Neues Buchstabieralphabet: Welche mitteldeutschen Städte sind vertreten?

L wie Leipzig, G wie Görlitz - beim Buchstabieralphabet sollen künftig Vornamen durch Städtenamen ersetzt werden. Einige Bundesländer sind dabei gar nicht vertreten, so auch Sachsen-Anhalt. Bis zur finalen Fassung könnt ihr aber noch eigene Ideen einbringen.

Buchstabennudeln
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26 Städte können sich über die mögliche Aufnahme in das neue Buchstabieralphabet freuen. Das Deutsche Institut für Normung (DIN) arbeitet aktuell an einer neuen Version der Buchstabiertafel für Wirtschaft und Verwaltung. Dabei wurden bisher Vornamen genutzt, um Buchstaben beim Diktieren deutlich zu machen. Nun sollen es Ortsnamen sein: Berlin statt Berta zum Beispiel. Die Nutzung ist nicht verpflichtend, kommt aber in Ausbildungen und Lehrbüchern vor.

Von Augsburg bis Zwickau

Das DIN will die Bezeichnungen möglichst ausgeglichen verteilen. Man wolle vor allem auf Orte setzen, die ein Autokennzeichen mit einem Buchstaben haben. Dabei habe man versucht, alte und neue Bundesländer ausgleichend auszuwählen. Acht Städte aus ostdeutschen Bundesländern und die Region Vogtland werden nun voraussichtlich mit aufgenommen.

Darunter befinden sich Cottbus, Chemnitz (für CH), Görlitz, Jena, Leipzig, Potsdam, Schwerin (für SCH) und Zwickau. Mit dem Vogtland wird außerdem eine Region aufgenommen. Sachsen-Anhalt, das Saarland, Rheinland-Pfalz, Bremen und Hamburg gehen bei diesem Entwurf aber leer aus.

Deutsche Buchstabiertafel für Wirtschaft und Verwaltung (Entwurf von Juli 2021)
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Die Landesregierung von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) äußerte sich deswegen enttäuscht. Ein Regierungssprecher wies auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT darauf hin, dass sich die Staatskanzlei einbringen werde, um das zu ändern.

Wir finden es bedauerlich, dass Sachsen-Anhalt in der ersten Fassung nicht bedacht ist.

Neue Buchstabiertafel soll ein Zeichen setzen

In der aktuellen Buchstabiertafel sind Männernamen mehr als doppelt so häufig vertreten wie Frauennamen. Es sei aber laut des Instituts auch nicht möglich, alle relevanten ethnischen und religiösen Gruppen darzustellen – und dann auch noch geschlechtergerecht ausgewogen. Städtenamen seien da ein guter Kompromiss.

Den Anstoß für die Neugestaltung gab der Antisemitismusbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, Dr. Michael Blume. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden alle jüdischen Namen in der Tafel ersetzt. „David“ wurde so „Dora“, aus „Nathan“ wurde „Nordpol“. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden diese Änderungen dann nur teilweise rückgängig gemacht.

Über Jahrzehnte wurde in Deutschland eine Buchstabiertafel tradiert, aus der die Nationalsozialisten alle deutsch-jüdischen Namen getilgt hatten. Es war Zeit, das gemeinsam aufzuarbeiten und zu beenden.

Die Anregungen von Dr. Blume nahm das DIN als Anstoß, die Tafel komplett zu überarbeiten. Sie sei nicht mehr zeitgemäß und entspräche nicht der heutigen Lebensrealität.

Statt Hannover lieber Halle?

Die Ende Juli vorgestellte Fassung ist erstmal nur ein Entwurf. Wer neue Ideen oder Vorschläge für die Buchstabiertafel hat, kann sich deswegen noch an das Deutsche Institut für Normung wenden – am besten online über das Norm-Entwurfs-Portal vom DIN. Nachdem alle Kommentare geprüft wurden, wird die endgültige Fassung dann Mitte 2022 erwartet.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 17. August 2021 | 06:00 Uhr

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