Junge beim Zahnarzt
Bildrechte: IMAGO

Gelb, porös, empfindlich Zahnärzte warnen vor neuer Volkskrankheit „Kreidezähne“

24.05.2018 | 16:49 Uhr

Immer mehr Kinder leiden an sogenannten „Kreidezähnen“. In manchen Altersgruppen ist die Zahl der Betroffenen sogar höher als die von Karieserkrankungen. Was sind Kreidezähne und welche Ursachen haben sie?

Junge beim Zahnarzt
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Die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) – so lautet die medizinische Bezeichnung für „Kreidezähne“ - tritt immer häufiger auf. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) spricht jetzt aber sogar von einer Volkskrankheit. Denn immer mehr Kinder sind von der Zahnschmelzstörung betroffen, die sogar Karies als Zahnproblem Nummer eins ablösen könnte.

Das ist MIH

MIH ist eine Strukturanomalie, die durch eine Mineralisationsstörung ausgelöst wird. Das heißt, die Oberfläche der Zähne ist teilweise oder ganzflächig aufgeraut und porös. Die Zähne können schon beim Kauen bröseln.

Die Zähne sind tatsächlich nur ein Zehntel so hart wie normale Zähne und das heißt, sie brechen leicht ab. Und auch, wenn das nicht passiert, sind sie sehr schmerzempfindlich, besonders auch gegen Kaltes und Heißes.

Daniel Bauer, ARD Hauptstadtkorrespondent von der Pressekonferenz der DGZMK

Leichte Formen der MIH verfärben die Zähne weiß-gelblich bis gelb-braun, ist die Störung schwerwiegender, können Teile der Zähne und des Zahnschmelzes absplittern oder ganz fehlen. Die Folge sind schmerzempfindliche Zähne, die auf Essen, Trinken und Putzen reagieren. Betroffen sind vor allem die Molaren - die Backenzähne -, aber auch die Schneidezähne sind häufig angegriffen. Die Zähne sind oft schon geschädigt, wenn sie in die Mundhöhle durchbrechen.

Wegen der rauen Oberfläche und weil das Putzen oft besonders schmerzhaft ist, sind MIH-geschädigte Zähne oft auch sehr anfällig für Karies.

Eine neue Volkskrankheit?

Von der Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation sind laut der aktuellen Deutschen Mundgesundheitsstudie von 2016 durchschnittlich 10 bis 15 Prozent der Kinder betroffen. Bei den 12-Jährigen sind es sogar knapp 30 Prozent.

Die DGZMK spricht deshalb von einer Volkskrankheit. Gerade weil die Zahnerkrankung erst 1987 entdeckt wurde, zeigten die Zahlen eine rasante Entwicklung.

Es gibt viele Theorien, woran das liegt. An mangelnder Hygiene liegt es nicht, denn viel Putzen hilft da nicht.

Daniel Bauer

Weichmacher als Ursache

viele leere, verschiedenfarbige Plastikflaschen
Die Chemikalie BPA macht Plastik härter und haltbarer. Bildrechte: colourbox.com

Warum die Zahlen so schnell steigen, ist aber nicht geklärt. Wissenschaftler vermuten, dass Weichmacher in Kunststoffen eine der Ursachen für Kreidezähne sein könnten. Tierversuche hätten einen Zusammenhang zwischen Bisphenol A und der Zahnschmelzanomalie MIH gezeigt. Bisphenol A, kurz BPA, steht schon länger im Verdacht, wie Hormone zu wirken und Kreislauferkrankungen, Diabetes oder Entwicklungsstörungen zu verursachen. Die Chemikalie wird eingesetzt, um Kunststoffe zu härten und löst sich durch Erhitzen. Durch die Nahrung gelangt sie in den menschlichen Organismus.

Dass Weichmacher die Ursache für MIH sind, ist aber nicht eindeutig erforscht. Auch Probleme während der Schwangerschaft, Infektionskrankheiten, Antibiotika, Windpocken, Dioxine oder Erkrankungen der Atemwege könnten Kreidezähne hervorrufen. Klar ist nur, wann die Störung auftritt: während der Zahnschmelzentwicklung zwischen dem achten Schwangerschaftsmonat und dem vierten Lebensjahr.

Zahnärzte müssen reagieren

Gerade weil die Störung aber schon während der Entwicklung der Zähne auftritt und die Ursachen noch unklar sind, ist es schwierig, MIH vorzubeugen. Nach der relativ einfachen Diagnose können die Zähne aber ein Leben lang erhalten bleiben. Voraussetzungen sind regelmäßige Untersuchungen beim Zahnarzt, der die Zähne mit Fluor behandeln und versiegeln oder wenn nötig auch Kronen oder Teilkronen einsetzen kann, damit die Kinder keine Schmerzen mehr haben. Ein Kreidezahn wird aber ein weicher Zahn bleiben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 24. Mai 2018 | 19:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Mai 2018, 16:49 Uhr