus Halle (Saale)
Bildrechte: Silke Burkert

Unsere Expertin Dr. Silke Burkert ist Hals-Nasen-Ohren-Ärztin aus Halle (Saale)

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Bei der Arbeit | 16. Mai 2019 | 13:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2019, 09:48 Uhr

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