Kita steht in bunten Buchstaben an einer Mauer
Einige Kitas wollen in Zukunft die medizinische Notfall-Hilfe verweigern. Bildrechte: imago/McPHOTO

Notfallhilfe im Kindergarten Wenn Erzieher nicht mehr helfen wollen

Ein Kind erleidet im Kindergarten einen allergischen Schock. Es hat Medikamente dabei, die im Notfall verabreicht werden sollen. Doch das kann zu problematischen Situationen führen. Nun haben mehrere Kindertagesstätten erklärt, dass sie diese Notfall-Hilfe in Zukunft verweigern werden. Was ist in solchen Fällen erlaubt und was nicht?

von Andre Seifert, MDR AKTUELL

Kita steht in bunten Buchstaben an einer Mauer
Einige Kitas wollen in Zukunft die medizinische Notfall-Hilfe verweigern. Bildrechte: imago/McPHOTO

In der Kindertagesstätte Bussi Bär in Crimmitschau werden 115 Kinder betreut, Die Leiterin Solveigh Rudolf erzählt, dass es erst vor wenigen Wochen zu einem Notfall kam. Ein Kind hatte einen epileptischen Anfall. Vor ungefähr einem Jahr ist das schon einmal passiert.

Solveigh Rudolf erinnert sich, dass es damals eine Informationen seitens der Eltern und Ärzten gab, was im Notfall zu tun sei. Beim nächsten Fall wusste sie dann ganz genau, dass schnell zu handeln war und welches Medikament verabreicht werden musste.

Kommunikation mit Eltern und Kinderärzten

Zurzeit haben drei Kinder in der Kita Bussi Bär chronische oder allergische Erkrankungen - und sind im Notfall auf Medikamente angewiesen. Die Erzieherinnen sind für solche Fälle vom Arbeitgeber, dem Johanniter Unfallhilfe e.V., geschult worden, erklärt die Leiterin. Man habe eine sehr gute Kommunikation mit den Eltern und den Kinderärzten, sodass das gut abgesprochen sei.

Wenn die Erzieher sagen, ich trau mir das nicht zu, ist das auch in Ordnung. Also, es wird auch keiner gezwungen, etwas zu verabreichen.

Solveigh Rudolf | Kindertagesstätte Bussi Bär

Keine Hilfe im Notfall

Nicht alle Kitas und Kitaträger in Mitteldeutschland gehen mit solchen Situationen so klar um. Einige verweigern Kindern mit Allgergien, Epilepsie, Asthma, Diabetes oder Neurodermitis im Notfall die Hilfe. Jüngstes Beispiel: In Landsberg bei Halle wies die Stadt als Träger von mehreren Kitas vor wenigen Wochen die Erzieherinnen an, in Zukunft keine Medikamente mehr zu verabreichen.

Unsicherheit unter Erziehern

Die Stadt teilte mit, Erzieher seien pädagogische und keine medizinischen Fachkräfte. Nachdem eine Mutter gerichtlich dagegen vorging, nahm die Stadt diese Anweisung nun zwar vorerst zurück. Doch unter vielen Erzieherinnen und Erziehern herrscht Unsicherheit darüber, was sie im Notfall tun dürfen und was nicht. Dabei ist die Rechtslage eindeutig.

Klare Rechtslage

Der Leipziger Rechtsanwalt Alexander Klatt erklärt, dass Erzieher im Notfall helfen müssen. Zwar könne sich dadurch eine Situation ergeben, in der diese sich einer Strafverfolgung aussetzen müssten, wenn die Kinder beispielsweise wegen einer falschen Dosierung zu Schaden kommen. Das ist aber aus seiner Sicht nicht der Hintergrund der Diskussion. Denn wenn man keine Hilfe leiste und jemand dadurch zu Schaden komme, würde das als Straftat gesehen werden. 

Die Erzieher können nicht nichts machen. Sie müssen etwas machen.

Alexander Klatt | Rechtsanwalt

Vereinbarungen für den Notfall

Wichtig ist, dass sich Eltern und Kita genau darüber einig sind, welche Schritte in einer Notsituation zu gehen sind. Das sollte am besten schriftlich vereinbart werden, so Anwalt Alexander Klatt. Also in Form einer Einverständniserklärung der Eltern und einer Medikation des behandelnden Arztes.

Der verantwortliche Erzieher sollte dann auch eine Einweisung in die Verabreichung des Medikamentes erhalten und das Arzneimittel sicher aufbewahren. Die Crimmitschauer Kita Bussi Bär setzt alle diese Voraussetzungen um, sagt Leiterin Solveigh Rudolf. Sie freut sich, dass den betroffenen Kindern bisher immer geholfen werden konnte. 

Dieses Thema im Programm MDR AKTUELL RADIO | 04. Juli 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juli 2018, 15:53 Uhr

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