Die Qual der Wahl: Welcher Name ist gut für mein Kind?

Es ist die wohl wichtigste Entscheidung, die Eltern für ihr Kind treffen: der Vorname. Wie finden Eltern den richtigen Namen für ihr Kind und was gibt es zu beachten? Eine Namensforscherin gibt Tipps.

Eine Schulklasse mit Kindern und Lehrerin. Bildaufschrift: Chantal oder Charlotte - beeinflusst der Name das Leben?
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Es ist und bleibt ein wichtiges Thema für Eltern: Welchen Namen soll ich meinem Kind geben? Bei der Namenswahl wird auf ganz unterschiedlichen Weg vorgegangen. Es gibt beispielsweise Listen mit den beliebten Vornamen der letzten Jahre, Internetseiten, die einen Überblick über Vorschläge geben oder es wird auf einen bereits in der Familie genutzten Namen zurückgegriffen.

Gabriele Rodríguez ist Namensforscherin und arbeitet in der weltweit anerkannten Namensberatungsstelle der Uni Leipzig. Sie gibt in unserem Elternabend-Podcast Tipps, worauf Eltern bei der Namensvergabe der Sprösslinge achten sollten und erklärt, wie sich Namen im Laufe der Jahre verändert haben.

Woher kommen all die Namen?

In Deutschland muss jeder Name, der einem Kind gegeben werden soll, vom Standesamt geprüft und freigegeben werden. Das klingt erst mal sehr streng. Im weltweiten Vergleich ist es das auch. Nur Länder wie Österreich oder die Schweiz sind noch etwas strenger. In englischsprachigen Ländern, zum Beispiel den USA, ist was Vornamen angeht eigentlich alles möglich. Dieser Einfluss schwappt auch langsam zu uns nach Deutschland über, erklärt Namensforscherin Rodríguez:

Zum Beispiel wurde Emma Tiger vom Gericht zugelassen. Da wurde dann gesagt: Ok Til Schweiger, der ist eine öffentliche Person, seine Tochter Emma Tiger steht auch in der Öffentlichkeit und deshalb dürfen auch Eltern ihre Töchter so nennen.

Außergewöhnliche und unkonventionelle Namen werden immer häufiger. Ungefähr 1000 neue Namen werden jedes Jahr ins Namenregister aufgenommen und eingetragen.

Das sollten Eltern bei der Namenswahl beachten

Bunte, gebastelte Hände mit Namen der Kinder hängen an einer Tür.
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Die meisten Eltern greifen zu zeitlosen Namen. Dazu zählen Namen, die schon über Jahrhunderte im deutschen Sprachraum zu finden sind und eine Tradition haben. Doch die Auswahl ist groß und die Vorschläge gefühlt endlos. Es gibt ein paar Tipps, die Eltern bei der Namenswahl ihrer Kinder beachten sollten. Ein Name sollte beispielsweise wohlklingend sein, zum Familiennamen passen und positive Assoziationen auslösen.

Das Schlimmste, was Eltern ihrem Kind antun können, ist, wenn das Kind unter dem Namen leidet. Das Kind wird vom Umfeld über diesen Namen definiert. Verspottung und Ablehnung ist der schlimmste Fall.

Freie Namenswahl erst nach dem 2. Weltkrieg

Vor etwa 100 Jahren waren die Vorschriften, was den Namen von Kindern angeht, noch um einiges strenger als heutzutage. Man sprach damals von einer gebundenen Namenswahl. Dabei spielte vor allen Dingen die Kirche eine wichtige Rolle. Oft wurden Kinder mit ihrem Namen in den Schutz eines Heiligen gestellt:

Wenn sie beispielsweise am 6. Dezember geboren sind, dann hießen sie Nikolaus.

Hand eines neugeborenen Babys in der Hand der Eltern.
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Doch nicht nur die kirchliche Ausrichtung, sondern auch die Familientradition war von großer Bedeutung. Häufig wurden Kinder nach ihren Taufpaten benannt und Söhne bekamen den Namen ihres Vaters oder Großvaters. Insgesamt gab es damals nur einen sehr begrenzten Vornamenschatz, aus dem sich bedient werden konnte.
Nach dem 2. Weltkrieg traten viele Menschen aus der Kirche aus, Familientraditionen sind aufgebrochen und eine Internationalisierung der Namen begann. Seither gibt es also in Deutschland eine freie Namenswahl, die allerdings trotzdem noch durch Standesämter, also den Staat, kontrolliert wird, um das Wohl des Kindes nicht zu gefährden.

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In unserer neuen Rubrik „Elternabend“ machen wir den Praxis-Test. Was tun, wenn es nach der Geburt des Kindes kriselt? Dazu kannst du hier auch den Elternabend-Podcast hören und abonnieren und auf unserem Facebook-Profil mit der MDR JUMP Community diskutieren.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 24. November 2021 | 10:45 Uhr

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