Nichtrauchen macht glücklich

Bei uns in der Region gibt es einige der höchsten Raucherquoten in ganz Deutschland. Dabei zeigen neue Studien, dass ein Verzicht auf Zigaretten nicht nur dem Körper guttut, sondern auch der Seele.

Sieben Jahre – um genau diese Zeitspanne macht aktives Rauchen statistisch gesehen das Leben kürzer, jedenfalls bei Männern. Bei Frauen kommen nach einer Studie des Erasmus-Universitätsklinikums in Rotterdam im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft immer noch sechs Jahre zusammen. Ein Rauchverzicht macht das Leben außerdem nicht nur länger, sondern – wegen ausbleibender Krankheiten – auch noch angenehmer.

Im Prinzip. Aber so einfach ist es ja nicht, das Laster loszuwerden.

Und doch ist es eine gute Idee, sich so schnell wie möglich von der Kippe zu verabschieden. Und zwar nicht nur aus körperlichen, sondern aus seelischen Gründen. Das haben Forscher um Gemma Taylor von der Universität im britischen Bath gerade herausgefunden. In der „Cochrane Database of Systematic Reviews“ berichten sie von einer breit angelegten Auswertung, für die insgesamt 102 Einzelstudien ausgewertet wurden. Insgesamt flossen in die Analyse so die Daten von 169.500 Menschen ein.

Die positiven Effekte sind nicht riesig – aber sie sind da

Das Ergebnis: Wer mindestens sechs Wochen mit dem Rauchen aufhört, hat weniger Probleme mit Stress, Depressionen und Ängsten. Im Gegenzug berichten Nikotin-Aussteiger von mehr positiven Gefühlen und einem besseren psychischen Wohlbefinden. Der Effekt tritt interessanterweise auch bei Menschen mit psychischen Erkrankungen auf.

Im Gegensatz dazu konnten die Forscher die Vermutung nicht bestätigen, dass sich womöglich das Sozialleben verschlechtert. Probleme mit Einsamkeit wurden beim Verzicht auf die Zigarette nicht verstärkt gemeldet. Man kann die Ergebnisse sogar so interpretieren, dass ein Rauchstopp mit einer leichten Verbesserung des sozialen Wohlbefindens verbunden ist.

Die positiven Effekte sind nicht riesig, das muss man auch sagen. Aber sie sind wegen der hohen Zahl der ausgewerteten Fälle eben klar nachweisbar. Und das macht die Untersuchung und ihre Resultate glaubhaft. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass ein Rauchstopp im Durchschnitt mit kleinen bis mäßigen Verbesserungen der Stimmung verbunden war. Dieser Nutzen der Rauchentwöhnung scheint bei verschiedenen Gruppen ähnlich zu sein“, sagt Hauptautorin Taylor. „Vor allem gibt es keinen Grund zu befürchten, dass sich der Gesundheitszustand von Menschen mit psychischen Erkrankungen verschlechtert, wenn sie mit dem Rauchen aufhören“, so die Forscherin.

Ein Argument weniger, nicht aufzuhören

Tatsächlich ist es ja aber so, dass die meisten Menschen wegen der körperlichen Auswirkungen des Rauchens damit aufhören wollen – und eher nicht wegen der seelischen Folgen. Allerdings fürchtet sich der eine oder die andere ja vielleicht vor negativen Effekten in diesem Bereich. Diese Angst können die Forscher mit ihrer Übersichtsstudie nun aber als unbegründet einordnen.

Bei uns in der Region gibt es einige der höchsten Raucherquoten in ganz Deutschland. So rauchen in Sachsen-Anhalt 34 Prozent der Männer und rund 23 Prozent der Frauen über 18 Jahren. Niedriger sind die Zahlen in Thüringen (Männer: Männer 32 Prozent, Frauen 21) und Sachsen (Männer: 30 Prozent, Frauen 17). Dabei wäre gerade auch die aktuelle Pandemie ein guter Grund aufzuhören. Nach Erkenntnissen des Chemnitzer Suchtforschers Stephan Mühlig, er war 30 Jahre lang selbst starker Raucher, verschlimmert Rauchen nämlich den Verlauf einer Corona-Infektion.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 14. März 2021 | 17:40 Uhr

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