Niesen unterdrücken: Ist das gefährlich?

Die Nase kribbelt, die Luft will mit aller Macht nach draußen: Trotzdem unterdrücken wir Nieser in der Öffentlichkeit meistens. Gerade jetzt während Corona. Kann das überhaupt gesund sein?

Ein Junge niest ins Taschentuch
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Hinter einem Nieser steckt unglaublich viel Kraft: Unser Körper sammelt viel Luft in den Lungen, die Muskeln im Brustkorb ziehen sich zusammen und katapultieren alles mit über 150 km/h nach draußen. Mit dieser schnellen Reaktion wirft unser Körper Fremdkörper wie Pollen, Staub, Viren oder Bakterien aus der Nase einfach "raus".

Ein Nieser ist aber oft ziemlich laut und erschrickt andere. Gerade jetzt reagieren viele stärker auf ein Niesen in ihrer Umgebung als sonst, weil sie die regelmäßigen Warnungen von Medizinern im Ohr haben: Nach aktuellem Wissensstand geht die größte Gefahr für eine SARS-CoV2-Infektion von Tröpfchen und Aerosolen aus, die beim Sprechen, Husten oder eben Niesen ausgestoßen werden. Und so unterdrücken wir den Impuls meistens: Wir pressen Mund, Nase und oft sogar die Augen zusammen. Oder versuchen das Niesen im Arm ganz schnell zu "ersticken". Aus dem "Hatschi" wird ein leichtes Prusten. Wirklich gut fühlt sich dieser plötzliche Nies-Stop aber nicht an!

Ernsthafte Verletzungen nach einem unterdrückten Nieser?

Vor einiger Zeit sorgte der Fall eines Briten weltweit für Aufsehen: Der 34-jährige hatte sich Mund und Nase zugehalten, um einen gewaltigen Nieser zu stoppen. Der Mann landete mit einem Riss in der Rachenmuskulatur im Krankenhaus. Solche wirklich ernsten Verletzungen sind aus Sicht von HNO-Ärzten aber extrem selten: Durch die großen Kräfte beim Niesen könne es aber gelegentlich zu kleineren Problemen kommen. Dazu zählen etwa geplatzte Äderchen im Auge. Das übergedehnte Gewebe im Mund- und Nasenraum kann zudem mit Irritationen reagieren. Das kennen viele, die nach einem unterdrückten Nieser erstmal vorsichtig die Kiefermuskulatur dehnen. Wichtig sei auch, den Reizkörper wirklich aus dem Körper zu bekommen, so die Mediziner. Dafür gebe es schließlich den Nies-Impuls.

Unterdrücken oder anstecken?

Niesen: Hinter der Maske und in den Ellenbogen (Symbolbild)
Niesen: Hinter der Maske und in den Ellenbogen (Symbolbild) Bildrechte: imago images / imagebroker

Nieser sollten also  besser nicht unterdrückt werden. Gleichzeitig können sie andere Leute erschrecken und die Infektionsgefahr erhöhen sie auch. Virologen raten daher zu einem Mittelweg: Ins Taschentuch niesen und das dann entsorgen oder alternativ die Armbeuge nutzen und danach waschen. Wer in den Mund-Nasen-Schutz niest, sollt den natürlich danach wechseln.

Dieses Thema im Programm Die MDR JUMP Feierabendshow | 10. September 2020 | 15:40 Uhr

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