Ausflugstipp: Universum der Himmelsscheibe immer ein Besuch wert!

Sie ist wohl 3600 Jahre alt – und gute Teile davon lag sie unbeachtet im Boden. Doch je mehr Forscher sich mit der Himmelsscheibe von Nebra befassen, desto faszinierender wird sie. Wer sich für das Artefakt interessiert, kann sich trotz Corona auf seine Spuren begeben.

Die Himmelsscheibe von Nebra steht in einer Glasvitrine
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Sie gilt als älteste konkrete Himmelsdarstellung, die auf der ganzen Welt bekannt ist – und gerade erst haben Forscher weitere spektakuläre Erkenntnisse zur Himmelsscheibe von Nebra veröffentlicht. Mithilfe eines hochmodernen Digitalmikroskops und eines digitalen Röntgengeräts konnten Experten unter anderem bisher verborgene Details auf dem vermutlich 3600 Jahre alten Artefakt entdecken. Außerdem lässt sich nun besser als bisher erklären, wie die 32 Zentimeter messende runde Bronzescheibe einst entstanden ist und welche Werkzeuge die Handwerker damals benutzten.

Unter anderem fanden die Forscher Hinweise drauf, dass die Künstler der Bronzezeit einen sogenannten Sauzahn verwendeten, um die Himmelsscheibe zu polieren – also den Hauer eines Wildschweins. Verrückt, oder? Außerdem lieferten die neuen Untersuchungen Belege dafür, dass die Scheibe mehrmals bei etwa 800 Grad durchgeglüht wurde, damit sie sich dunkel verfärbt – wohl, damit es einen besonders schicken Kontrast zwischen dunklem Hintergrund und den glänzenden Goldauflagen gab.

Anders ausgeführt als ursprünglich geplant

Und noch ein neues Detail glauben die Forscher mittlerweile zu wissen: Das Schiff im unteren Teil der Scheibe, das als Sonnenbarke interpretiert wird, sollte wohl ursprünglich anders aussehen. Das schließen sie daraus, dass es zwar eine eingeritzte Vorlage gibt, dass aber einige der Goldteile dann doch anders angebracht wurden, als ursprünglich vorgesehen. Die Forscher gehen von einer bewussten Konzeptänderung aus ästhetischen Gründen aus, wie sie es nennen. Will sagen: Die Scheibe sollte einfach noch schicker werden.

Wer jedoch die 1999 von Raubgräbern entdeckte und nach einem wahrhaftigen Krimi zu uns in die Region zurückgekehrte Scheibe gerade bewundern will, der hat ein Problem: Das Landesmuseum in Halle ist als Pandemiemaßnahme aktuell auf unbestimmte Zeit geschlossen. Nun könnte man ja sagen: Gut, kein Problem, dann sieht man sich eben die für Laien ehrlich gestanden gar nicht als solche erkennbare Kopie der Himmelsscheibe in der Arche Nebra unweit des Fundortes an. Doch leider ist auch dieses Museum seit dem 24. April aus Coronagründen zu. Wann es wieder losgeht, steht auch in Nebra noch nicht fest.

Was also tun? Abhilfe könnten womöglich hier die brandneuen Wanderkarten für die „Tourismusroute Himmelswege“ schaffen. Die sind in einem 2019 am Landesmuseum gestarteten und von Bund und Land geförderten Projekt entstanden. Das Ziel war, den räumlichen und zeitlichen Kontext der Himmelsscheibe über den Museumsbesuch hinaus erlebbar zu machen. Und ein Ansatz dabei ist tatsächlich das Erwandern der einzelnen Stationen der „Himmelswege“ – nicht nur wegen der geschlossenen Museen gerade ein besonders guter Plan.

Kultur- und Naturschätze im Umfeld

Die Karten sollen dazu einladen, die einzelnen kulturhistorischen Stätten oder auch eine Route zu erkunden.

sagt Sachsen-Anhalts Landesarchäologe Harald Meller: zu Fuß, per Fahrrad, mit dem Auto oder Motorrad, allein, in Gruppen oder mit der Familie. Das Besondere dabei: Es soll nicht nur um die bekanntesten Stationen und deren Geschichte gehen – neben den Museen in Halle und Nebra sind das die Dolmengöttin von Langeneichstädt, das Sonnenobservatorium Goseck und das Ringheiligtum Pömmelte -, sondern auch um Kultur- und Naturschätze im Umfeld.

Dazu zählen beispielsweise der Geo-Naturpark Saale-Unstrut-Triasland, der Elberadweg am Biosphärenreservat Mittelelbe, das Gradierwerk im Solepark Bad Salzelmen oder, und jetzt wird es besonders spannend, der Fundort der Himmelsscheibe auf dem Mittelberg mit seinem Aussichtsturm.

Alle vier Karten lassen sich kostenlos herunterladen. Wer darin stöbert, findet zum Beispiel auf der Route „Arche Nebra & Dolmengöttin“ einen relativ entspannten Fünf-Kilometer-Rundwanderweg bei Nebra - oder aber bis zu 65 Kilometer lange Radtouren, bei denen in vier Stunden Fahrtzeit etwa 280 Höhenmeter zu absolvieren sind.

Blank poliertes Himmelsauge

Wofür auch immer man sich entscheidet, ein Programmpunkt darf dabei nicht fehlen – und der ist auch in der Pandemie geöffnet: Inmitten eines dichten Waldes auf dem Mittelbergplateau markiert das sogenannte Himmelsauge den exakten Fundort der Himmelsscheibe. Dort wurde eine leicht gekrümmte Scheibe aus poliertem Edelstahl in den Boden eingelassen.

Und ganz in der Nähe steht der markante Aussichtsturm. Er ermöglicht es Gästen, wie die Menschen zur Zeit der Himmelsscheibe zum Horizont zu blicken - denn damals war der Berg unbewaldet. Der Turm ist stolze 30 Meter hoch. Und weil er um zehn Grad geneigt ist, ist er auch Zeiger einer überdimensionalen Sonnenuhr. Besonderer Clou: Ein senkrechter Schnitt teilt das Bauwerk - und markiert die Sichtachse zum Brocken. Hier ging die Sonne zur Sommersonnenwende unter. Das heißt: Genau hier ließ sich die Himmelsscheibe als Sonnenkalender benutzen.

Auch andere markante Punkte in der Umgebung sind vom Turm aus zu sehen, wie etwa der Kyffhäuser mit dem Kulpenberg. Ja, und wer sich jetzt nicht mal auf eigene Faust in der Gegend umsehen will, dem können wir leider auch nicht mehr helfen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 16. Mai 2021 | 06:10 Uhr

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